Chirurgie

Veröffentlicht: 15.03.2010, 05:00 Uhr

Vielseitige Chirurgen sind erwünscht

Chirurgen sollten sowohl offene als auch minimal-invasive Techniken der häufigsten Operationen beherrschen. Denn Risiken und Heilungschancen variieren kaum, wie Professor Dietmar Lorenz aus Wiesbaden bei der Fortbildungsveranstaltung Praxis Update zeigen wird.

Ärzte Zeitung: Herr Professor Lorenz, immer mehr Operationen können auch minimal-invasiv erfolgen. Wird das eine Spezialisierung der Chirurgen zur Folge haben?

Professor Dietmar Lorenz: Das ist für die häufigsten Operationen nicht sinnvoll. Eingriffe wie Hernien- oder Gallenblasen-Operationen, Appendektomien, Operationen bei Divertikulitis oder Dickdarmkrebs sollte jeder Chirurg offen und minimal-invasiv durchführen können. Nur bei komplexeren Operationen ist eine Spezialisierung erforderlich.

Ärzte Zeitung: Welche Variante kommt denn wie oft zum Einsatz?

Lorenz: Darauf gibt es keine pauschale Antwort. Nicht für alle Eingriffe ist nachgewiesen, dass der minimal-invasive Zugang wirklich schonender ist. Entscheidend ist immer die konkrete Situation des Patienten.

Ärzte Zeitung: Können Sie bitte ein Beispiel nennen?

Lorenz: Nehmen wir den Leistenbruch: Einem Erwachsenen mit einseitiger Hernie wird meist in offener Operation ein Kunststoffnetz implantiert, das ist einfach und kostengünstig. Bei beidseitiger Hernie wird die laparoskopische Variante bevorzugt, weil für beide Seiten ein gemeinsamer Zugangsweg genutzt werden kann. Und bei Hernien-Rezidiv sollte man den "alten" Operationsweg schonen und die jeweils andere Technik wählen. Das Risiko dauerhafter Nervenschmerzen liegt bei allen Verfahren, wenn sie sorgfältig vorgenommen werden, unter fünf Prozent, wie Studien zeigten.

Ärzte Zeitung: Wie sieht das bei Gallenblasenoperationen aus?

Lorenz: Hier gibt es keine neuen Erkenntnisse zur Technik, wohl aber zum Zeitpunkt des Eingriffs: Bisher entfernte man Gallensteine, die eine Entzündung verursachten, erst nach deren Abklingen. Heute wird dagegen eine sofortige Operation innerhalb einer Woche empfohlen. Das ist genauso sicher und beschleunigt den Heilungsprozess.

Ärzte Zeitung: Welche neuen Studiendaten werden Sie noch zeigen?

Lorenz: Für die unkomplizierte, nicht durchgebrochene Divertikulitis bahnt sich ein Paradigmenwechsel an: Es ist laut aktuellen Daten nicht nötig, nach dem zweiten Schub zu operieren. Vielmehr können diese Schübe wiederholt konventionell behandelt werden, ohne dass dadurch das Risiko für eine lebensbedrohliche Komplikation steigt. Die Entscheidung zur Entfernung des betroffenen Darmabschnittes wird individuell getroffen. Dieser Eingriff erfolgt übrigens meist minimal-invasiv.

Interview: Simone Reisdorf

Das Praxis Update findet am 16. und 17. April 2010 in Wiesbaden und Düsseldorf und am 7. und 8. Mai 2010 in Berlin statt. Es wird mit 16 CME-Punkten zertifiziert. Infos: www.praxis-update.com

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