Projektstart

24 Hausarztpraxen in Rheinland-Pfalz legen los mit „Telemedizin-Assistenz“

In Rheinland-Pfalz ist das Projekt „Telemedizin-Assistenz“ gestartet. Es soll der Entlastung hausärztlicher Praxen insbesondere im ländlichen Raum dienen. Ministerium, Kassen, KV, Kammer, ein Technik- und Autounternehmen sind im Boot.

Von Anke ThomasAnke Thomas Veröffentlicht:
Dr. Barbara Römer (links) und Ministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler präsentieren nebst weiteren Projektpartnern eines der E-Autos, mit denen die TMA auf Hausbesuch fahren können.

Dr. Barbara Römer (links) und Ministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler präsentieren nebst weiteren Projektpartnern eines der E-Autos, mit denen die TMA auf Hausbesuch fahren können.

© Anke Thomas

Mainz. Viele hausärztliche Praxen in Rheinland-Pfalz setzen bereits Nichtärztliche Praxisassistenten (NäPa) ein, die auch Hausbesuche erledigen. Um diese Praxen vorrangig auf dem Land weiter zu entlasten, die Versorgung älterer und immobiler Patienten zu sichern und die Digitalisierung voranzutreiben, hat das Gesundheitsministerium mit weiteren Partnern das Projekt „Telemedizin-Assistenz“ (TMA) ins Leben gerufen.

Am Mittwoch gab Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD), Gesundheitsministerin in Rheinland-Pfalz zusammen mit Dr. Barbara Römer, Chefin des rheinland-pfälzischen Hausärzteverbandes, den Startschuss für das Projekt.

24 Hausarztpraxen mit 56 Ärztinnen und Ärzte sowie 46 NäPa haben sich für die Projektteilnahme bereit erklärt. 40 Praxen seien für das Projekt infrage gekommen, denen die Teilnahme angeboten worden sei, so die Ministerin.

Rucksack mit digitaler Technik

Die Praxen, die sich für das Projekt ausgesprochen haben, wurden mit einem Telemedizin-Rucksack ausgestattet. Dieser beinhaltet ein Blutdruckmessgerät, ein Blutzuckermessgerät, ein Pulsoxymeter, ein 12-Kanal-EKG, ein Fieberthermometer, eine Wunddokumentation, ein Notallfragebogen sowie Verbrauchermaterialien.

Über ein Tablet werden Daten vom Hausbesuch direkt an die Hausarztpraxis übertragen. Das Tablet ist mit einer Multi-SIM-Karte ausgestattet, die dafür sorgen soll, dass automatisch das stärkste Mobilfunknetz genutzt wird.

Auf Wunsch der Ärzte kann das Technik-Paket um weitere Digitalgeräte aufgestockt werden: Optional stehen Stethoskop, Spirometer, Otoskop oder eine Personenwaage zur Auswahl. Damit vor Ort alles klappt, haben die NäPa Schulungen zu Telemedizin-Assistenten (TMA) absolviert – teilweise digital, teilweise auch in den Praxen.

Bürokratie lässt grüßen

Außerdem fördert das Land das Leasing von Elektroautos. Diese Gelegenheit nutzen 14 Praxen, bei denen 15 Renault Zoe zum Einsatz kommen. erklärt Bätzing-Lichtenthäler. Ingesamt wird das Projekt vom Land mit 800.000 Euro unterstützt. Das Geld fließt unter anderem in die Technik, die Schulungen und die Evaluation. Technischer Partner ist das Zentrum für Telemedizin (ZTM) in Bad Kissingen, deren Mitarbeiter den Praxen jederzeit als Ansprechpartner zur Verfügung stehen.

Alle Krankenkassen sind mit im Boot. Die Verhandlungen waren nicht leicht, erklärt Römer. Für die Hausbesuche der TMA gibt es einen Zuschlag von rund 40 Euro, wenn die Hausärztin oder der Hausarzt sich per Video zuschaltet, kommen nochmals 10 Euro hinzu, erklärt Römer gegenüber der „Ärzte Zeitung“.

Etwas ärgerlich und zeitaufwendig ist, dass sich die Kassen nicht auf ein einheitliches Formular für die Einschreibung einigen konnten. „Aber Formulare sind wir ja gewohnt“, meint Römer.

Vier ländliche Regionen wurden ausgesucht: Alzey, Bad Bergzabern/Dahn/ Betzdorf/Kirchen/Wissen und Daun. Das Projekt läuft über zwei Jahre und wird wissenschaftlich evaluiert.

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