Rückenschmerzen

Rückenschmerz-Patienten schneller wieder am Arbeitsplatz

STUTTGART. Neun von zehn Rückenschmerzpatienten, die beim bundesweiten Pilotprojekt "Neue Wege in der Therapie von Rückenschmerzen" mit gemacht haben, können nach acht Wochen intensiver Behandlung wieder an ihren Arbeitsplatz zurückkehren.

Von Marion Lisson Veröffentlicht: 03.05.2007, 08:00 Uhr

Dieses Zwischenergebnis präsentierte Dr. Thomas Nolte, Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerztherapie (DGS), beim Deutschen Schmerztag in Frankfurt. Sämtliche Patienten seien zuvor durchschnittlich über drei Monate wegen Rückenschmerzen krankgeschrieben gewesen.

Gemeinsam mit der Techniker Krankenkasse, der Gmünder Ersatzkasse sowie mehreren Betriebskrankenkassen war das Projekt 2006 in fünf Schmerzzentren in Göppingen, Bremen, Wiesbaden, Köln und Chemnitz gestartet. Es soll jetzt nach den ersten Erfolgen auf weitere Zentren, zum Beispiel in Berlin, Hamburg, Hannover, Kiel, Ludwigshafen und München ausgeweitet werden.

Daten von 81 teilnehmenden Patienten ausgewertet

Von den insgesamt 81 teilnehmenden Patienten des Projektes, das gemäß Paragraf 140 SGB V läuft, waren 57 Prozent nach vier Wochen, 35 Prozent nach acht Wochen wieder fit fürs Berufsleben, berichtet Schmerztherapeut Nolte. Daten zu Langzeiterfahrungen und Rückfallquoten liegen bisher nicht vor.

"Normalerweise kehren nur 35 Prozent der Rückenschmerzpatienten nach einer Arbeitsunfähigkeit von mehr als drei Monaten innerhalb von zwei Jahren an ihren Arbeitsplatz zurück", erläuterte Nolte in Frankfurt. Die Patienten in dem Pilotprojekt seien insgesamt durchschnittlich mit 117 Tagen nur halb so lange krankgeschrieben gewesen wie die Patienten einer Kontrollgruppe mit 227 Tagen. Das heißt: Als Folge der speziellen Therapie wird die Dauer der Krankschreibung fast halbiert.

"Die ersten Auswertungen zeigen auch, dass die Schmerzintensität dieser chronischen Rückenschmerzpatienten binnen vier Wochen von im Schnitt 63 Punkten (auf einer Skala von 0 bis 100 Punkten) auf 25,3 Punkte sank und nach acht Wochen bei 18,6 Punkten landete", so der Schmerztherapeut.

In der Regel dauert die Komplextherapie der Patienten bei diesem neuen Konzept vier, maximal acht Wochen. Die Patienten suchen im Schnitt bis zu dreimal pro Woche eine der schmerztherapeutischen Schwerpunkteinrichtungen zur Behandlung auf. In jeweils vier Wochen erhalten sie 8,5 Stunden Schmerztherapie, 17,5 Stunden Physiotherapie und 10,7 Stunden Psychotherapie. Sie werden von einem interdisziplinären Team versorgt. Das Team besteht aus Haus- und Fachärzten, Schmerz-, Psycho- und Physiotherapeuten. Auch ambulante und stationäre Zentren sind eingebunden.

Bonus für erfolgreiche Arbeit

Der gemeinsame Vertrag hatte zu Beginn des Projektes bundesweit für einiges Aufsehen gesorgt. Der Grund: Den beteiligten Schmerztherapeuten war erstmalig ein Bonus für erfolgreiche Arbeit in Aussicht gestellt worden. "Während der ersten vier Wochen erhält das Schmerzzentrum ein Honorar, das in etwa den Kosten für eine stationäre Rehabilitation gleichkommt", informierte dazu damals TK-Sprecher Hubert Forster.

Darüber hinaus erhält das Zentrum in Fällen, in denen der Patient tatsächlich nach vier Wochen wieder arbeiten gehen kann, zusätzlich einen Bonus, über dessen Höhe alle Beteiligten bislang nichts sagen wollen, ausgezahlt. Bedingung für diese Erfolgsprämie ist dabei, dass der Patient in dem folgenden halben Jahr nicht wegen Kreuzschmerzen krankgeschrieben werden muss, so Forster.

Wird das Behandlungsziel innerhalb der ersten acht Wochen nicht erreicht, so erhalten die Mediziner nur noch eine gekürzte Vergütung. Klar ist allerdings auch: Hausärzte bekommen nichts vom Bonus. Ihre Aufgabe ist es, Patienten für das Projekt vorzuschlagen TK-Chef Dr. Norbert Klusen zieht eine positive Zwischenbilanz: Dieser Vertrag spare trotz aller Anreize für die Schmerztherapeuten der Solidargemeinschaft sogar bares Geld.

"Da die Patienten wieder arbeitsfähig werden, spart die Versicherung im Vergleich zu einer konventionellen Behandlung über 5000 Euro pro Patient", rechnet Nolte dazu vor. Allein bei der TK Baden-Württemberg haben rund 6700 Versicherte hartnäckige Rückenschmerzen. Von ihnen beziehen etwa die Hälfte durchschnittlich vier Monate lang Krankengeld.

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