Risiko-Rechner erleichtern die KHK-Prävention

MÜNCHEN (wst). In der KHK-Primärprävention ist es ratsam, das LDL auf den Richtwert eines Risiko-Scores einzustellen. In der Sekundärprävention sollte der Wert bei Patienten mit Atherosklerose oder Diabetes unter 100 mg/dl liegen.

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Eine medikamentöse Lipidsenkung sollte nur den Patienten zugute kommen, die sie wirklich brauchen. In der Primärprävention besteht aber manchmal eine Überversorgung. Darauf wies der Kardiologe Professor Jürgen Schäfer vom Universitätsklinikum Marburg auf einer Pressekonferenz der Lipid-Liga in München hin.

Den aktuellen Stand der Lipidtherapie spiegeln Daten einer Studie wider, die Professor Gerd Assmann aus Münster geleitet hat ("European Journal of Cardiovascular Prevention and Rehabilitation" 13, 2006, 776.) Deutschlandweit waren in die Studie 4401 niedergelassene Internisten und Kardiologen einbezogen. Sie hatten den mehr als 50 000 Patienten wegen einer Hypercholesterinämie eine Statintherapie neu verordnet.

44 Prozent der Patienten hatten eine manifeste arteriosklerotische Erkrankung und waren damit Kandidaten für die Sekundärprävention. Die LDL-Zielvorgabe betrug weniger als 100 mg/dl. Sechs Wochen nach Therapiebeginn war dieses Ziel aber nur bei 13 Prozent der Frauen und 16 Prozent der Männer aus dieser Hochrisikogruppe erreicht.

Nach neun Monaten war der LDL-Wert lediglich bei 21 Prozent der Männer und 17 Prozent der Frauen genügend niedrig.

In der Primärprävention jedoch wurde teilweise zuviel des Guten getan, wie die Kollegen herausfanden. Denn von jenen Patienten, die noch keine arteriosklerotischen Veränderungen hatten, erhielten 19 Prozent der Frauen und 14 Prozent der Männer ein Statin. Diese Behandlung war ihnen verordnet worden, obwohl ihr Ausgangs-LDL unter dem empfohlenen Wert der Risikokategorie lag.

Ermittelt wurde der Wert nach dem PROCAM-Score. Mit dieser Skala läßt sich berechnen, wie hoch das Risiko ist, in den nächsten zehn Jahren einen Herzinfarkt zu erleiden. Die Auswertung orientiert sich an den Daten der PROCAM-Studie (Prospective Cardiovascular Münster).



STICHWORT

Risikokalkulatoren

Risikokalkulatoren sollen helfen, für die Primärprävention das individuelle kardiovaskuläre Risiko von Patienten abzuschätzen. Das erleichtert Entscheidungen für eine Therapie. Verschiedene Fachgesellschaften und zunehmend auch pharmazeutische Unternehmen bieten jedoch eigene Risikokalkulatoren an. Je nachdem, zu welchem dieser Risikokalkulatoren man greift, kann man für ein und denselben Patienten zu unterschiedlichen Risiko-Einschätzungen gelangen. Ein solcher Wildwuchs heterogener Risikokalkulatoren schafft mehr Verwirrung als Klarheit, wie Professor Jürgen Schäfer kritisierte. Er plädierte für eine einheitliche Berechnung, die zudem ausreichend evaluiert sein müßte, bevor sie für die Praxis empfohlen wird. Unter den derzeit verfügbaren Risikokalkulatoren ist nach Angaben von Schäfer der PROCAM-Score am besten geeignet. Information zur PROCAM-Risikoberechnung gibt es zum Beispiel im Internet unter www.chd-taskforce.com. (wst)

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