HIV-Infektionen in Afrika

Warum sind besonders junge Frauen betroffen?

Warum infizieren sich in afrikanischen Ländern doppelt so viele junge Frauen mit dem HI-Virus wie junge Männer? Aktuelle Studien haben die Risikofaktoren aufgedeckt.

Von Dr. Christine Starostzik Veröffentlicht:
Eine Herausforderung: Die Zahl der HIV-Neuinfektionen bei jungen Frauen in Afrika zu reduzieren.

Eine Herausforderung: Die Zahl der HIV-Neuinfektionen bei jungen Frauen in Afrika zu reduzieren.

© Tone Koene / dpa

MÜNCHEN. Schätzungen zufolge lebten Ende 2013 weltweit 35 Millionen Menschen mit HIV und Aids. In Deutschland schätzt das Robert Koch-Institut die Gesamtzahl der Neuinfektionen im Jahr 2014 auf 3200, darunter 460 Frauen. In afrikanischen Ländern südlich der Sahara dagegen infizieren sich doppelt so viele junge Frauen mit HIV wie junge Männer.

In Afrika ist die Reduktion der Neuinfektionen bei Frauen, dem Direktor des Centre for the AIDS Programme of Research in South Africa (CAPRISA), Salim Abdool Karim, zufolge, eine der größten Herausforderungen.

Welche Rolle spielt die Vaginalflora?

Studien des CAPRISA haben die hohen Infektionsraten junger Frauen in Südafrika untersucht und Zusammenhänge mit der Vaginalflora gefunden. Frauen mit überwiegender Prevotella-bivia-Besiedelung hatten ein fast 20-fach höheres HIV-Ansteckungsrisiko als Frauen, bei denen dieser Keim nur vereinzelt oder gar nicht nachgewiesen wurde.

In einer anderen Studie profitierten drei von fünf Frauen mit intakter Vaginalflora (vorwiegend Lactobacillus) von einer Präexpositionsprophylaxe mit Tenofovir-Gel, andere Frauen dagegen nicht. Möglicherweise, so Karim, könne eine konsequente Behandlung bakterieller Vaginosen die Zahl der HIV-Infektionen bei jungen Frauen verringern.

Vaginalring mit hoher Schutzquote

Enttäuschend war zunächst das Ergebnis der ASPIRE-Studie, in der ein Dapivirin-Vaginalring das HIV-Risiko nur um 27 Prozent senkte. Dabei hing die Wirksamkeit vom Alter der Probandin ab.

Eine neuere Studie konnte allerdings belegen, dass der Schutzeffekt des Ringes eine Frage der richtigen Anwendung ist. Unter genauer Befolgung der Anweisungen wurde bei Frauen aller Altersgruppen insgesamt eine Schutzquote von 65 Prozent erreicht. Diese Ergebnisse, so die Autoren, gäben neue Hoffnung für die Weiterentwicklung von Vaginalringen als möglicher Präventionsmethode.

Säuglinge können geschützt werden

Wie Säuglinge direkt vor einer HIV-Übertragung über die Muttermilch geschützt werden können, wurde in den PROMISE-Studien deutlich. Bei Kindern, die über das erste Lebensjahr hinaus gestillt wurden, konnte eine prophylaktische Behandlung mit Nevirapin (iNVP) die Morbidität und Mortalität ebenso gut reduzieren wie die antivirale Tripletherapie der Mutter (mART).

Die Übertragungsraten zwischen dem sechsten und zwölften Lebensmonat lagen zwischen 0,3 und 0,6 Prozent, die 12-Monats-Überlebensrate bei 98,9 Prozent. So scheint iNVP auch während einer längeren Stillzeit eine sichere und effektive Alternative zum Schutz des Kindes zu sein, wenn HIV-positive Mütter keine ART erhalten.

Compliance muss verbessert werden

Zwei der PROMISE-Studien hatten zudem ergeben, dass die Compliance der Patientinnen für die Weiterführung der antiretroviralen Therapie nach der Entbindung dringend verbessert werden muss. Dies wird möglicherweise durch eine neue Fixkombination erleichtert, deren Wirksamkeit und Sicherheit bei 495 bislang unbehandelten Frauen in der ARIA-Studie untersucht wurden.

Die 48-Wochen-Ergebnisse dieser internationalen, multizentrischen, offenen Phase-IIIb-Studie konnten die Überlegenheit von Dolutegravir/Abacavir/Lamivudin (DTG/ ABC/3TC) im Vergleich zu Ritonavir geboostertem Atazanavir (ATV/r) plus Tenofovirdisoproxilfumarat/Emtricitabin (TDF/FTC) belegen.

Unter dem One-pill-Regime gelang die Virussuppression (HIV-1 RNA < 50 Kopien/ml) adjustiert bei 10,5 Prozent mehr Patientinnen als unter ATV/r plus TDF/FTC (82 vs. 71 Prozent). Zudem kam es unter DTG/ABC/3TC seltener zu Therapieabbrüchen infolge unerwünschter Ereignisse wie Übelkeit, Diarrhö, Kopfschmerz oder Verdauungsstörungen (unerwünschte Ereignisse: 33 vs. 49 Prozent; Therapieabbrüche 4 vs. 7 Prozent).

All diese neuen Erkenntnisse, so der Präsident der International AIDS Society, Chris Beyrer, "werden den Weg zu neuen Präventions- und Therapiekonzepten ebnen und die Gesundheit von Frauen, Mädchen und Neugeborenen schützen".

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