Schutz des Nervus recurrens

Schilddrüsen-Op erfolgt immer mit Neuromonitoring

Bei benignen Schilddrüsenveränderungen sind die Op-Zahlen in Deutschland rückläufig. Ein Neuromonitoring ist Op-Standard. Eine Radiojod-Therapie erfolgt in Deutschland patientenindividualisiert.

Dr. Michael HubertVon Dr. Michael Hubert Veröffentlicht:
Schilddrüsen-Op erfolgt immer mit Neuromonitoring

© Marazzi / science photo library / Agentur Focus

Heidelberg. Die Therapie bei Hyperthyreose erfolgt bekanntlich medikamentös mit Thyreostatika. Führt dies nicht zum Erfolg, sind die Radiojodtherapie oder eine Operation die weiteren Optionen. Hier hat es bei den Operationen in den vergangenen Jahren eine positive Entwicklung gegeben, berichtete Prof. Thomas M. Steinmüller. „Wir hatten in Deutschland die meisten Schilddrüsen-Operationen weltweit“, sagte der Chirurg von den DRK Kliniken Westend in Berlin. Allerdings habe es in Deutschland auch sehr viele Strumen gegeben. Die Indikation werde jetzt strenger gestellt, die Op-Zahlen gehen zurück. Daten des wissenschaftlichen Instituts der AOK belegen für den Zeitraum von 2008 bis 2016 einen Rückgang um 30% für Operationen bei benignen Schilddrüsen-Erkrankungen. „Nicht jeder Knoten muss operiert werden“, sagte Steinmüller, allerdings solle bei verdächtigen Knoten auch nicht zu lange gewartet werden.

Zudem habe es bei Schilddrüsen-Operationen einen Paradigmenwechsel gegeben. Es werde heute zum einen eher feinchirurgisch vorgegangen. Zum anderen sei Deutschland führend, wenn es um das Neuromonitoring zur Schonung des Nervus recurrens bei einer Schilddrüsen-Op gehe. Ein solches Neuromonitoring erfolge in Deutschland zu 100%, so Steinmüller beim Henning-Symposium in Heidelberg. In Großbritannien sei das nur bei 30%, in den USA sogar nur bei 20% der Schilddrüsen-Operationen der Fall. Das Neuromonitoring könne während des Eingriffs kontinuierlich erfolgen, das Risiko einer Stimmlippenparese werde deutlich gesenkt. Der Chirurg wies darauf hin, dass dieses Risiko auch von der Op-Fallzahl einer Klinik abhänge. Im Vergleich zu Kliniken mit über 450 sei das Risiko bei 201-450 Eingriffen 20% höher, bei 101-200 Eingriffen 50% höher und bei unter 50 Eingriffen fast verdoppelt. Die Daten stammen ebenfalls vom wissenschaftlichen Institut der AOK.

Ist bei Hyperthyreose die Radiojodtherapie die Methode der Wahl, erfolgt diese in Deutschland patientenindividualisiert, berichtete Prof. Michael Kreißl. Dabei werde zunächst die Anreicherung des 131Jods in der Schilddrüse und die effektive Halbwertszeit bestimmt. Zusammen mit dem Schilddrüsenvolumen werde die Strahlendosis berechnet. „Dieses Verfahren ist effektiver und die Strahlenbelastung geringer“, so der Nuklearmediziner von der Uni Magdeburg. Die Volumenreduktion der Schilddrüse könne über 90% betragen, meist liege sie bei über 50%. Eine Hyperthyreose könne so zu über 95% beseitigt werden, sagte Kreißl zu Daten aus Deutschland.

Ob Operation oder Radiojodtherapie: Die Schilddrüse ist danach ohne Funktion. Die Patienten benötigen also einen Hormonersatz mit L-Thyroxin, erinnerte Kreißl bei der von Sanofi unterstützten Veranstaltung.

Zum Thema Radiojodtherapie und Krebs präsentierte der Nuklearmediziner sowohl ältere als auch neue Studien. Ein relevantes Krebsrisiko habe keine Studie ergeben. Teilweise sei das Krebsrisiko unter Thyreostase höher gewesen als nach Radiojodtherapie (JAMA. 1998; 280: 347 und Clin Nucl Med 2019; 44: 789). Eine weitere Studie aus diesem Jahr errechnete 19 bis 32 zusätzliche Krebstote durch typische Radiojodtherapien (JAMA Intern Med 2019; 179: 1034). Hier habe es allerdings keine Vergleichsgruppe gegeben. „Die Hyperthyreose an sich erhöht bereits leicht die Krebsrate“, gab Kreißl zu bedenken.

Mehr Infos zum Thema unter: www.infoline-schilddruese.de

Veranstaltung: Pressekonferenz 24. Henning-Symposium „Schilddrüse 2019“, 10. Oktober 2019, Heidelberg

Veranstalter: Sanofi (Henning)

Autor: Dr. Michael Hubert, Springer Medizin

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