Welchen Anteil haben Immunzellen im Fettgewebe an der Krebsentstehung?

Dass viele Krebserkrankungen mit Übergewicht assoziiert sind, ist bekannt. Doch nun vermuten Forscher, dass rund jede fünfte Krebserkrankung auf dem Boden einer chronischen Entzündung im Fettgewebe entsteht.

Von Ingeborg Bördlein Veröffentlicht:
Entzündungen im Fettgewebe als Krebsauslöser? Forscher haben Hinweise darauf gefunden.

Entzündungen im Fettgewebe als Krebsauslöser? Forscher haben Hinweise darauf gefunden.

© Yvonne Bogdanski / fotolia.com

HEIDELBERG. Begünstigen chronische Entzündungsprozesse im Fettgewebe die Entstehung von Krebs? Hinweise aus Tierversuchen legen dies nahe, wie der Ernährungswissenschaftler Professor Mario Kratz vom Fred Hutchinson Cancer Research Center in Seattle bei einem Internationalen Kongress über "Sport, Energiebilanz und Krebs" in Heidelberg gesagt hat.

Dass viele Krebserkrankungen wie Darm-, Brust-, Bauchspeicheldrüsen-, Leber- und Nierenkrebs mit Übergewicht assoziiert sind, ist bekannt. Die metabolischen und molekularen Mechanismen sind jedoch noch nicht geklärt, wie Kratz in Heidelberg berichtete.

Tierversuche lieferten allerdings interessante Hinweise: Chronische subklinische Entzündungsprozesse im Fettgewebe schränkten offensichtlich die Immunabwehr stark ein. So habe man zuvor schlanke Mäuse experimentell adipös gemacht und im Fettgewebe daraufhin eine große Menge an Immunzellen gefunden, die Hinweis für eine Entzündungsreaktion waren.

Klare Zeichen gebe es bereits dafür, dass diese Entzündungsreaktionen bei Diabetes mellitus von Bedeutung sind, wie Kratz sagte, und eben auch, dass Entzündungsprozesse das Krebswachstum fördern.

Wie sich die Entzündungsreaktionen auf die Krebsentstehung tatsächlich auswirken, wird gegenwärtig intensiv erforscht. Am Fred Hutchinson Krebsforschungszentrum sind Kratz zufolge inzwischen Methoden zur Analyse von Fettgewebe bei Menschen entwickelt worden.

"Wir analysieren die Art der Immunzellen im Fettgewebe", zunächst bei gesunden Probanden. Die Fettgewebsentzündungen seien zwar bei Übergewichtigen sehr häufig, aber nicht bei allen Adipösen seien sie nachweisbar, so Kratz. Umgekehrt wurden auch bei schlankeren Probanden Entzündungsreaktionen gesehen.

Möglicherweise sind es bestimmte Nahrungsbestandteile, die die chronischen Entzündungsprozesse auslösen oder zumindest begünstigen, vermutet der Ernährungswissenschaftler. Nach diesen Bestandteilen in der Nahrung suchen die Forscher jetzt.

Bei dem international Kongress in Heidelberg waren auf Einladung des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT) Mediziner, Epidemiologen, Sport- und Ernährungswissenschaftler, Biologen und Psychologen zusammengekommen, um Forschungsergebnisse zu Übergewicht und Bewegungsmangel als Krebsrisiko auszutauschen.

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