Schlaganfall

Schlaganfall veränderte den Akzent dramatisch

FRANKFURT/MAIN (Smi). Wenn der englische Bankangestellte Richard Murray früher seine Kunden anrief, erkannten ihn diese sofort an seinem starken Birmingham-Akzent. Doch nach einem Schlaganfall spricht Murray plötzlich mit ausländischem Akzent.

Veröffentlicht: 18.05.2007, 08:00 Uhr

Murrays Leidensgeschichte begann ausgerechnet während seiner Flitterwochen auf Mauritius, wie der britische Sender BBC berichtet. Auf der Urlaubsinsel brach sich der heute 30-Jährige im September 2005 einen Zeh. Damit nicht genug: Als er nach England zurückflog, erlitt er eine tiefe Venenthrombose, neun Tage später einen Schlaganfall, verbunden mit dem totalen Verlust seiner Sprechfähigkeit. In der Reha musste Murray seine Sprache von Grund auf neu erlernen. Doch fortan sprach er mit einem ausländischen Akzent. Einige sagen, er klinge wie ein Englisch sprechender Franzose, andere glauben er sei Italiener oder Osteuropäer. Seine Kunden jedenfalls erkennen ihn nicht wieder. Murray musste sich angewöhnen, seine Gespräche mit einer Erklärung einzuleiten: "Ich hatte einen Schlaganfall und spreche daher mit einem ausländischen Akzent."

Das sogenannte Foreign accent syndrome (FAS) ist ein extrem seltenes Phänomen. Zum ersten Mal wurde es 1919 in Tschechien beschrieben. Am bekanntesten ist der Fall der jungen Norwegerin Astrid L., die während des Zweiten Weltkriegs 1941 von einem Schrapnell getroffen wurde. Nach ihrer Rehabilitation sprach sie mit einem starken deutschen Akzent und wurde von ihren Nachbarn daraufhin gemieden. Als Ursache vermuten Neurologen eine Verletzung innerhalb des Sprachzentrums. Betroffene hatten meist einen Schlaganfall oder eine Kopfverletzung. Forscher der Universität von Texas in Dallas, die im Internet weltweit Fälle des Foreign accent syndrome dokumentieren, berichten auch von Patienten mit Multipler Sklerose, die FAS entwickelten.

Richard Murray freut sich, dass er sich überhaupt wieder unterhalten kann. "Ich bin ein ziemlich schwatzhafter Mensch. Daher war es sehr frustrierend, nicht mehr an Unterhaltungen teilnehmen zu können."

Weitere Infos gibt es im Internet unter www.utdallas.edu/research/FAS

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