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Rollstuhl ade?

Stimulation lässt Gelähmte wieder stehen

Ein relativ simpler Eingriff gibt Unfallopfern wieder etwas Kontrolle über die Beine zurück: Mithilfe einer epiduralen Stimulation des lumbosakralen Rückenmarks können Gelähmte wieder stehen und ihre Beine bewegen.

Von Thomas Müller Veröffentlicht:
Gelähmte Beine - das ist in Zukunft möglicherweise kein unabänderliches Schicksal mehr. Es besteht Hoffnung, dass frühere Funktionen wieder hochgefahren werden können.

Gelähmte Beine - das ist in Zukunft möglicherweise kein unabänderliches Schicksal mehr. Es besteht Hoffnung, dass frühere Funktionen wieder hochgefahren werden können.

© RRF / fotolia.com

LOUISVILLE. Noch ist die Rückenmarkstimulation ein rein experimentelles Verfahren, aber immerhin ist es US-Forschern aus Louisville damit gelungen, vier Männern mit komplett gelähmten Beinen wieder etwas Bewegungsfreiheit zurückzugeben.

Auf den Rollstuhl können die Männer zwar noch nicht verzichten; kurz stehen, mit Unterstützung auf einem Laufband gehen oder die Beine willentlich beugen und strecken - das alles klappt zum Teil wieder.

Das Verfahren haben Neurochirurgen bereits vor drei Jahren vorgestellt. Damals haben sie es erstmals bei einem im Jahr 2006 verunglückten Mann ausprobiert. Der Patient hatte eine Verletzung im Bereich C7/T1 erlitten.

Mit Laufbandtraining bauten sie seine Muskeln soweit wieder auf, dass er genug Kraft in den Beinen hatte, um sein eigenes Gewicht zu tragen. Anschließend verpflanzten sie ihm epidural einen Stimulator mit 16 Elektroden im Bereich L1/S1.

Nach einigen Monaten konnte der Mann seine Beinbewegungen während der Stimulation sogar teilweise wieder bewusst kontrollieren und auch die Blase wieder selbstständig entleeren.

Da der Patienten noch sensorische Signale aus dem Bein empfangen konnte, gingen die Chirurgen um Harkema davon aus, dass wohl auch noch einige motorische Fasern intakt waren, die über die Stimulation reaktiviert wurden.

Eine spannende Frage war nun, ob das Verfahren auch dann noch etwas bringt, wenn keine sensorischen Informationen mehr von den Beinen ins Gehirn dringen. Dies war immerhin bei zwei von drei weiteren Patienten der Fall.

Wie sich nur herausstellte, scheinen auch diese Patienten von der Stimulation zu profitieren, zum Teil sogar noch stärker als der erste Patient (Brain 2014, online 8. April).

Erfolge schon nach wenigen Tagen

Die drei zusätzlichen Patienten hatten ebenfalls eine Verletzung im Bereich C7 bis T5, die sie mehr als zwei Jahre vor dem Eingriff erlitten hatten, und auch ihnen wurde ein Stimulator in die Region L1/S1 verpflanzt, gefolgt von einem halbjährigem intensiven Steh- und Gehtraining auf dem Laufband.

Allerdings zeigten sich bei ihnen schon viel früher Erfolge. Benötigte der erste Patient noch sieben Monate, bis er wieder zu kontrollierten Beinbewegungen in der Lage war, so brauchten die neu behandelten Patienten gerade einmal zwei Wochen. Einer war schon vier Tage nach Beginn zu willkürlichen Bewegungen fähig.

Die Chirurgen vermuten, dass bei der Rückenmarkverletzung nicht alle motorischen Fasern durchtrennt wurden. Einige wurden vielleicht aufgrund der Läsion und der Vernarbungsprozesse lediglich demyelinisiert oder durch Verlust von Ionenkanälen inaktiviert und somit für die Hirnsignale weitgehend leitungsunfähig. Durch die Stimulation werden diese Fasern reaktiviert.

Die epidurale Stimulation ersetzt die fehlenden Hirnsignale und fährt das lumbosakrale System langsam wieder hoch: Die Erregungsschwellen normalisieren sich, Befehle aus dem Kortex, die über die verbliebenen intakten Fasern durchkommen, werden plötzlich wieder wahrgenommen.

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