Geimpfte erkrankt

AstraZeneca stoppt Corona-Impfstudien

Weil eine Probandin nach der Impfung schwer erkrankt ist, hat das Pharmaunternehmen AstraZeneca die Studien zu seinem experimentellen Corona-Impfstoff unterbrochen. Experten gehen von einem Routinevorgang aus.

Wolfgang GeisselVon Wolfgang Geissel Veröffentlicht: | aktualisiert:
Der von der Universität Oxford und AstraZeneca gemeinsam entwickelte Impfstoff wird bereits in Phase-III-Studien geprüft (Symbolbild).

Der von der Universität Oxford und AstraZeneca gemeinsam entwickelte Impfstoff wird bereits in Phase-III-Studien geprüft (Symbolbild).

© myskin/stock.adobe.com

Neu-Isenburg. Das Pharmaunternehmen AstraZeneca hat das Studienprogramm zu seinem Coronaimpfstoff „AZD1222“ unterbrochen. Das hatten zuerst mehrere Medien berichtet, inzwischen teilt dies auch das Unternehmen selbst mit. Grund für die Unterbrechung soll eine schwere und unerwartete Erkrankung einer Probandin in zeitlicher Nähe zur experimentellen Impfung sein, hatte zunächst der US-Nachrichtendienst STAT im Internet informiert.

Die „New York Times“ (NYT) zitierte dann einen nicht namentlich erwähnten Informanten, dass dabei ein Impfling im britischen Teil der Studie an „Transverser Myelitis“ erkrankt sei. Die Unterbrechung sei ein Routinevorgang, der bei jeder potenziell unerklärlichen Krankheit in solchen Studien stattfinde, so ein Unternehmenssprecher in der „NYT“. Auch AstraZeneca spricht in der eigenen Mitteilung von einer „freiwilligen Pausierung, um einem unabhängigen Gremium die Möglichkeit zu geben, die Sicherheitsdaten jedes einzelnen Vorkommens einer unerklärten Erkrankung zu untersuchen“.

Anscheinend der zweite Fall

In einer Videokonferenz mit Investoren habe der britisch-schwedische Pharmahersteller mitgeteilt, dass es sich um eine Frau aus dem Vereinigten Königreich aus der Verumgruppe handele, die erkrankt sei, berichtet STAT weiter. Einem Bericht von „Nature“ zu dem Thema ist zu entnehmen, dass die jetzige Unterbrechung bereits die zweite Pausierung sei. Demnach habe bereits zuvor ein Proband Symptome entwickelt, die an eine Transverse Myelitis hätten denken lassen, heißt es in dem Bericht.

Nach einer Überprüfung sei die Studie fortgesetzt worden, die Person sei mit einer „neurologischen Erkrankung ohne Zusammenhang“ diagnostiziert worden und habe nicht medizinisch behandelt werden müssen.

„Eine kurzfristige Unterbrechung der Studienrekrutierung ist ein übliches Vorgehen bei klinischen Prüfungen, wenn schwere Nebenwirkungen auftreten“, kommentierte Professor Clemens Wendtner, Infektiologe an der Klinik München Schwabing, die Entwicklung. „Die beschriebene Transverse Myelitis könnte eine Nebenwirkung der Impfung

sein. Alternativ könnte es pure Koinzidenz ohne kausalen Zusammenhang sein, allerdings ist die Inzidenz für dieses Erkrankungsbild äußerst selten – konkret circa 1,3 Fälle auf eine Million Einwohner pro Jahr.“

„Transparentes Vorgehen“

Eine weitere Stimme zur Pausierung: „Wichtig ist anzuerkennen, dass das transparente Vorgehen ein Zeichen der funktionierenden Qualitätskontrolle ist“, betont der Virologe Professor Stephan Becker von der Universität Marburg. „Für mich ist das Vorgehen im Falle der Impfstoffstudien von AstraZeneca ein gutes Zeichen, weil es zeigt, dass die Sicherheitsregeln greifen.“

Der Impfstoff wird von AstraZeneca in Kooperation mit der Universität Oxford entwickelt. Dabei handelt es sich um einen DNA-Impfstoff, bei dem Coronavirus-Gene mit einem Schimpansen-Adenovirus-Vektor in menschliche Zellen geschleust werden. Der Impfstoff wird seit Mai in Phase II/III-Studien in England und Indien sowie in Phase-III-Studien in Brasilien, Südafrika und über 60 US-Zentren geprüft. Die US-Studie wurde Ende August gestartet, etwa 30.000 Teilnehmer sollen rekrutiert werden.

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