Bewerbungswelle kurz vor Torschluss

Plötzlich will jeder Landarzt in Bayern werden

Die Zahl der Interessenten für ein Landarztstipendium hat sich nach zögerlichem Beginn innerhalb von anderthalb Wochen verzehnfacht.

Von Birgit Fenzel Veröffentlicht:
Im Einsatz: ein Landarzt in Schöllnach, Bayern. (Archivbild)

Im Einsatz: ein Landarzt in Schöllnach, Bayern. (Archivbild)

© Armin Weigel/dpa

München. Das Interesse an einer Zukunft als Landarzt ist in Bayern offenbar doch höher als gedacht. Nach zögerlichem Beginn, hat sich laut Bayerischem Rundfunk kurz vor dem Ende der Bewerbungsfrist am morgigen Freitag die Bewerberzahl für ein Landarztstipendium verzehnfacht. Binnen eines Zeitraums von anderthalb Wochen sei die Anzahl von 60 Bewerbungen in der Monatsmitte auf 640 gestiegen.

Bis zu 5,8 Prozent der Studienplätze reserviert

Um die medizinische Versorgung in allen Teilen des Freistaats zu sichern, reserviert Bayern bis zu 5,8 Prozent aller Medizinstudienplätze an bayerischen Universitäten für Studierende, die ein besonderes Interesse an der hausärztlichen Tätigkeit im ländlichen Raum zeigen.

Um einen der rund 110 Studienplätze jährlich zu erhalten, verpflichten sich die Kandidaten, später mindestens zehn Jahre lang als Hausärztin oder Hausarzt in einer Region zu arbeiten, die medizinisch unterversorgt oder von Unterversorgung bedroht ist. Damit erhalten im Freistaat auch junge Menschen ohne Einserabitur die Möglichkeit eines Medizinstudiums.

Das Land- und Amtsarztgesetz, das am 1. Januar 2020 in Kraft getreten war, sieht ein zweistufiges Auswahlverfahren vor.

Die Auswahlkriterien der ersten Stufe sind das Ergebnis eines fachspezifischen Studieneignungstests, das Vorliegen einer Berufsausbildung in einem Gesundheitsberuf, die Dauer der Berufstätigkeit in diesem Beruf und die Art und Dauer einer geeigneten freiwilligen oder ehrenamtlichen Tätigkeit. Das Ergebnis eines fachspezifischen Studieneignungstests (zum Beispiel TMS) muss zum Bewerbungszeitpunkt bereits vorliegen und kann nicht nachgereicht werden.

Ortspräferenzen werden berücksichtigt

Auf der zweiten Stufe des Auswahlverfahrens finden strukturierte und standardisierte Auswahlgespräche statt. Daran nehmen diejenigen Bewerber teil, die sich in der ersten Stufe des Auswahlverfahrens qualifiziert haben. Die über die Landarztquote ausgewählten Kandidaten beginnen ihr Studium jeweils im Wintersemester an allen medizinischen Fakultäten in Bayern. Ortspräferenzen werden dabei nach Möglichkeit berücksichtigt.

Mehr zum Thema

Initiative gestartet

Allianz forciert Gesetz zur Gesundheitsdatennutzung

Telemedizin

AOK Bayern reklamiert Wiederholungsrezept für sich

Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Jetzt anmelden / registrieren »

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

» kostenlos und direkt in Ihr Postfach

Am Morgen: Ihr individueller Themenmix

Zum Feierabend: das tagesaktuelle Telegramm

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Pandemiebedingt sind in den ersten neun Monaten die Arzthonorare bei den 102 Kassen nur um knapp 1,8 Prozent gestiegen. GKV-weit nahmen die Leistungsausgaben inklusive Verwaltungskosten um rund 4,8 Prozent zu.

© Stockfotos-MG / stock.adobe.com

Kassenfinanzen

Kassen bunkern noch 13,6 Milliarden Euro