Nordrhein-Westfalen

Anlaufstelle bei Konflikten zu Heimbesuchen

Weil viele Heime trotz gelockerter Besuchsregeln noch restriktiv damit umgehen, hat Nordrhein-Westfalen eine „Dialogstelle“ etabliert.

Ilse SchlingensiepenVon Ilse Schlingensiepen Veröffentlicht:
Claudia Middendorf ist die Landesbehinderten- und -patientenbeauftragte in NRW.

Claudia Middendorf ist die Landesbehinderten- und -patientenbeauftragte in NRW.

© David Young/dpa

Düsseldorf. In Nordrhein-Westfalen soll eine neue „Dialogstelle“ dabei helfen, Konflikte über die Ausgestaltung der Besuchsregelungen in Pflege- und Behinderteneinrichtungen unter Corona-Bedingungen möglichst einvernehmlich zu lösen.

„Ich möchte auf Dialog setzen, nicht auf Anordnungen“, sagte Landesgesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) bei der Vorstellung der neuen Anlaufstelle. Sie ist bei der Beauftragten der Landesregierung für Menschen mit Behinderung sowie für Patientinnen und Patienten, Claudia Middendorf, angesiedelt.

Zwar ist in NRW seit dem 10. Mai der Besuch bei Bewohnern in stationären Pflegeheimen und Einrichtungen der Eingliederungshilfe grundsätzlich wieder erlaubt. Viele Einrichtungen gehen mit den neuen Möglichkeiten aber sehr restriktiv um. Das hat zu viel Unmut bei Angehörigen, aber auch Bewohnern geführt.

Viele Beschwerden Angehöriger

„Wir bekommen bitterböse Briefe von Menschen, die sich über die stark eingeschränkten Besuchsmöglichkeiten beschweren“, berichtete Laumann. Er kann beide Seiten in dem Konflikt verstehen. „Viele Verantwortliche in den Einrichtungen haben große Sorgen, dass das Virus in die Einrichtung kommt.“

Von den insgesamt 1616 Menschen, die in NRW an COVID-19 gestorben sind, hätten immerhin 601 in Pflegeeinrichtungen gelebt.

Den Bedenken der Heime stehe das berechtigte Interesse der Bewohner der Einrichtungen und ihrer Angehörigen nach persönlichem Kontakt gegenüber. Für die Betroffenen sei es aber oft schwierig, die direkte Konfrontation mit den Einrichtungen zu suchen. „In so einer Situation ist eine Ombudsstelle eine gute Idee“, glaubt der Minister.

Gemeinsame Lösungssuche

„Ich hoffe, dass wir durch die Dialogstelle ein Instrument gefunden haben, wieder miteinander ins Gespräch zu kommen“, sagte die Patientenbeauftragte Middendorf. Ihre Aufgabe werde es sein, die beiden Seiten zusammenzuführen und gemeinsam nach einer Lösung zu suchen.

Laumann betonte, dass sich die Pandemie-Lage in NRW inzwischen deutlich entspannt hat. Am Freitag waren in dem Bundesland 1988 Menschen mit SARS-CoV-2 infiziert, 283 wurden stationär behandelt. Die Reproduktionszahl lag bei 0,66.

Das Prinzip der regionalen Beobachtung der Infektionslage hat sich nach seiner Einschätzung bewährt. Zudem sei es wichtig, ein besonderes Augenmerk auf Sammelunterkünfte zu richten. Dazu zählen neben Asylbewerberunterkünften eben auch Pflege- und Behinderteneinrichtungen.

Von 175.000 Bewohnern in den Pflegeheimen seien insgesamt 168 infiziert, nur 56 der gut 2000 stationären Pflegeeinrichtungen sind betroffen, berichtete der Minister. „Die Zahlen sind in einem sehr beherrschbaren Bereich angekommen.“ (iss)

Mehr zum Thema
Schlagworte
Kommentare
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Jetzt anmelden »Kostenlos registrieren »

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

» kostenlos und direkt in Ihr Postfach

Am Morgen: Ihr individueller Themenmix

Zum Feierabend: das tagesaktuelle Telegramm

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Krankschreibungen wegen Corona haben zuletzt deutlich zugenommen, so eine aktuelle Analyse der BARMER.

© Goldmann/picture alliance

Pandemie

BARMER verzeichnet steilen Anstieg bei Corona-AU