Schirmchen schließt Vorhofohr

Der perkutane kathetergestützte Verschluss des Vorhofohrs zur Vorbeugung des Schlaganfalls bei Vorhofflimmern ist auch dann erfolgreich, wenn keine vorübergehende Antikoagulation erfolgt.

Peter OverbeckVon Peter Overbeck Veröffentlicht:
Eine transseptale Zugangsschleuse ermöglicht es, das Okkluder-System zum Vorhofohr vorzuschieben.

Eine transseptale Zugangsschleuse ermöglicht es, das Okkluder-System zum Vorhofohr vorzuschieben.

© Boston Scientific

BOSTON. Der Verschluss des Vorhofohrs mit einem Okkluder-System ist eine Therapieoption für Patienten, die für eine Antikoagulation nicht in Betracht kommen.

Neue Studiendaten belegen, dass die Implantation auch ohne vorübergehende Antikoagulation sicher und wirksam ist.

Zusätzlich zu Vitamin-K-Antagonisten haben mittlerweile neue orale Antikoagulantien das therapeutische Arsenal für die Schlaganfallprophylaxe bei Vorhofflimmern erweitert. Das Risiko von Blutungskomplikationen ist allerdings auch damit nicht aus der Welt.

Bei Patienten, bei denen ein hohes Blutungsrisiko eine Antikoagulation kontraindiziert erscheinen lässt, kann der perkutane kathetergestützte Verschluss des Vorhofohrs eine Alternative sein.

Ausgerechnet bei dieser Patientengruppe mit dem potenziell größten Nutzen mangelt es aber an Daten zur Sicherheit und Wirksamkeit der Okkluder-Therapie.

Denn in den bisherigen Studien erhielten die Patienten mit Vorhofohr-Verschluss in der Regel zumindest periinterventionell eine zeitlich befristete Antikoagulation. Eine absolute Kontraindikation bestand demnach nicht.

Okkluder nicht schlechter als die Antikoagulation

Das Watchman-System (Boston Scientific) ist der bislang einzige Okkluder, der in einer prospektiven randomisierten Studie (PROTECT-AF) geprüft worden ist.

Die Ergebnisse der Studie, an der 707 Patienten mit nicht-valvulärem Vorhofflimmern teilgenommen haben, belegen die "Nicht-Unterlegenheit" dieses Okkluder-Systems in der Schlaganfall-Prophylaxe im Vergleich zur Antikoagulation mit einem Vitamin-K-Antagonisten (Warfarin).

Auch die Patienten in der Okkluder-Gruppe erhielten zunächst einer Antikoagulation, die in den meisten Fällen nach 45 Tagen abgesetzt werden konnte.

Dass es aber auch ganz ohne Antikoagulation geht, zeigen erstmals beim Kongress der "Heart Rhythm Society" (HRS) in Boston vorgestellte Daten aus dem prospektiven ASAP-Register (ASA-Plavix).

Beteiligt daran waren drei kardiologische Zentren in Deutschland (Frankfurt, Leipzig, Regensburg) und eines in Prag, die insgesamt 150 Patienten in das Register einbrachten.

Es handelte sich um Patienten mit hohem Schlaganfallrisiko (CHADS2-Score: 2.8) und gleichzeitig bestehenden Kontraindikationen gegen eine Antikoagulation.

Das Risiko wurde um bis zu 75 Prozent reduziert

Bei 94 Prozent der Patienten konnte das Watchman-System erfolgreich perkutan implantiert werden. Nach der Intervention erhielten die Patienten zunächst sechs Monate lang eine duale plättchenhemmende Therapie (ASS, Clopidogrel), danach nur noch ASS, aber keine Antikoagulation.

Im Beobachtungszeitraum (mittlere Dauer: 14 Monate) betrug die Rate aufgetretener ischämischer Schlaganfälle 1,8 Prozent.

Auf Basis von Daten historischer Kontrollen mit vergleichbarem Risiko (CHADS2-Score) wäre in diese Zeit eine Schlaganfallrate von 7,3 Prozent (unter ASS) und 5,0 Prozent (unter ASS/Clopidogrel) zu erwarten gewesen, berichtete Dr. Vivek Reddy aus New York.

Die Unterschiede entsprechen einer relativen Risikoreduktion um 75 Prozent (versus ASS) und 64 Prozent (versus ASS/Clopidogrel) durch den Watchman-Okkluder.

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