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Fingerabdruck der Keime

Welche Bakterien mit uns U-Bahn fahren

In der Hongkonger U-Bahn sind morgens andere Keime zu finden als im abendlichen Berufsverkehr. Gefährlicher sind Metro-Linien mit höherem Verkehrsaufkommen aber wohl nicht, wie eine Studie ergeben hat.

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Passagiere in einer U-Bahn: Forscher haben untersucht, welche Keime dort zu finden sind – und fanden Unterschiede zwischen den Tageszeiten.

Passagiere in einer U-Bahn: Forscher haben untersucht, welche Keime dort zu finden sind – und fanden Unterschiede zwischen den Tageszeiten.

© kasto / stock.adobe.com

JENA / HONGKONG. Wie sich die Mikroorganismen der Reisenden im Hongkonger U-Bahn-Netz über den Tag hinweg vermischen, haben Forscher vom Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie - Hans-Knöll-Institut (Leibniz-HKI) gemeinsam mit Kollegen der Universität Hong Kong untersucht.

Sie stellten fest: Während jede Linie am Morgen einen charakteristischen mikrobiellen Fingerabdruck besitzt, bildet sich bis zum Abend ein einheitliches Mikrobiom, das das gesamte Metro-System bevölkert (Cell Rep 2018; 24(5): 1190-1202.e5).

Metro-Linien mit höherem Verkehrsaufkommen bergen den Studienergebnissen zufolge dabei wohl keine größeren Gesundheitsrisiken, weder in Bezug auf Krankheitserreger noch auf Antibiotikaresistenzgene.

160 Kilometer U-Bahn-Netz

Für ihre Studie schickten die Forscher um Dr. Kang Kang von der Universität Hong Kong Studienteilnehmer während der morgendlichen und abendlichen Stoßzeiten jeweils eine halbe Stunde lang durch Hongkongs U-Bahnen. Anschließend nahmen sie Abstriche von ihren Händen. Das Verkehrsnetz einer der geschäftigsten und dichtesten Städte der Welt ist etwa 160 Kilometer lang.

"Bei fünf Millionen Menschen, die täglich mit der U-Bahn fahren, müsste der Fingerabdruck der ganzen Stadt erkennbar sein", wird Studienautor Dr. Gianni Panagiotou in einer Mitteilung des HKI zitiert.

Wir wollen verstehen, wie die Stadtplanung Bakterienarten beeinflussen kann, um die Übertragung von Krankheitserregern zu vermindern.

Dr. Gianni Panagiotou, Hans-Knöll-Institut, Jena

Meist harmlose Hautbewohner

Während die Forscher morgens bestimmte U-Bahn-Linien noch anhand der Bakterien identifizieren konnten, gelang es abends kaum noch, sie zu unterscheiden. "Am Morgen hat jede U-Bahn-Linie eine einzigartige mikrobielle Zusammensetzung. Sie spiegelt die Regionen wider, durch die sie führt. Aber mit zunehmender U-Bahn-Nutzung während des Tages werden die mikrobiellen Gemeinschaften aller Linien einander immer ähnlicher", fasst Panagiotou die Ergebnisse zusammen.

Neben einigen Krankheitserregern waren die Mehrheit der übertragenen Mikroben harmlose Hautbewohner der Reisenden, heißt es in der Mitteilung. "Am besten illustriert das Mischungsmuster von Antibiotikaresistenzgenen die tageszeitlichen Veränderungen, so Panagiotou. "Am Morgen fanden wir Resistenzgene nur in wenigen U-Bahn-Linien, abends hingegen konnten wir sie im gesamten U-Bahn-Netz nachweisen."

Kein höheres Gesundheitsrisiko

Panagiotou betont: "Uns ging es in diesem Projekt nicht darum, die Menschen zu erschrecken. Im Gegenteil: Wir haben festgestellt, dass Metro- Linien mit höherem Verkehrsaufkommen keine größeren Gesundheitsrisiken bergen."

Stattdessen sollen die Ergebnisse Anhaltspunkte für künftige Strategien zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Gesundheit und Gestaltung des öffentlichen Nahverkehrs liefern. "Wir wollen besser verstehen, wie die Stadtplanung Bakterienarten beeinflussen kann, um die Übertragung von Krankheitserregern und Antibiotikaresistenzgenen innerhalb der Stadt und über die Grenzen hinweg zu vermindern", so Panagiotou. (eb)

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