Infektionsschutz

Schlechte Noten für Ärzte und Schwestern

Beim An- und Ablegen von Schutzhandschuhen und -kitteln kontaminiert sich jeder zweite Klinikmitarbeiter. Gezieltes Training schafft Abhilfe, so eine US-Studie.

Von Thomas Müller Veröffentlicht:
Der Schutzkittel wird angelegt: Ein Protokoll der US-Centers for Disease Control and Prevention (CDC) beschreibt die richtige Prozedur.

Der Schutzkittel wird angelegt: Ein Protokoll der US-Centers for Disease Control and Prevention (CDC) beschreibt die richtige Prozedur.

© Tyler Olson / fotolia.com

CLEVELAND. Spätestens seit dem Ebola-Ausbruch in Westafrika dürfte klar geworden sein, dass auch die beste Schutzkleidung nichts nützt, wenn man sie nicht richtig an- und auszieht.

Durch Fehler beim An- und Auskleiden haben sich offenbar einige hundert Ärzte und Helfer während der Epidemie infiziert und den Tod geholt.

Infektiologen aus vier Kliniken in Cleveland haben dies zum Anlass genommen, in ihren Krankenhäusern die Sicherheit beim Umgang mit Schutzkleidung zu prüfen.

Das Ergebnis ist überraschend: Nicht einmal die Hälfte der Mitarbeiter schaffte es, einen Handschuh sauber an- und abzuziehen. Nach einem ausführlichen Training misslang dies nur noch jedem Sechsten (JAMA Intern Med 2015, online 12. Oktober).

Tests mit Fluoreszenzfarbstoff

Ärzte um Dr. Myreen Tomas haben in einem Vorexperiment zunächst 50 Klinikmitarbeiter gebeten, sich Handschuhe anzuziehen und eine Lösung mit Fluoreszenzfarbstoff und Bakteriophagen zwischen den Händen zu verreiben. Anschließend sollten sie in gewohnter Weise die Handschuhe ausziehen. Kontakt mit der Fluoreszenzlösung wurde per UV-Licht nachgewiesen.

Um den Phagen auf die Spur zu kommen, tupften die Ärzte Hände und Handgelenke mit einem Gaze-Tuch ab und analysierten dies mikrobiologisch. Bei 58 Prozent der Testpersonen konnten sie anschließend eine Kontamination mit der Lösung, bei 52 Prozent mit den Phagen nachweisen.

Da der Unterschied nicht signifikant war, aber der Nachweis einer Kontamination mit der Lösung wesentlich einfacher gelingt, verwendeten sie für das eigentliche Experiment nur die Lösung.

Für dieses durften dann Mitarbeiter der vier Kliniken während 435 Tests Handschuhe und Schutzanzüge mit der Fluoreszenzlösung einschmieren. 57 Prozent der Versuche absolvierten Krankenschwestern, 17 Prozent Ärzte, die übrigen stammten von anderem Gesundheitspersonal.

Die Studienautoren prüften bei den Tests anhand eines Protokolls der Centers for Disease Control and Prevention (CDC), ob die Probanden beim An- und Ablegen der Schutzkleidung Fehler machten.

Wie sich herausstellte, leuchteten bei 53 Prozent der Personen nach dem Ablegen der Handschuhe Spuren des Testmittels am Körper auf, bei 38 Prozent war dies nach dem Ablegen des Schutzanzugs der Fall. Diese Raten waren bei den Mitarbeitern in allen vier Kliniken ähnlich hoch, wobei die Krankenschwestern am besten und die Ärzte am schlechtesten abschnitten.

Fehler nach dem CDC-Protokoll wurden bei 40 Prozent der Simulationen beobachtet. Am häufigsten bedeckten dabei die Handschuhe nicht das Handgelenk (117-mal), 44-mal wurde der Schutzanzug über den Kopf abgezogen, 33-mal zogen die Testpersonen die Handschuhe vor dem Schutzanzug an, 31-mal berührten sie die kontaminierte Außenseite der Handschuhe beim Ausziehen.

Passierten solche Fehler, dann trat zu 70 Prozent eine Kontamination auf, ohne derartige Fehler zu 30 Prozent.

Die meisten Ärzte kontaminiert

In einer der vier Kliniken wurden die Mitarbeiter nun speziell geschult. Sie durften ein Video zum richtigen An- und Ablegen der Kleidung ansehen und danach unter Anleitung von geschultem Personal mithilfe der Fluoreszenzlösung so lange üben, bis sie die richtige Technik beherrschten.

Vor der Schulung hatten sich 60 Prozent über die Handschuhe kontaminiert, von den Ärzten sogar 80 Prozent. Direkt nach der Schulung waren es noch 18 Prozent aller Klinikmitarbeiter, drei Monate später nur noch 12 Prozent. Und bei den Ärzten klappte es jetzt sogar genauso gut wie bei den Krankenschwestern.

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