Singen hebt die Stimmung und stärkt das Herz

BAD HOMBURG (sih). "Alle Musik ist zur Recreation des Gemütes gedacht", soll Johann Sebastian Bach einmal gesagt haben. Den Beweis haben Brustkrebspatientinnen jetzt in der Schloßkirche Bad Homburg erbracht, wo sie ein fröhliches und mitreißendes Gospelkonzert gegeben haben.

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In nur zwei Tagen hatten 37 Frauen aus ganz Deutschland zusammen mit dem Gospelchor der Erlöserkirche Bad Homburg Spirituals einstudiert. Mit so viel Elan habe er nicht gerechnet, sagte Chorleiter Moritz Reinisch anerkennend. Ohne Chorerfahrung und ohne Noten lesen zu können hätten die Frauen sieben Stunden am Tag geübt.

Die Sängerinnen im Alter von 37 bis 72 Jahren wollten ein Zeichen setzen, daß trotz der Erkrankung Energie und Lebensfreude in ihnen stecken, und damit anderen Betroffenen Mut machen. Mit Musik kommt dies besonders gut zum Ausdruck. "Der Workshop hat viel Selbstvertrauen gegeben und auch Mut, Dinge auszuprobieren, die man eigentlich gar nicht kann, zum Beispiel singen", beschrieb Dr. Dagmar Lück von der "Frauenselbsthilfe nach Krebs" aus Bad Nauheim das Wochenende.

Musische oder kreative Beschäftigungen würden den Betroffenen helfen, die Krankheit auch psychisch zu bewältigen und die Lebensfreude zu erhalten. Singen sei besonders zu empfehlen, weil es die Stimmung hebe, Glücksgefühle erzeuge und dabei Herz, Kreislauf und das Immunsystem stärke, erläuterte Professor Andreas Kurth, Leiter der Orthopädischen Onkologie an der Uniklinik Frankfurt am Main vor dem Konzert.

"Musik kann ein Weg sein, die persönlichen Kräfte zu mobilisieren, daß man lachen und weinen kann, um die Ängste zu verarbeiten. Gospels kommen aus dem Inneren. Sie haben Schmerz und Verzweiflung, aber immer auch Hoffnung und Glauben zum Thema", bestärkte die hessische Sozialministerin Silke Lautenschläger die Frauen in ihrem Grußwort.

Der Konzerterlös kommt dem psycho-onkologischen Projekt "Schmetterling" zugute. Das ausschließlich aus Spenden finanzierte hessische Modellprojekt ist an der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe an der Universität Frankfurt angesiedelt. "Schmetterling", im Jahre 2000 von Professor Manfred Kaufmann und Projektleiterin Constanze Klee gegründet, hilft, trotz der Diagnose Krebs Lebensperspektiven zu finden. Die musische Seite und die Kreativität in sich zu aktivieren sei sehr hilfreich für die Frauen, sagte Klee.

Der Gospel-Workshop war der bundesweit erste seiner Art. Er wurde vom Verein "Aktion Bewusstsein für Brustkrebs e.V." und dem Arzneimittelhersteller Roche Pharma AG initiiert. Der seit zehn Jahren bestehende gemeinnützige Verein will vor allem gesunde Frauen über Brustkrebs informieren und die Früherkennung fördern. Denn "gute Aufklärung nimmt die Angst, die Frauen haben im Falle einer Erkrankung bessere Chancen", davon ist Geschäftsführer Dr. Dieter Alt überzeugt.

Infos im Internet unter: www.projekt-schmetterling.info und www.brust-bewusst.de

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