Stalking passiert auch in Deutschland häufig

BERLIN (gvg). Jeder neunte Mensch in Deutschland und knapp jede fünfte Frau hat schon einmal Erfahrungen mit einem Stalker gesammelt. Das hat eine große repräsentative Befragung des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit in Mannheim (ZI) ergeben.

Veröffentlicht:

Stalking ist ein englisches Wort aus der Jägersprache und heißt übersetzt anschleichen, anpirschen. Von Stalking wird gesprochen, wenn ein Mensch einem anderen über einen längeren Zeitraum bewußt nachstellt und damit psychisch oder sogar physisch belästigt.

"Es handelt sich bei unserer Erhebung um die erste bevölkerungsbezogene Studie zum Stalking in Deutschland", sagte ZI-Mitarbeiter Privatdozent Harald Dreßing auf dem Kongreß der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde in Berlin. 2000 Fragebögen wurden an zufällig aus dem Mannheimer Bevölkerungsregister gezogene Menschen verschickt, je tausend an Männer und Frauen. 679 Bögen kamen ausgefüllt zurück.

      Jedes dritte Opfer wird auch körperlich angegriffen.
   

"11,6 Prozent aller Befragten und 17,3 Prozent der befragten Frauen gaben an, daß ihnen schon mindestens einmal im Leben für länger als eine Woche eine Person auf verschiedene Weise so nachgestellt hat, daß damit Angstgefühle verbunden waren", so Dreßing. Bei jedem dritten dauerte die Episode länger als ein Jahr.

Am häufigsten waren Telefonterror, Briefe, E-Mails oder SMS mit unangenehmem Inhalt sowie Auflauern. Bei drei von zehn Stalking-Opfern kam es zu körperlichen Übergriffen. "Besonders erschreckend war, daß jedes vierte Opfer deswegen einen Therapeuten konsultierte und immerhin 15 Prozent deswegen die Wohnung wechselten."

Das subjektive Wohlbefinden von Menschen, die schon einmal Stalking-Opfer waren, ist deutlich geringer als das von Nicht-Opfern. "Sechs von zehn Opfern liegen auf der WHO-5-Skala für psychisches Wohlbefinden in einem Bereich, in dem die Entwicklung von Depressionen wahrscheinlich ist", so ZI-Mitarbeiterin Christine Kühner in Berlin. Bei Nicht-Opfern waren es nur zwei von zehn, ein signifikanter Unterschied.

Da es sich um Querschnittserhebung handele, sei keine Aussage darüber möglich, ob die Stalking-Erfahrungen die direkte Ursache für das geringere Wohlbefinden sind, so Kühner.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Off-Label-Use möglich

Long-COVID-Therapie: So schätzt Hausarzt Maibaum den G-BA-Beschluss ein

Das könnte Sie auch interessieren
Was die MS-Behandlung auszeichnet

© Suphansa Subruayying | iStock

Lebensqualität

Was die MS-Behandlung auszeichnet

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

© AscentXmedia | iStock

Lebensqualität

Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Potenzielle Schäden durch eine Influenza-Infektion an verschiedenen Organsystemen

© Springer Medizin Verlag

Impfen und Herzgesundheit

Mehr als nur Grippeschutz: Warum die Influenza-Impfung bei Menschen mit kardiovaskulären Erkrankungen so wichtig ist

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, Frankfurt a. M.
Abb. 1: Mittlere Veränderung des DAS28-CRP bis Woche 52 gegenüber Ausgangswert (primärer Wirksamkeitsendpunkt)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Anti-TNF-Therapie

Erstes Golimumab-Biosimilar erweitert Therapiespielräume bei RA, PsA, axSpA und pJIA

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Abb. 1: Wirksamkeit in der klinischen Praxis von Brivaracetam über 12 Monate (alle Formen fokaler Anfälle)d

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Zusatzbehandlung fokaler Epilepsien

Effektivere Anfallskontrolle in der Kombinationstherapie

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: UCB Pharma GmbH, Monheim
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Off-Label-Use möglich

Long-COVID-Therapie: So schätzt Hausarzt Maibaum den G-BA-Beschluss ein

Beratung in der Arztpraxis

Sicher mit Kindern verreisen: So geht‘s

Lesetipps
Ei Spiegelei in einer Pfanne

© Kevsan / stock.adobe.com

Gastbeitrag

Sind Eier wirklich so gefährlich für Herz und Gefäße?