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Diabetes

Teure Krankheit

Typ-2-Diabetes ist auf dem Vormarsch, auch immer mehr jüngere Menschen erkranken daran. Abgesehen vom Leid der Patienten sind die hohen Folgekosten ein wirtschaftliches Problem.

Veröffentlicht:
Ihren Blutzucker messen - das müssen auch immer mehr Menschen in Deutschland.

Ihren Blutzucker messen - das müssen auch immer mehr Menschen in Deutschland.

© Olaf K. / panthermedia.net

NEU-ISENBURG (HL). Derzeit sind etwa sieben Millionen Menschen in Deutschland wegen eines Diabetes mellitus in ärztlicher Behandlung.

Jedes Jahr kommen 300.000 neue Patienten hinzu - in nicht ferner Zukunft könnte dann schon die Zehn-Millionen-Grenze überschritten werden.

90 Prozent der Patienten sind von Typ-2-Diabetes betroffen. Und dies ist längst keine Alterskrankheit mehr. Die Inzidenz wächst vor allem bei jüngeren Menschen, die oft noch ein langes Berufsleben vor sich haben sollten.

Hohes Risiko für Folgeerkrankungen

Je länger aber Menschen mit Typ-2-Diabetes leben müssen, umso größer ist das Risiko für schwere Folgekrankheiten. Beispiele:

Nach elf Jahren hat sich das anfängliche Risiko für eine Retinopathie auf 24 Prozent verzehnfacht.

Die Wahrscheinlichkeit einer diabetischen Nervenkrankheit verfünffacht sich auf 23 Prozent.

Die Möglichkeit, einen Herzinfarkt zu erleiden, verdoppelt sich auf elf Prozent.

Das stellt eine ohnehin alternde Gesellschaft vor eine zusätzliche Herausforderung: Sie ist auf eine aktive Generation angewiesen, deren Arbeitsfähigkeit bis in ein höheres Alter erhalten bleiben soll, deren Gesundheit und Produktivität aber mit zunehmender Prävalenz einer schweren Volkskrankheit auf dem Spiel stehen.

Dabei sind die Grundtatsachen bekannt: Diabetes an sich ist (noch) keine teure Krankheit - hohe Kosten entstehen erst durch die Folgekrankheiten, wie die CoDim-Studie ergeben hat:

Die direkten Behandlungskosten der Grunderkrankung Diabetes betragen pro Patient und Jahr 542 Euro. 251 Euro entfallen auf Insulin und orale Antidiabetika. 124 Euro erhalten niedergelassene Ärzte als Honorar, 115 Euro werden für Hilfsmittel verwendet, und lediglich 52 Euro fallen für stationäre Versorgung an.

Fast viermal höher - 1965 Euro - sind die Behandlungskosten der Komplikationen und Begleiterkrankungen. Vor allem die Krankenhausbehandlung wird mit 794 Euro zum dominierenden Kostenfaktor, gefolgt vom Pflegebedarf mit 314 Euro.

Zusätzlich zu den Kosten, die die Krankenversicherung tragen muss, entstehen indirekte Kosten, von denen der überwiegende Teil ebenfalls die Sozialkassen trifft: Für jeden Diabetes-Patienten müssen 1140 Euro als Belastung aufgrund von Frühverrentung kalkuliert werden. Hinzu kommen 188 Euro für Arbeitsunfähigkeit.

Effektive Prävention wichtig

Die Fakten sprechen eine klare Sprache: Angesichts hoher Folgekosten von Komplikationen wäre es sinnvoll, in effektive Prävention und optimale Behandlung von Diabetikern beim Start an zu investieren, so das Fazit einer von Novo Nordisk organisierten regionalen Dialog-Serie zwischen Ärzten, Selbsthilfegruppen sowie von Vertretern aus Politik, Kassen und KV.

Einer solchen Optimierung steht allerdings die traditionelle Sichtweise von Kassen entgegen, die ihren Fokus nur auf ein Budgetjahr und innerhalb dieses Budgetjahres nur auf einzelne Kostenarten wie etwa Arzneimittel fixiert haben.

Eine Option ist die Behandlung der Patienten mit modernen Insulinanaloga. In anderen Ländern wie Frankreich, Schweden, Großbritannien oder der Schweiz haben die kurz wirksamen Analoga inzwischen Marktanteile von über 90 Prozent, die lang wirksamen von über 80 Prozent erreicht.

IQWiG sieht keinen Zusatznutzen

In Deutschland sind hingegen die vor 30 Jahren zugelassenen Humaninsuline mit 54 (kurz wirksam) und 48 Prozent (lang wirksam) noch fast dominierend.

Bis vor einigen Jahren konnte dies noch mit dem Preisunterschied erklärt werden. Der ist inzwischen durch Rabattverträge zwischen Herstellern und Kassen eliminiert.

Ursächlich dafür waren Bewertungen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), die für die Analoga im Vergleich zu Humaninsulin keinen hinreichend evidenzbasierten Nachweis für einen Zusatznutzen sehen wollten.

Damit steht das IQWiG im internationalen Vergleich der Bewertungsinstanzen isoliert da. Auch wenn deren Urteile sich teilweise unterscheiden - in Dänemark, Frankreich, England, Schottland und in den Niederlanden sehen die Institute Verbesserungen durch Analoga.

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