Untersuchung auf Schwangerschafts-Diabetes gefordert

BERLIN (ars/ikr). Diabetologen, Gynäkologen und Geburtsmediziner fordern eine erweiterte Mutterschaftsvorsorge: Danach sollten alle Schwangeren auf Gestationsdiabetes untersucht werden, lautet die Empfehlung.

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Ein Screening sei notwendig, weil der Gestationsdiabetes eine Komplikation ist, die immer häufiger wird und beträchtliche Risiken für Mutter und Kind birgt. Alle Schwangeren sollten zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche untersucht werden, Frauen mit erhöhtem Diabetes-Risiko bereits im ersten Trimenon, wird daher gefordert.

Schwangere können nicht nur an Gestationsdiabetes (GDM), sondern auch an Typ-1- oder -2-Diabetes erkranken, oder es kann ein bisher nicht entdeckter Typ-2-Diabetes vorliegen. Alle diese Störungen blieben ohne Reihentests nachweislich oft unerkannt, wie Dr. Ute Schaefer-Graf aus Berlin berichtet (Geburtsh Frauenheilk 64, 2004, 125).

Bei den Schwangeren kommt es beim GDM vermehrt zu Harnwegsinfekten, Hypertonie und Präeklampsie/Eklampsie, Kaiserschnitt und vaginal-operativen Entbindungen. Außerdem ist bei der Hälfte der Frauen in der folgenden Schwangerschaft erneut die Glukosetoleranz gestört. Ebenso viele erkranken zehn Jahre postpartal an Diabetes.

      Schwangere sollten zwischen 24. und 28. Woche untersucht werden.
   

Beim Fetus steigt durch das erhöhte Glukose-Angebot die Insulinproduktion, mit der Folge einer B-Zell-Hypertrophie, der Gefahr von Makrosomie und Schulterdystokie. Bei Neugeborenen kann es zu Hypoglykämie und -kalzämie kommen, zu Polyglobulie und Atemnotsyndrom, langfristig zu Diabetes und Übergewicht. Eine ähnlich hohe Morbidität des Kindes ist auch zu befürchten, wenn die Glukosetoleranz der Mutter nur eingeschränkt ist.

Um einen Diabetes früh zu erkennen, fordern Diabetologen, Gynäkologen und Perinatalmediziner einmütig, bei allen Schwangeren einen oralen Glukosetoleranztest (75-g -oGTT) zwischen der 24. und 28. SSW zu machen. Die Alternative sei, zunächst einen Screeningtest mit 50 Gramm Glukose zu machen, der bei pathologischem Ausfall durch einen 75-g-oGTT ergänzt wird.

Beim Vorliegen von mindestens einem wichtigen Risikofaktor für Diabetes sollte der Test schon im 1. Trimenon erfolgen, empfiehlt die Arbeitsgruppe um Schäfer-Graf. Zu diesen Risikofaktoren gehört etwa Übergewicht, das heißt ein Body-Mass-Index vor der Schwangerschaft von 27 kg/m2 und darüber. Weitere Risikofaktoren: Diabetes bei Eltern oder Geschwistern, GDM in einer vorangegangenen Schwangerschaft, Geburt eines Kindes mit einem Geburtsgewicht von 4500 Gramm oder darüber, Totgeburt, schwere kongenitale Fehlbildungen in einer vorangegangenen Schwangerschaft und habituelle Abortneigung, also mindestens drei Fehlgeburten hintereinander.

Bei unauffälligem Befund sollte der Test zwischen der 24. und 28. SSW wiederholt werden, bei erneut unauffälligem Resultat zwischen der 32. und 34. SSW.

Außerdem: Treten eine Glukosurie oder diabetesspezifische Symptome auf, ist baldmöglichst ein oGTT sinnvoll, ebenso bei erstmalig festgestellter Makrosomie des Feten.

Nach Diagnose von GDM oder eingeschränkter Glukosetoleranz sollte die Schwangere zu einer ambulanten Diabetes-Einrichtung überwiesen werden, wo sie die Blutglukose-Selbstkontrolle erlernt. Am Anfang der Therapie stehen immer die Umstellung der Ernährung und möglichst Ausdauersport.

Angestrebt werden Blutglukosewerte von nüchtern und präprandial höchstens 90 mg/dl (5 mmol/l), eine Stunde nach Beginn der Mahlzeit höchstens 140 mg/dl (7,8 mmol/l) und zwei Stunden nach Beginn höchstens 120 mg/dl (6,7 mmol/l). Werden die Ziel-Blutglukosewerte trotz Änderung des Lebensstils mehrmals pro Woche überschritten, ist Insulin unumgänglich. Orale Antidiabetika sind bei Schwangeren kontraindiziert.

Zur Mutterschaftsvorsorge von Schwangeren mit GDM sollte ab der 24. SSW. monatlich eine Ultraschalluntersuchung gehören. Eine Mutter, die Insulin braucht, sollte in einer Geburtsklinik mit Neonatologie entbinden, weil die Morbidität der Neugeborenen selbst bei optimaler Einstellung des Blutzuckers erhöht ist.

Beim Kind sollte der Blutglukosespiegel eine, drei und zwölf Stunden nach der Geburt geprüft werden, bei der Mutter nach zwei Tagen nüchtern und zwei Stunden nach dem Frühstück. Sind die Werte normal, ist sechs bis zwölf Wochen später ein oGTT ratsam, dann alle zwei Jahre.



STICHWORT

Gestationsdiabetes

Drei bis acht Prozent der Schwangeren entwickeln einen Gestationsdiabetes - meist im zweiten Trimenon. Ein erhöhtes Risiko dafür haben übergewichtige und familiär mit Diabetes belastete Frauen. Ein Gestationsdiabetes besteht, wenn nüchtern der Glukosewert beim 75-Gramm-oralen Glukosetoleranztest (oGTT) mindestens 90 mg/dl (5 mmol/l) oder eine Stunde nach dem Trinken der Testlösung mindestens 180 mg/dl (10 mmol/l) oder nach zwei Stunden mindestens 155 mg/dl (8,6 mmol/dl) beträgt. Ergibt sich ein Blutglukosewert von nüchtern mindestens 110 mg/dl ( 6 mmol/l), sollte die Schwangere zu einer Diabetes-Schwerpunkteinrichtung überwiesen werden. (ikr)

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