Haut-Krankheiten

Zellspray hilft, vernarbte Haut zu erneuern

KASSEL (nie). Ein neues Verfahren zur Epidermis-Rekonstruktion, bei dem eine mit Hautzellen angereicherte Flüssigkeit auf den Defekt gesprüht wird, wird in Deutschland nun getestet. Damit sollen zum Beispiel bessere Ergebnisse bei der Wiederherstellung des Hautbildes nach Narbenbildung und Pigmentveränderungen erzielt werden.

Veröffentlicht: 06.10.2005, 08:00 Uhr

ReCell® wurde von der Leiterin des WA Burns Service in Australien, Professor Fiona Wood, für die Behandlung bei Verbrennungswunden zur Marktreife entwickelt. Das Verfahren zur Hautgewinnung macht es möglich, die vier Epidermis-Bestandteile Keratinozyten, Melanozyten, Fibroblasten und Langerhans-Zellen auf die Wundoberfläche aufzubringen. Die Neubesiedlung durch Melanozyten führt dann zu einer erneuten Pigmentierung.

"Mit dem neuen Verfahren kann innerhalb einer Stunde eine Zellsuspension aus 2 x 2 cm Spalthaut hergestellt werden, mit der ein Defekt von der Größe einer Handfläche gedeckt werden kann", so Privatdozent Dr. Ernst Magnus Noah, Chefarzt der Klinik für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie in Kassel.

Er wendet das Verfahren als einer der ersten Ärzte in Deutschland an. Bei der Keratinozyten-Transplantation dagegen, die vornehmlich bei schweren Verbrennungen angewendet wird, muß das Gewebe für die Zelltransplantation erst in spezialisierten Laboren angezüchtet werden. Dieses Gewebe-Engineering kann bis zu mehreren Wochen in Anspruch nehmen.

Das Verfahren ist mit etwas Übung einfach zu handhaben

Das neue Verfahren sei mit etwas Übung denkbar einfach zu handhaben, so Noah zur "Ärzte Zeitung": Der Chirurg entnimmt die Spalthaut und bringt sie in einem Kit mit dem Enzym Trypsin zusammen. Das Gemisch wird in einer Wärmekammer in dem transportablen Labor auf 37 Grad Celsius erwärmt. Innerhalb einer halben Stunde wird die Oberhaut von der Basalzellenschicht gelöst, so daß beide Schichten voneinander abgezogen werden können wie zwei Blatt Papier.

Nach einer weiteren Behandlung mit einer Natriumlactatlösung, wodurch die Wirkung des Trypsins gestoppt wird, kratzt der Chirurg mit einem Messer die Basalzellenschicht herunter, die dann wieder in die Salzlösung zurückgelegt wird. Die mit den Hautzellen angereicherte Flüssigkeit (4 bis 5 ml) wird anschließend in einer Spritze aufgezogen und auf die Wunde gesprüht. Die Wunde wird dann für fünf bis zehn Tage verbunden, bis die aufgesprühten Zellen das Hautstück vollständig regeneriert haben.

Das Sprüh-Verfahren hat Noah bisher bei zwei Patienten mit Defekten nach Achillessehnen-Operationen angewendet, bei denen eine Lappentransplantation vorgenommen werden mußte. Beide Patienten hatten bereits eine Spalthaut-Transplantation und wünschten dies kein weiteres Mal.

Bei beiden Patienten sei das Ergebnis sehr positiv ausgefallen, sagte Noah. Auch bei einem der Patienten, der älter als 60 Jahre alt ist, verfügten die mit dem neuen Verfahren kultivierten Hautzellen noch ausreichend über die Fähigkeit, Hautpartien zu rekonstruieren.

Nicht genutzt werden kann das neue Verfahren hingegen etwa bei infizierten Wunden und offenen Beinen. "Die Möglichkeiten der Hauttransplantation werden durch die neue Technik ergänzt, aber nicht ersetzt", betonte Noah.

Erste Erfahrungen mit der Methode haben auch schon Kollegen im Marienhospital in Stuttgart gemacht.

Zellspray wird auch bei Vitiligo oder Akne-Narben erprobt

Sie haben das Verfahren, wie berichtet, bei einem zehnjährigem Jungen angewandt, dessen Gesicht nach Kontakt mit einem Starkstromkabel und danach notwendigen mehrmaligen rekonstruktiven Operationen noch narbig, gerötet und an vielen Stellen dunkler als gewöhnlich war.

Das Verfahren zur Rekonstruktion der Epidermis von der australischen Firma Clinical Cell Culture soll nach Angaben des europäischen Vertriebspartners Polytech-Silimed Europe GmbH auch in der kosmetischen Chirurgie genutzt werden. Es soll etwa zur Behandlung bei Hauterkrankungen wie Vitiligo, bei aknebedingter Narbenbildung oder bei Entfernung von Tätowierungsnarben angewendet werden, die nach einer Laserbehandlung entstehen können.

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