Direkt zum Inhaltsbereich

ADHS

Schon wenig Quecksilber eine Gefahr

Die pränatale Quecksilberexposition ist einer US-Studie zufolge mit einem erhöhten Risiko für ADHS-assoziierte Verhaltensauffälligkeiten verbunden. Allerdings gibt es eine Möglichkeit, dem entgegenwirken.

Veröffentlicht:
Quecksilber im Thermometer: Gefahr für Ungeborene, wenn es bricht?

Quecksilber im Thermometer: Gefahr für Ungeborene, wenn es bricht?

© Jochen Tack / imago

BOSTON (ple). Schon geringe Mengen an Quecksilber, die Frauen während der Schwangerschaft aufgenommen haben und die neurologische Entwicklung des Ungeborenen beeinflussen, sind mit einem erhöhten Risiko für ADHS-assoziiertes Verhalten verbunden.

In einer prospektiven US-Studie stellte sich zudem heraus, dass Fischverzehr möglicherweise einen schützenden Effekt hat.

In den vergangenen Jahren ist in mehreren Studien ein Zusammenhang zwischen der Quecksilberexposition - aber auch gegenüber anderen Metallen - und ADHS beobachtet worden.

US-Gesundheitsforscher haben sich dieser Thematik jetzt in einer prospektiven bevölkerungsgestützten Kohortenstudie gewidmet, an der Schwangere teilnahmen, die mindestens 18 Jahre alt waren und in einer von vier Regionen um New Bedford mit einem kontaminierten Hafen lebten (Arch Pediatr Adolesc Med. 2012; online 8. Oktober).

Perinatal wurden den Frauen Haarproben für die Quecksilberanalyse entnommen. Bestimmt wurde die Gesamtquecksilbermenge im Haar, die in etwa der Menge an organischem Methylquecksilber entspricht und mit der Menge im Gehirn des Ungeborenen korreliert. Außerdem wurden die Mütter zu ihrem Fischkonsum befragt.

Neuropsychologische Untersuchungen der Kinder erfolgten im Alter von etwa acht Jahren. Dabei wurde unaufmerksames und impulsives Verhalten mithilfe des CRST-Tests (The Connors Rating-Scale Teachers) und zweier neurologischer Tests beurteilt.

Gegensteuern mit Fisch

Eine klinische ADHS-Diagnose erfolgte nicht. Mehr als 600 Kinder nahmen an der Studie teil. Daten zum Quecksilbergehalt in den Haaren der Mütter lagen von 421 Kindern vor, zum Fischverzehr von 515 Kindern.

Im Median betrug die Quecksilberkonzentration in den Haaren 0,43 µg / g mit einer Spanne von 0,03 bis 5,14 µg / g.

Die statistische Auswertung der Daten ergab, dass bei einer Quecksilberkonzentration von mindestens 1 µg / g - das war bei 66 Müttern der Fall - das adjustierte Risiko für ADHS-assoziierte Symptome bei den Kindern zwischen 1,4 und 1,7 lag.

Jungen waren dabei stärker betroffen als Mädchen, wofür die Autoren allerdings keine abschließende Erklärung haben. Bei der Risikoberechnung wurden Parameter, die das Ergebnis verfälschen könnten, herausgerechnet, zum Beispiel Bleikonzentrationen und Depressionen der Mütter.

Erstaunlicherweise hatte der Fischverzehr der Mütter (mindestens zwei Gerichte pro Woche) offenbar einen schützenden Effekt mit einem relativen Risiko für ADHS-assoziierte Verhaltensstörungen von 0,4 (95%-Konfidenzintervall zwischen 0,2 und 0,6).

Für diesen Effekt gibt es bereits Hinweise in einer früheren Studie. Bei der aktuellen Analyse wurden die Quecksilberbelastung und andere Faktoren, die das Ergebnis verzerren könnten, herausgerechnet. Der protektive Effekt wird den Omega-3-Fettsäuren zugeschrieben, die die neuronale Entwicklung fördern.

Schlagworte:
Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Was die MS-Behandlung auszeichnet

© Suphansa Subruayying | iStock

Lebensqualität

Was die MS-Behandlung auszeichnet

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

© AscentXmedia | iStock

Lebensqualität

Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

© Matt LaVigne | iStock

Neue in-vitro-Daten

DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

© Irina Esau | Getty Images/iStockphoto

Fokus: Integrität der Haut

Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

© Prof. Dr. med. Hans-Jürgen Tietz

Pilzinfektion Kopfhaut

Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: OS von Patientinnen mit Endometriumkarzinom und Mismatch-Reparatur-Profizienz bzw. Mikrosatellitenstabilität

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Primär fortgeschrittenes/rezidivierendes Endometriumkarzinom

Nachhaltiger Überlebensvorteil durch Immuntherapie plus Carboplatin-Paclitaxel

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: GlaxoSmithKline GmbH & Co. KG, München

ADHS im Erwachsenenalter

Wechseljahre und ADHS: Einfluss hormoneller Veränderungen auf Symptomatik und Diagnose

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: MEDICE Arzneimittel Pütter GmbH & Co. KG, Iserlohn
Den Herausforderungen mit Hopfenextrakt begegnen

© Pixelrohkost / stock.adobe.com

Arztinformation – Hilfe für Patientinnen in den Wechseljahren

Den Herausforderungen mit Hopfenextrakt begegnen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Procter & Gamble Health Germany GmbH, Schwalbach am Taunus
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Erfolgreiche Überbrückung bis zur Transplantation

Schwer an ARDS Erkrankter überlebt Entfernung beider Lungenflügel

Anpassungsvorgänge brauchen Zeit

Höhenkrankheit bei Kindern und Jugendlichen: Das gilt es zu beachten

Lesetipps
Ein Mann liegt im Bett und schaut auf sein Handy.

© Andrii Lysenko / Stock.adobe.com

Insomnie

Wie sich schlechter Schlaf auf Schmerzen auswirkt

Die Ärzte Zeitung ist jetzt auch auf Instagram aktiv.

© prima91 / stock.adobe.com

Social Media

Folgen Sie der Ärzte Zeitung auf Instagram