Kritik aus Mecklenburg-Vorpommern

Nordost-KV fordert schärfere Regeln für MVZ

Die KV Mecklenburg-Vorpommern sorgt sich um die Vielfalt der Versorgungsstruktur im ambulanten Sektor. Ihr Schreckgespenst: die landesweit steigende Zahl an MVZ in nicht-ärztlicher Hand.

Von Dirk SchnackDirk Schnack Veröffentlicht:
MVZ arbeiten vorrangig mit angestellten Ärzten. Das hat laut KV Mecklenburg-Vorpommern den Nachteil, das wegen einer nicht selten hohen Fluktuation Patienten nicht mehr den Arzt ihres Vertrauen haben. (Motiv mit Fotomodell)

MVZ arbeiten vorrangig mit angestellten Ärzten. Das hat laut KV Mecklenburg-Vorpommern den Nachteil, das wegen einer nicht selten hohen Fluktuation Patienten nicht mehr den Arzt ihres Vertrauen haben. (Motiv mit Fotomodell)

© Robert Kneschke / stock.adobe.com

Schwerin. Im Nordosten werden immer mehr MVZ mit angestellten Ärzten tätig. Das beunruhigt die KV in Mecklenburg-Vorpommern. Um die die Zahl der Ärzte in freier Praxis zu stabilisieren, ist nach ihrer Ansicht die Politik gefordert, attraktivere Rahmenbedingungen zu schaffen. Denn die in freien Praxen tätigen Ärzte sind nach ihrer Auffassung „die Garanten für eine langfristige, stabile, verlässliche und kontinuierliche Betreuung der Patienten vor Ort“.

Der Anteil der angestellten Ärzte und Psychotherapeuten beträgt laut KV bereits 22 Prozent. Allein in den Jahren 2012 bis 2016 wurden rund 180 Arztsitze von niedergelassenen Ärzten in Anstellungen – vorwiegend in MVZ – umgewandelt. „Hier wurden im Vergleich zu den übernommenen Arztsitzen signifikant weniger Patienten versorgt“, so die KV in einer Pressemitteilung.

Mehr angestellte Ärzte, weniger Arztzeit für die Versorgung

Sie verwies in diesem Zusammenhang auf einen durchschnittlichen Stundenumfang von 38 Stunden pro Woche bei einem vollen Versorgungsumfang, was deutlich unter dem Stundenumfang niedergelassener Ärzte liegt. Sie sprach auch von einer hohen Fluktuation angestellter Ärzte, die zudem häufig nur anteilige Arztstellen ausfüllten.

Folge dieser Entwicklung ist ein häufiger Wechsel der betreuenden Ärzte für die Patienten. Diese benötigen laut KV aber „nicht einfach einen Arzt, sondern den Haus- oder Facharzt, dem sie vertrauen.“

Zwei Drittel der MVZ in nicht-ärztlicher Hand

Kritisch sieht die KV diese Entwicklung aber auch wegen der Trägerschaften der MVZ: Von landesweit 77 MVZ mit 399 Ärzten befinden sich 22 in Trägerschaft von Klinikkonzernen und regionalen Krankenhäusern. Die Universitäten in Rostock und Greifswald sind Träger weiterer elf MVZ. Bundesweit und zum Teil international agierende Kapitalgesellschaften und andere nicht-ärztliche Träger halten zusammen 18 MVZ in Mecklenburg-Vorpommern – insgesamt sind dies 51 MVZ nicht-ärztlicher Träger mit 297 angestellten Ärzten.

„Insbesondere in Städten wie Rostock oder Wismar kaufen MVZ-Träger gehäuft ärztliche Zulassungen auf“, so die KV. In Rostock befinden sich nach ihren Angaben von rund 600 vertragsärztlichen Zulassungen 79 in den Händen der Uni oder von Kapitalgesellschaften. Ein Beispiel: Die ambulante Dialyseversorgung in der Hansestadt erfolgt laut KV komplett durch MVZ der Fresenius-Tocher Nephrocare.

Kann Pflicht zur öffentlichen Ausschreibung von Praxen helfen?

Um gegenzusteuern, hat die KV der Politik eine Reihe von Maßnahmen vorgeschlagen. Dazu gehört u.a. die Bindung der Zulassung zur vertragsärztlichen Tätigkeit an den Arzt, das Beenden des „Handels mit vertragsärztlichen Zulassungen aus rein wirtschaftlichen Interessen“, eine Begrenzung der MVZ-Zahl und dort tätiger Ärzte für Krankenhäuser oder Kapitalgesellschaften sowie die Pflicht einer öffentlichen Ausschreibung jeder Praxisnachfolge.

Die KV forderte auch, dass Zulassungen bei gewerblichen MVZ-Trägern nicht dauerhaft verbleiben sollten und faire Bedingungen für angestellte Ärzte in MVZ, die Interesse an einer Herauslösung der Zulassung haben. Die derzeitige Begrenzung von maximal drei angestellten Ärzten in Vollzeit bei niedergelassenen Ärzten sollte laut KV aufgehoben werden.

Ihre Forderung an die Politik begleitete die KV mit einer umfangreichen Schilderung ihrer eigenen Maßnahmen zur Sicherung der ambulanten Versorgung. Wie berichtet hat die KV in den vergangenen Jahren mehrere Fördermaßnahmen auf den Weg gebracht, um Arztsitze in Gebieten mit einer drohenden Unterversorgung zu besetzen. In den kommenden fünf Jahren werden voraussichtlich 250 Hausärzte in Mecklenburg-Vorpommern aus Altersgründen Nachfolger für ihre Praxen suchen. Handlungsbedarf sieht die KV aber auch bei Pädiatern, Dermatologen und Neurologen.

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