Niedersachsen

Palliativversorgung – regionale Schieflage im Norden

Flächendeckend funktioniert die ambulante und spezialisierte Palliativversorgung bisher nicht, zeigt eine Studie von AOK und MHH.

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10 bis 20 Prozent aller Sterbenden benötigen eine spezialisierte ambulante Palliativverordnung (SAPV) und rund 80 Prozent eine allgemeine ambulante Palliativversorgung (AAPV).

10 bis 20 Prozent aller Sterbenden benötigen eine spezialisierte ambulante Palliativverordnung (SAPV) und rund 80 Prozent eine allgemeine ambulante Palliativversorgung (AAPV).

© Rob Bouwman / Fotolia

Hannover. Die ambulante Palliativversorgung in Niedersachsen hinkt in manchen Landkreisen dem Bedarf hinterher und in anderen nicht. Warum? Diese Schieflage zeigt eine Studie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) und der AOK des Landes: „Ambulante Palliativversorgung in Niedersachsen – regionale Unterschiede in der Versorgung von Menschen am Lebensende anhand von Qualitätsindikatoren“.

Die Studie berücksichtigt die Daten von rund 96.000 Verstorbenen der Jahre 2016 bis 2018. Die Ergebnisse bestätigen den Eindruck, dass die Leistungen der ambulanten Palliativversorgung in Niedersachsen ungleich verteilt sind.

So liege der Anteil von Verstorbenen mit Leistungen der allgemeinen ambulanten Palliativversorgung (AAPV) im letzten Lebensjahr zwischen 16,5 Prozent in Lüchow-Dannenberg und 46 Prozent in Friesland. In Lüneburg wurden mit 18,2 Prozent die meisten Verordnungen der spezialisierten ambulanten Palliativverordnung (SAPV) ausgestellt, in der Grafschaft Bentheim nur 2,4 Prozent.

AAPV-Verschreibungen oft unter Bedarf

10 bis 20 Prozent aller Sterbenden benötigen eine SAPV und rund 80 Prozent eine AAPV, sagt Professor Nils Schneider, Leiter des Instituts für Allgemeinmedizin an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). „Aus Gesprächen mit Ärzten, Pflegediensten und Patienten wussten wir aber, dass die ambulante Palliativversorgung je nach Region in Niedersachsen gefühlt sehr unterschiedlich ist. Das wollten wir anhand von Patientendaten überprüfen.“

Auffällig sei: Die Menge der SAPV-Verschreibungen liege nah am Bedarf, die AAPV, die vor allem von Hausärzten abgedeckt wird, liege dagegen deutlich unter dem angenommenen Bedarf, so Schneider. Aber es gibt auch Ausreißer: „Beeindruckt hat mich, dass in manchen strukturschwachen Gebieten die AAPV besonders stark vertreten war“, sagt Schneider. „Da gibt es offenbar ein hohes Bewusstsein für die ambulante Palliativversorgung oder einige besonders engagierte Kolleginnen und Kollegen.“

Palliativversorgung durch Hausärzte stärken

Patienten erhalten indessen oftmals zu spät Palliativversorgung, und der Hausärztemangel gerade in ländlichen Regionen gefährdet die Versorgung schwerkranker und sterbender Menschen, so die Studie. „Wir brauchen mehr Hausärztinnen und Hausärzte im Land und eine höhere Sensibilität dafür, dass die Palliativversorgung nicht erst wenige Tage vor dem Tod des Patienten einsetzt, sondern schon früher“, erklärt Schneider. Er fordert, besonders die allgemeine Palliativversorgung durch Hausärzte müsse gestärkt werden.

Allein bei der AOK Niedersachsen sind 210.000 Versicherte pflegebedürftig. Um auf diese Herausforderungen zu reagieren, wollen MHH und Kasse mit gemeinsamer Forschung einen Beitrag leisten, damit Schwerkranke am Lebensende bestmöglich versorgt werden.

Das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) hat beide Akteure im April für ihre Studie mit dem „Wissenschaftspreis für Regionale Versorgungsforschung“ ausgezeichnet. (cben)

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