Atemwegskrankheiten

Trachealstent hilft Kindern mit Atemwegsstenose

GÖTTINGEN (eb). Eine aus der Kardiologie übernommene Notfalltherapie setzen Kollegen am Herzzentrum der Universitätsmedizin Göttingen bei Kindern mit Dyspnoe wegen verengter Atemwege ein: Mit einem Stent werden die Atemwege wieder geöffnet und freigehalten.

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Röntgenbild eines Kindes mit Trachealstenose: Per Katheter wird der Stent an die verengte Stelle herangeführt.

Mit dieser Methode sind die Kinder schnell außer Lebensgefahr und können wieder selbstständig atmen, wie Dr. Markus Stahl, Facharzt in der Abteilung Pädiatrische Kardiologie und Intensivmedizin am Herzzentrum Göttingen berichtet.

Ursache eines respiratorischen Versagens bei Kindern kann etwa eine Tracheo- oder Bronchomalazie sein, also die Erweichung des Knorpelgewebes in der Trachea oder den Bronchien. Diese tritt häufig bei langzeitbeatmeten Frühgeborenen auf, bei denen die Knorpel noch nicht vollständig ausgebildet sind. Auch schnell wachsende Tumore im Brustraum können die Atemwege einengen. Bei anderen Kindern beeinträchtigen Fehlbildungen der Gefäße die Atmung.

Vorbild für die neue Technik sind die Stent-Implantationen aus der Kardiologie: Zunächst werden die Trachea und die Bronchien mit einem flexiblen Spezial-Endoskop untersucht, um die Engstelle zu lokalisieren. Anschließend wird der etwa ein Zentimeter lange Stent mit einem Katheter an die verengte Stelle herangeführt und an Ort und Stelle mit einem Dilatationsballon aufgespannt.

Am Ort der Atemwegsverengung wird der Stent mit einem Dilatationsballon entfaltet.

Am Ort der Atemwegsverengung wird der Stent mit einem Dilatationsballon entfaltet.

© Fotos: Herzzentrum Göttingen

Am Herzzentrum Göttingen seien bisher neun Kinder im Alter von einem Monat bis 17 Jahren mit der neuen Methode behandelt worden, teilt das Zentrum mit. Alle hätten deutlich von der Behandlung profitiert. Bei drei langzeitbeatmeten Kindern habe sogar direkt nach der Therapie auf die künstliche Beatmung verzichtet werden können.

Um Komplikationen zu vermeiden, wird Gewebe, das eventuell über den Stent gewachsen ist, gemeinsam mit Spezialisten der Abteilung Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde mit Lasertechnik abgetragen. Eine mögliche Lösung des Problems: Eine Stent-Beschichtung, die das überschießende Wachstum von Granulationsgewebe verhindern soll, wird gerade erprobt.

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