Niedrigere MGV-Zahlungen

Saarland: Millionen-Einbußen für Kassenärzte drohen

Der Bevölkerungsrückgang im Saarland führt zu niedrigeren MGV-Zahlungen. Die KV beziffert die Einbußen auf jährlich fast sechs Millionen Euro, hat aber auch einen Rat für die Mitglieder.

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Weniger Einwohner, weniger Einnahmen – das gilt auch für die Ärzte im Saarland.

Weniger Einwohner, weniger Einnahmen – das gilt auch für die Ärzte im Saarland.

© Nico Bekasinski / stock.adobe.com / [M]

Saarbrücken. Den Bevölkerungsrückgang im Saarland bekommen jetzt auch die Kassenärzte an der Saar zu spüren. Die Kassenärztliche Vereinigung spricht von Millionenverlusten, weil die Zahlungen aus der morbiditätsbedingten Gesamtvergütung (MGV) sinken.

„Wir haben im Saarland Quartal für Quartal weniger gesetzlich Versicherte“, berichtete KV-Chef Dr. Gunter Hauptmann jüngst vor der KV-Vertreterversammlung in Saarbrücken. Das bedeute weniger Geld aus der MGV. Hauptmann rechnete vor: In den vergangenen vier Jahren habe man im Saarland 14.500 gesetzlich Versicherte verloren. Das bedeute für die KV rund 5,8 Millionen Euro weniger MGV-Vergütung im Jahr.

Immer weniger Einwohner

Schon lange ist die Einwohnerzahl im Saarland unter die Millionengrenze gesunken. Zuletzt waren es 984.000. Nach Vorausberechnungen könnte die Zahl bis 2060 auf unter 810.000 fallen. Zudem ist das Saarland mit einem Altersschnitt von 46,5 Jahren das älteste westliche Bundesland. Häufige Klage: Die Jungen gehen, die Alten und Kranken bleiben im Saarland zurück.

Um Einnahmeverluste zu begrenzen, empfahl Hauptmann, mehr auf extra-budgetäre Leistungen zu setzen – zum Beispiel offene Sprechstunden anzubieten. Hier seien die Mittel zuletzt längst noch nicht ausgeschöpft worden.

Im August beginnt im Saarland auch wieder die neue Honorarverhandlungsrunde. Hauptmann rechnet damit, dass die Verhandlungen heftiger werden. „Die Inflation muss dieses Mal eine Rolle spielen“, so der KV-Chef. Schließlich forderten auch schon die Krankenhäuser einen „Inflationszuschlag“.

Bei der Honorarverteilung beschlossen die KV-Vertreter, den coronabedingten „Krisenfall-HVM“ auch ins 2. Quartal 2022 zu verlängern. Das sei weiter nötig, so der Merziger Pädiater Dr. Michael Lagemann, „um Arztpraxen einen Ausgleich zu geben, die durch die Pandemie deutlich weniger Patienten und Umsatz haben“.

Weiter investieren will die KV Saarland in die Nachwuchsförderung. So beschloss die Vertreterversammlung, den Lehrstuhl für Allgemeinmedizin an der Universität des Saarlandes weitere fünf Jahre mit jährlich 75.000 Euro zu unterstützen. Auch das „Kompetenzzentrum Weiterbildung“, das sich unter anderem an Weiterbildungsassistenten richtet, wird fürderhin unterstützt.

Geld für Nachwuchsförderung

„Was wir vor zehn Jahren angeschoben haben, fängt jetzt an zu wirken“, freute sich der stellvertretende KV-Vorstandsvorsitzende Dr. Joachim Meiser. 2021 habe es in den saarländischen Praxen und Medizinischen Versorgungszentren 168 Ärzte in Weiterbildung gegeben. „Das ist enorm viel“, so Meiser. „Vor einigen Jahren waren wir noch bei 30 bis 40“. (kin)

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