Harninkontinenz

Urologie-Skandal: "Lancet" zieht Artikel zurück

INNSBRUCK (mut). In dem Skandal um die Zelltherapie bei Harninkontinenz an der Universität Innsbruck hat jetzt auch "The Lancet" reagiert. Das britische Fachblatt hat einen Artikel der Arbeitsgruppe um Professor Hannes Strasser zurückgezogen.

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Die Zeitschrift begründet die Rücknahme des Artikels, der im Juni 2007 erschienen ist, mit Unregelmäßigeiten beim Studienprozedere. So hatte die Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) in einem Prüfbericht festgestellt, dass Patienten offenbar nicht vorschriftsmäßig über die Studie informiert wurden. Entsprechende Dokumente zur Einwilligung und Versicherung der Patienten seien offenbar gefälscht worden.

Nach Angaben der "Süddeutschen Zeitung" gehen die Vorwürfe jedoch noch weiter. So konnten andere Ärzte die spektakulären Erfolge von Strasser mit autologen Myoblasten und Fibroblasten bei Stressinkontinenz-Patienten nicht wiederholen. Strasser hatte in seiner Lancet-Publikation angegeben, damit etwa 90 Prozent der Patienten zu heilen.

Der Urologe ist inzwischen suspendiert. Kritik gibt es weiterhin am Leiter der Urologischen Klinik, Professor Georg Bartsch, der als Ko-Autor auf der Lancet-Publikation steht. Bartsch behauptet, er sei an der Publikation nicht beteiligt gewesen. Dem widerspricht der "Lancet" in einer Mitteilung. "Alle Autoren mussten bestätigen, dass sie die Untersuchungen selbst durchgeführt und das Manuskript gelesen und freigegeben haben."

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