Krebs

Schilddrüsenkrebs wird immer häufiger und immer früher entdeckt

MÜNCHEN (wst). Die Häufigkeit von Schilddrüsenkarzinomen nimmt weltweit zu. Die Rate fortgeschrittener Schilddrüsentumoren sinkt jedoch eher. Spezialisten vermuten, daß der dokumentierte Krebs-Anstieg allein auf einer intensiveren und effektiveren Diagnostik beruhe. Kontrovers diskutiert wird, ob eine Jodsubstitution in Nahrungsmitteln die Entstehung von Schilddrüsenkrebs fördert.

Veröffentlicht: 22.09.2006, 08:00 Uhr

Obwohl Schilddrüsenkarzinome die häufigsten malignen endokrinen Tumoren sind, machen sie lediglich etwa ein Prozent aller Krebserkrankungen aus. Daran erinnerte Professor Klaus-Dieter Palitzsch vom Klinikum München Neuperlach auf dem von Merck Pharma unterstützten 4. Münchener Schilddrüsen-Symposium.

Nahezu alle nationalen und internationalen Tumorregister verzeichnen eine Zunahme von Schilddrüsenkarzinomen. Das sei jedoch ziemlich sicher Konsequenz einer immer effektiveren Früherkennung, zumal die Häufigkeit fortgeschrittener Krebsstadien in der gleichen Zeit abgenommen habe, sagte Palitzsch.

Ob und inwieweit eine bessere Jodversorgung einen Einfluß auf die Inzidenz und Ausprägung von Schilddrüsenkarzinomen hat, wird kontrovers diskutiert. Zwar gibt es etwa aus Österreich Daten, die eine Zunahme von Schilddrüsenkrebs parallel zur Einführung und Optimierung der Jodsalzprophylaxe nahelegen. Wahrscheinlich seien aber auch solche Tendenzen eher Resultat einer zur gleichen Zeit ausgebauten Diagnostik als ein tatsächlicher Jodeffekt, so Palitzsch.

Insgesamt jedenfalls scheint auch aus onkologischer Sicht eine ausreichende Jodversorgung eher vorteilhaft zu sein. Denn was in Österreich und einigen anderen Ländern mit Einführung der Jodsubstitution auch beobachtet wurde: Das Verhältnis der Karzinom-Arten verschob sich deutlich zugunsten der papillären Karzinome. Die haben bekanntlich eine gute Prognose. Dagegen nahm die Häufigkeit der prognostisch ungünstigeren follikulären und besonders auch die der aggressiven anaplastischen Karzinome ab.

Nach Daten aus dem Münchener Tumorregister wurde in und um München 2004 eine Schilddrüsenkrebs-Inzidenz bei Frauen von 9,6 pro 100 000 und bei Männern von 3,9 pro 100 000 errechnet. Knapp zwei Drittel der Krebse waren papilläre Karzinome, knapp ein Fünftel folikuläre und vier Prozent anaplastische Karzinome. Die meisten Schilddrüsenkarzinome wurden bei Patienten zwischen 50 und 65 diagnostiziert.



STICHWORT

Schilddrüsen-Karzinom

Papilläre und follikuläre Schilddrüsenkarzinome gehören zu den differenzierten Krebsen. Sie machen zusammen etwa 90 Prozent aller Schilddrüsenkrebse aus. Medulläre sowie die aggressiven anaplastischen Karzinome sind selten, haben aber im Gegensatz zu den differenzierten Karzinomen eine schlechtere Prognose.

Bei solitären Schilddrüsenknoten ist Vorsicht angebracht: Zwischen 10 und 30 Prozent sind maligne. Ein besonders hohes Karzinomrisiko haben Patienten unter 20 Jahren oder über 60 mit solitären Knoten.

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