Niedersachsen

Kochsalz-Injektion statt Corona-Impfung: 8500 Menschen in Friesland betroffen

Sind von den Impfungen mit Kochsalzlösungen im Kreis Friesland mehr Menschen betroffen als zunächst angenommen? Tausenden Kreisbewohnern stehen nun weitere Corona-Schutzimpfungen bevor.

Veröffentlicht:
Nach Impfungen mit Kochsalzlösungen im April im Kreis Friesland könnten nach Behörden-Angaben mehr Menschen als zunächst angenommen betroffen sein. Es geht um insgesamt bis zu 8557 Personen.

Nach Impfungen mit Kochsalzlösungen im April im Kreis Friesland könnten nach Behörden-Angaben mehr Menschen als zunächst angenommen betroffen sein. Es geht um insgesamt bis zu 8557 Personen.

© Mohssen Assanimoghaddam/dpa

Jever. Nachdem eine Krankenschwester im Kreis Friesland Corona-Impfungen mit Kochsalzlösungen vorgenommen haben soll, könnten nun weitaus mehr Menschen davon betroffen sein als zunächst angenommen.

„Es geht um insgesamt 8557 Menschen, die womöglich ganz oder teilweise keinen Impfschutz erhalten haben, obwohl sie davon ausgehen“, sagte Frieslands Landrat Sven Ambrosy (SPD) bei einer Pressekonferenz am Dienstag in Jever.

Die möglicherweise fehlenden Impfungen sollen nun schnellstmöglich nachgeholt werden. „Wir müssen den Schaden von diesen Menschen abwenden, auch wenn wir nicht wissen, wie viele Menschen wirklich betroffen sind“, sagte Ambrosy.

Kochsalz-Lösungen statt Vakzine verimpft

Nach polizeilichen Ermittlungen müsse davon ausgegangen werden, dass die Beschuldigte in dem Zeitraum von 5. März bis 20. April bei insgesamt 9673 Impfungen auch noch weiteren Menschen Kochsalz-Lösungen verabreicht habe statt der gewünschten Impfstoffe von BioNTech, Moderna und AstraZeneca, sagte der Landrat.

Demnach war die Krankenschwester, die um die 40 Jahre alte sein soll, damit betraut, die Spritzen mit den Impfungen vorzubereiten. Betroffen seien vor allem Gruppen der Priorität zwei und Menschen über 70 Jahren.

Zusätzliche Impfungen medizinisch unbedenklich

Ende April war bekannt geworden, dass eine Mitarbeiterin eines Impfzentrums bei Schortens eingeräumte hat, sechs Spritzen statt mit dem Biontech-Impfstoff mit Kochsalzlösung gefüllt zu haben. Ihr soll zuvor beim Anmischen ein Fläschchen mit dem Vakzin heruntergefallen sein, was sie anschließend vertuschen wollte.

Danach wurde der Impfschutz von mehr als 100 Menschen, die an diesem Tag geimpft wurden, zunächst mit Antikörpertests überprüft. Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln seitdem in dem Fall.

Lesen sie auch

Die zusätzlichen Impfungen, auch wenn es die dritte oder gar vierte Impfung ist, seien nach Rücksprachen mit dem Robert Koch-Institut (RKI) und der Ständigen Impfkommission (STIKO) medizinisch unbedenklich, sagte der Präsident des niedersächsischen Landesgesundheitsamtes, Matthias Pulz.

Die Nebenwirkungen könnten dann aber so ausfallen wie bei einer zweiten Impfung - „vielleicht etwas ausgeprägter“, sagte Pulz. „Aber es sind auf der Stelle dann zu erwartende Nebenwirkungen und nicht ungewöhnliche Komplikationen.“

Konkrete Hinweise auf mehr Fälle

Wie der stellvertretende Leiter der Polizeiinspektion Wilhelmshaven/Friesland, Peter Beer, bei der Pressekonferenz sagte, habe es bei Zeugenvernehmungen von Mitte bis Ende Juni konkrete Hinweise auf weitere Fälle gegeben. Details nannte Beer nicht. Auch über das mögliche Motiv machte die Polizei keine weiteren Angaben. Bislang gehen die Ermittler von einer Vertuschungstat aus.

Beer bestätigte aber bereits bekannt gewordene Berichte, wonach die Beschuldigte vor dem 21. April in einem sozialen Netzwerk Beiträge teilte, in denen Corona-Maßnahmen der Regierung kritisiert wurden.

Zudem habe die Frau über einen Chat „corona-kritische Informationen“ verteilt, sagte Beer. „Das ist aber alles, was wir bisher im Rahmen der Ermittlungen festgestellt haben.“ Die Frau schweigt laut Polizei zu dem Geschehen. (dpa/lni)

Mehr zum Thema

Städte und Landkreise

Das lokale Corona-Infektionsgeschehen im Vergleich

COVID-19-Impfung im früheren Getränkemarkt

Hausarzt richtet Corona-Impfzentrum ein – auf eigene Kosten

Ambulant-stationäre Versorgung

Ampel schaltet beim Abbau der Sektorengrenzen auf Grün

Kooperation | In Kooperation mit: dem AOK-Bundesverband
Das könnte Sie auch interessieren
Die Chancen der Vitamin-C-Hochdosis-Therapie nutzen

© Pascoe Naturmedizin

Vitamin-C-Therapie

Die Chancen der Vitamin-C-Hochdosis-Therapie nutzen

Anzeige | Pascoe Naturmedizin
Mit Vitamin C gegen schwere Langzeitfolgen

© designer491 / Getty Images / iStockphoto

Long-COVID

Mit Vitamin C gegen schwere Langzeitfolgen

Anzeige | Pascoe Naturmedizin
Long-COVID-Syndrom: Warum Frauen häufiger betroffen sind

© Pascoe Naturmedizin

Vitamin-C-Infusionen bei Long-COVID

Long-COVID-Syndrom: Warum Frauen häufiger betroffen sind

Anzeige | Pascoe Naturmedizin
Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Jetzt anmelden / registrieren »

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

» kostenlos und direkt in Ihr Postfach

Am Morgen: Ihr individueller Themenmix

Zum Feierabend: das tagesaktuelle Telegramm

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Inwiefern sich die Omikron-Variante in Bezug auf die Wirksamkeit von Impfstoffen vom Wildtyp und anderen Varianten unterscheidet, ist noch unklar.

© [M] Pavlo Gonchar / ZUMAPRESS.com / picture alliance

Schutz vor Omikron-Variante

Virologen und Immunologen raten zu umfassenden Kontaktbeschränkungen

Bei aggressiven Patienten hilft nur Deeskalation: Dabei sollten die MFA ruhig, aber bestimmt Grenzen setzen.

© LIGHTFIELD STUDIOS / stock.adobe.com

Tipps

Die richtige Kommunikation mit schwierigen Patienten

Hält einen allgemeinen Lockdown für unverhältnismäßig: Der geschäftsführende Kanzleramtsminister Helge Braun.

© Britta Pedersen / dpa / picture alliance

Heutiges Treffen

Braun: Keine Corona-Beschlüsse bei Bund-Länder-Runde zu erwarten