Urologen fordern eine Aufwertung der Lebendspende

BERLIN (gvg). Postmortale Organspenden sind weiter knapp. Deshalb sollte auch in Deutschland bei der Nierentransplantation verstärkt auf Organspenden Lebender gesetzt werden, fordern Urologen. Für die Organempfänger hat das auch medizinische Vorteile.

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"Es erhebt sich die Frage, ob die gesetzlich verankerte Nachrangigkeit der Lebendspende medizinethisch noch vertretbar ist", sagte Professor Paolo Fornara von der Klinik für Urologie der Uni Halle-Wittenberg. Obwohl die Zahl der Nierentransplantationen steigt, sei es noch immer nicht gelungen, die Lücke zwischen verfügbaren und benötigten Organen zu schließen.

2006 seien in Deutschland 2776 Nieren transplantiert worden, etwa 500 mehr als vor zehn Jahren. Lebendspenden haben einen relativ konstanten Anteil bei 19 Prozent. "Das ist in anderen Ländern anders", so Fornara beim Deutschen Urologen-Kongress in Berlin. In den USA stammten 54 Prozent der Nieren von Lebendspendern.

Und auch in vielen europäischen Staaten - etwa Griechenland, Spanien, Norwegen - stammt bei Nierentransplantationen über die Hälfte der Organe von Lebendspendern. In der Schweiz und den Niederlanden ist immerhin jede dritte transplantierte Niere von einem Lebendspender.

Doch Fornara geht es nicht nur um die Zahl der gespendeten Organe. Auch rein medizinisch gebe es gute Gründe für die Lebendspende: Die Organe funktionieren besser als postmortal gespendete. 93 Prozent der lebend gespendeten Nieren funktionieren nach einem Jahr, 82 Prozent sind es nach fünf Jahren. Stammt das Organ aus einer postmortalen Spende, liegen die Quoten dagegen bei 85 und 68 Prozent. Das schlägt sich auch in der Sterberate der Organempfänger nieder: "Empfänger eines Lebendspenderorgans leben länger", so Fornara.

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