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HINTERGRUND

Weniger Kaffee und Nikotin - das lindert Hitzewallungen

Ingrid KreutzVon Ingrid Kreutz Veröffentlicht:

"Die Hormonersatztherapie ist nach wie vor die wirksamste Behandlung bei klimakterischen Beschwerden", sagt die Gynäkologin Dr. Katrin Schaudig aus Hamburg. Aber nicht jede Patientin mit Hitzewallungen benötigt eine Hormonersatztherapie (HRT). Häufig genügen auch Änderungen des Lebensstils.

Etwa ein Drittel der Frauen im Klimakterium leidet stark unter Symptomen wie Hitzewallungen, nächtliche Schweißausbrüche, Schlafstörungen und Depressionen. Ein weiteres Drittel hat zwar Beschwerden, kommt aber ganz gut damit klar.

"Welche Frauen eine HRT benötigen, sollte in einem eingehenden Gespräch geklärt werden", sagte Schaudig bei einer Pressekonferenz zur Jahrestagung der Deutschen Menopause Gesellschaft in Frankfurt am Main. Der subjektive Leidensdruck der Patientinnen müsse dabei ermittelt werden. Außerdem müssten Nutzen und Risiken einer HRT wie das erhöhte Thrombose- und Brustkrebsrisiko individuell abgewogen werden. Eine ein- bis zweijährige HRT sei in der Regel durchaus vertretbar, so Schaudig.

Das Brustkrebsrisiko sei erst bei langjähriger Hormontherapie um etwa 30 Prozent erhöht. Bei Frauen mit starken klimakterischen Beschwerden und hohem Leidensdruck sei eine langfristige Hormonsubstitution dennoch verantwortbar.

Einfluss von Sport auf serotonerges System vermutet

Bei manchen Frauen lassen sich die Beschwerden bereits durch eine Änderung des Lebensstils deutlich lindern. Die Hamburger Gynäkologin empfiehlt ihren Patientinnen mindestens fünfmal pro Woche Körpertraining für etwa 30 Minuten, vor allem Ausdauersport wie schnelles Gehen. Schaudig berichtete über eine australische Studie mit 438 Frauen zwischen 45 und 54 Jahren.

Von denjenigen Frauen, die täglich trainierten, berichteten nur halb so viele von lästigen Hitzewallungen wie Frauen ohne Körpertraining. Möglicherweise werde durch regelmäßigen Sport die Thermoregulation über eine Beeinflussung des serotonergen und adrenergen Systems sowie der Endorphine verbessert, vermutet Schaudig.

Auch der Verzicht auf Rauchen wirkt sich offenbar günstig auf klimakterische Beschwerden aus. So war in der australischen Studie bei Raucherinnen die Rate der Frauen mit starken Hitzewallungen um den Faktor 2,8 erhöht im Vergleich zu Nichtraucherinnen. Die Hamburger Frauenärztin hatte noch zwei weitere praktische Tipps gegen klimakterische Beschwerden parat: Gewichtsreduktion bei Patientinnen mit Übergewicht sowie die Einschränkung des Konsums von Kaffee und sonstigen heißen Getränken.

Mit Cimicifuga bringt Hochdosistherapie Vorteile

Viele Frauen mit klimakterischen Beschwerden wünschen eine Behandlung mit pflanzlichen Präparaten wie Rotklee, Soja oder Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa). Bei leichten Beschwerden lohne sich ein solcher Therapieversuch durchaus, so Schaudig. Allerdings gebe es mit diesen Produkten noch keine Langzeitdaten über Nutzen und Risiken.

Außerdem seien die Studienergebnisse zu den Phytotherapeutika nicht konsistent, und es gebe bisher nur wenige Placebo-kontrollierte Studien. Lediglich für Cimicifuga sei bisher ein moderater Effekt auf klimakterische Symptome nachgewiesen. Mit einem solchen Präparat sollte aber stets hochdosiert behandelt werden, um eine möglichst gute Wirkung zu erzielen, empfiehlt die Frauenärztin.

Wirksame Alternativen zur Hormonersatztherapie gibt es auch für Patientinnen, die starke Wechseljahrsbeschwerden haben, bei denen aber eine HRT, zum Beispiel wegen eines Hormonrezeptor-positiven Mammakarzinoms, kontraindiziert ist. So sind nach Angaben von Schaudig in Studien bereits gute Ergebnisse mit Antidepressiva erzielt worden, etwa mit selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern wie Paroxetin und dem Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer Venlafaxin. Sowohl die Frequenz als auch die Intensität von Hitzewallungen seien mit solchen Substanzen signifikant reduziert worden. Und: Nach neuen Studiendaten werden Hitzewallungen auch mit dem Antiepileptikum Gabapentin deutlich gemindert. Bisher handelt es sich bei der Behandlung mit Gabapentin und den Antidepressiva um einen Off-label-use. Die Präparate sind für die Indikation "klimakterische Beschwerden" derzeit noch nicht zugelassen.

Aktuelle Empfehlungen zu Hormonersatztherapie gibt es beim Berufsverband der Frauenärzte in der Zeitschrift "Frauenarzt" (48, 2007, 724) sowie auch im Internet bei der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe unter: www.dggg.de

STICHWORT

Klimakterium

Das Klimakterium ist die Zeit zwischen dem Ende der Geschlechtsreife und dem Senium (etwa 45. bis 60. Lebensjahr). Pathophysiologisch kommt es im Klimakterium zur Follikelatresie und zu regressiven Gefäßveränderungen der ovariellen Blutversorgung. Erstes endokrines Zeichen des Klimakteriums ist der Progesteronmangel und nicht wie oft angenommen der Östrogenmangel. Typisch sind vasomotorische Beschwerden wie Hitzewallungen. (ikr)

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