Infektionen

Verwechslungsgefahr: Nicht Neurodermitis, sondern Borkenkrusten

Die Scabies crustosa kann mit Dermatosen wie Psoriasis, atopischer Dermatitis oder Kontaktdermatitis verwechselt werden. Dies dürfte mit ein Grund für die Fehlbehandlung eines 47-jährigen Leipzigers gewesen sein.

Von Dr. Thomas MeißnerDr. Thomas Meißner Veröffentlicht:

LEIPZIG. Bei einem Patienten waren zunächst Rhagaden im Interdigitalraum aufgetreten. Später bildeten sich erythematöse Papeln sowie Plaques, die sich nach und nach über die gesamte Haut ausdehnten.

Als der Patient sich an der Universitätshautklinik in Leipzig vorstellte, bestanden die stark juckenden Hauterscheinungen bereits seit vier Monaten. Aber schon zwei Jahre zuvor waren erstmals Hautveränderungen aufgetreten, berichten Privatdozentin Sonja Grunewald und ihre Kollegen in "Hautarzt" 2010; 61: 439. Lange Zeit war der Patient mit externen Steroiden behandelt worden, ohne dass sich der Hautzustand besserte.

Dies und ein bestehender Alkoholabusus des Patienten hätten die Skabies wahrscheinlich gefördert, vermuten die Leipziger Kollegen. Denn Immunsuppression, schwere Systemerkrankungen und mangelnde Hygiene begünstigen die Scabies crustosa, wie sie bei dem Patienten vorlag. Bei der mikroskopischen Untersuchung abgeschabter Hautschuppen wurden massenhaft Milbeneier sichtbar sowie viele Milben und Kotballen.

Kombitherapie ließ die Ekzeme rasch abklingen

Die Dermatologen behandelten den Patienten systemisch einmal mit Ivermectin. Das Makrolid ist in Deutschland nicht zugelassen, kann jedoch als Stromectol® oder Mectizan® über internationale Apotheken bezogen werden. Zusätzlich wurde der Mann an zwei aufeinander folgenden Tagen am ganzen Körper einschließlich des Kopfes mit Permethrin eingecremt. Nach jeweils acht- bis zwölfstündiger Einwirkzeit wird Permethrin abgeduscht. Danach folgten glukokortikoidhaltige Externa für zehn Tage. Innerhalb weniger Wochen bildeten sich die Ekzemherde zurück, der Juckreiz ließ nach.

Weltweit sollen sich jährlich mehr als 300 Millionen Menschen mit Krätzmilben infizieren. Alle zwei bis drei Jahrzehnte träten Epidemien auf, so die Leipziger Dermatologin. Normalerweise erfolgt die Übertragung von Mensch zu Mensch. Bei hoher Erregerkonzentration ist jedoch ist auch die Infektion über die Kleidung möglich. Bei Skabies crustosa sind über bis zu 4700 Milben pro Gramm Schuppenmaterial berichtet worden.

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