So einfach ist Bechterew-Screening

Veröffentlicht:

WIESBADEN (hub). Über sechs Jahre beträgt die Diagnoseverzögerung bei Patienten mit Morbus Bechterew. Mit drei Parametern wäre ein Screening ganz einfach.

Leitsymptom bei Morbus Bechterew ist chronischer Rückenschmerz.

Leitsymptom bei Morbus Bechterew ist chronischer Rückenschmerz.

© Foto: sebastian kaulitzkiwww.fotolia.de

Jeder zwanzigste Patient mit chronischen Rückenschmerzen hat eine ankylosierende Spondylitis (AS, Morbus Bechterew). Anhand von drei Kriterien lassen sich diese Patienten von den anderen Rückenschmerz-Geplagten unterscheiden:

  •   Rückenschmerz ist entzündlich (etwa Morgensteifigkeit, Besserung bei Bewegung, Ansprechen auf NSAR)
  •  Patient ist jünger als 45 Jahre
  •  Test auf HLA-B27 ist positiv

In einer Berliner Studie konnte von 350 Patienten, die diese Kriterien erfüllten, bei 62 Prozent eine AS nachgewiesen werden. Das berichtete Privatdozent Martin Rudwaleit von der Charité Berlin beim Rheuma Update in Wiesbaden. Die Hälfte dieser Patienten hatte bereits eindeutige Röntgenveränderungen im Sinne einer AS. Die andere Hälfte wurde aufgrund des MRT-Befundes als präradiografische axiale AS klassifiziert, so Rudwaleit.

Die Bereitschaft vor allem von Orthopäden, aber auch von Hausärzten, diese Screening-Kriterien bei chronischen Rückenschmerz-Patienten anzuwenden, könnte die Zeit bis zur Diagnose deutlich verkürzen. "Bei anderen Rheuma-Erkrankungen ist das bereits gelungen", sagte Rudwaleit. "Bei Rheumatoider Arthritis lag dieser Zeitraum 2004 bei etwa einem Jahr, zehn Jahre zuvor noch bei zwei Jahren". Auch bei Psoriasis-Arthritis sei diese Zeit mehr als halbiert worden. Bei AS hingegen gebe es eine Stagnation bei etwa sechs Jahren.

Rudwaleit wies daraufhin, dass eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung (CED) bei AS-Patienten mit bis zu sieben Prozent häufig sei. Kollegen sind gut beraten, bei entsprechenden Symptomen ihrer AS-Patienten, eine CED beim Gastroenterologen abklären zu lassen. Als Therapeutika für diese Patienten kommen dann TNFa-Blocker infrage: Infliximab (Remicade®) bei Morbus Crohn und Colitis ulcerosa und Adalimumab (Humira®) bei M. Crohn.

Mehr zum Thema

Pneumocystis-jirovecii-Pneumonie

Pilzsepsis gibt es auch bei Rheuma

Kommentare
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Das war der Tag: Der tägliche Nachrichtenüberblick mit den neuesten Infos aus Gesundheitspolitik, Medizin, Beruf und Praxis-/Klinikalltag.

Eil-Meldungen: Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Schon im ersten Trimester

Frühere Diagnostik des Gestationsdiabetes gefordert

Lesetipps
Hört die KI künftig in Praxis- und Klinikalltag mit? Beim Healthcare Hackathon in Berlin wurden gleich mehrere Szenarien getestet, bei denen eine Art Alexa etwa bei der pflegerischen Aufnahme unterstützt.

© Andrey Popov / stock.adobe.com

Healthcare Hackathon

Wie KI zur echten Praxis- und Klinikhilfe wird

Professor Ferdinand Gerlach

© Wolfgang Kumm/dpa/picture alliance

Interview

Gerlach: „Es gibt keinen allgemeinen Ärztemangel und keine generelle Überalterung“

Gemälde von Menschen auf einer tropischen Insel, die um eine übergroße Mango tanzen.

© Preyanuch / stock.adobe.com

Kinetose

Mango, Musik, Medikamente – was gegen Reisekrankheit hilft