Sport bringt mehr als eine PTCA mit Stent

Regelmäßiger Sport reduziert bekanntlich das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Auch in der Sekundärprävention ist der Nutzen von Bewegung unumstritten.

Von Werner Stingl Veröffentlicht:
Gemeinsam aktiv sein macht mehr Spaß und der innere Schweinehund lässt sich leichter überwinden.

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© Foto: Ogilvy Healthcare

Aufgrund der Ergebnisse einer Metaanalyse von 30 Studien reduziert regelmäßiges, mehrmals die Woche absolviertes körperliches Training die Sterberate in der Primärprävention altersadjustiert um 38 Prozent. Daran hat Professor Klaus Völker von der Uni Münster bei einer von MSD und Essex Pharma organisierten kardiologischen Fortbildungsveranstaltung in München erinnert.

Und auch wer schon einen Herzinfarkt hatte, reduziert allein durch eine sportlich akzentuierte Lebensstiländerung seine Sterberate um 20 Prozent, so eine weitere Metaanalyse. In einer Studie von 2004 sei zudem belegt worden, dass Patienten mit stabiler KHK zusätzlich zu einer optimierten Pharmakotherapie von einem gezielten Sportprogramm mehr profitieren als von einer PTCA mit Stent: Das ereignisfreie Überleben betrug nach 24 Monaten 80 versus 64 Prozent, nach fünf Jahren waren es 63 versus 40 Prozent.

Als Antwort auf die Frage, wie Sport bei Herzerkrankungen therapeutisch wirkt, begnügen sich Forscher nicht mehr nur mit dem globalen Hinweis auf blutdruck-, frequenz-, fett- und zuckerstoffwechselregulierende Effekte sondern dringen ins Detail vor. Besonderes Augenmerk genieße etwa die endotheliale Dysfunktion, die bereits früh in der Entwicklung einer Atherosklerose gestört sei, so Völker.

Dies zeigt sich etwa in einer paradoxen Vasokonstriktion unter Belastung oder unter Stimulation mit Acetylcholin. Studienergebnisse hätten belegt, dass eine solche paradoxe Gefäßkonstriktion bereits durch ein vierwöchiges körperliches Training revidiert oder deutlich gemildert werden kann. Schlüssel zu diesem Erfolg sind wohl eine verstärkte Synthese sowie ein gebremster Abbau des endothelialen Gefäßdilatators Stickstoffmonoxid durch regelmäßiges aerobes Training.

Allerdings reichen bereits Pausen von drei bis vier inaktiven Tagen aus, um den Nutzen wieder abzubauen. Wie ein Medikament braucht offensichtlich auch Sport nicht nur eine ausreichende Dosis sondern vor allem stete Regelmäßigkeit, um positiv zu wirken, so Völker.

Strukturelle Endothelregeneration

Hinweise verdichten sich, wonach regelmäßige körperliche Aktivität nicht nur eine funktionelle sondern sogar eine strukturelle Endothelregeneration fördert. Nach aktueller Erkenntnis werden Endothelschäden nicht durch Auswachsen benachbarter Zellen repariert sondern durch Einwandern und Integration von aus dem Knochenmark stammenden zirkulierenden endothelialen Progenitorzellen (EPCs). Bei Koronarpatienten ist die Proliferation, Migration und Differenzierung dieser Stammzell-Subpopulation im Vergleich zu Gesunden eingeschränkt. Bereits infolge einer akuten körperlichen Belastung können solche Einschränkungen für einige Stunden deutlich gebessert werden, so das Ergebnis erster experimenteller Befunde. (wst)

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