DKMS

Stammzellbank – Rückgrat für Blutkrebspatienten weltweit

In Dresden will die DKMS die weltgrößte Stammzellspenderdatei auf die Beine stellen. Diese soll nicht nur in einer befürchteten, zweiten Corona-Welle ihre Dienste tun.

Von Matthias WallenfelsMatthias Wallenfels Veröffentlicht: 02.06.2020, 04:03 Uhr
Vorbereitungen zur Kryokonservierung von Stammzellen. DKMS

Vorbereitungen zur Kryokonservierung von Stammzellen. © DKMS

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Dresden. Nicht zuletzt die gegenwärtige COVID-19-Pandemie hat die Vulnerabilität von Krebspatienten in solchen Krisen wieder einmal offengelegt. Die internationale gemeinnützige Organisation DKMS will zumindest die Versorgung von Blutkrebspatienten krisensicher machen.

Durch den Aufbau einer Stammzellbank in Dresden will die Organisation nach eigenem Bekunden ihren Prozess beschleunigen, überschüssige Blutstammzellen von unverwandten Spendern einzufrieren.

Die Neuerung laut DKMS: Ein Stammzellspender kann mit einer Spende zwei Leben retten. Damit stellt sich die Organisation nach eigenen Angaben als weltweit größte Stammzellspenderdatei neuen und zukünftigen Herausforderungen. Bereits in diesem Jahr solle der Betrieb in Dresden aufgenommen werden.

Der Vorteil: In naher Zukunft könnten sich Koordinatoren und Transplantationszentren auch in schwierigen Zeiten auf Blutstammzellspenden mit den gängigsten Genotypen verlassen.

Schnelle Verfügbarkeit im Fokus

Weltweit erhält laut DKMS alle 35 Sekunden ein Mensch die Diagnose Blutkrebs. Viele dieser Patienten könnten ohne eine Stammzellspende nicht überleben. Nur ein Drittel von ihnen finde einen passenden Spender in der eigenen Familie, während die Mehrheit auf einen nicht verwandten Spender angewiesen sei, dessen HLA-Merkmale mit denen des Patienten übereinstimmen.

Für viele Patienten sei die Suche nach einem Spender der Beginn eines Wettlaufs gegen die Zeit. Je schneller ein passender Spender gefunden wird, desto besser sind die Überlebenschancen für den Patienten.

Die Kryokonservierung überschüssiger Blutstammzellen ist, wie die DKMS betont, ein wichtiger Schritt, wenn es um die schnelle Verfügbarkeit geht.

Für Dr. Elke Neujahr, bei DKMS Global CEO, ist die gegenwärtige Pandemiesituation als Auftrag zu verstehen, künftig für solche Krisen gerüstet zu sein.

Kryokonservierung von Blutstammzellen wird wichtiger

„Mit der DKMS-Stammzellbank investieren wir, um auf eine mögliche zweite Welle des Coronavirus und die Herausforderungen im Zusammenhang mit Blutstammzellentnahmen während einer globalen Epidemie oder Krise vorbereitet zu sein“, so Neujahr. Und ergänzt: „Wir tun alles, um solche Hindernisse jetzt und in Zukunft zu überwinden. Ein Team international anerkannter Experten arbeitet fast rund um die Uhr daran, den Aufbau zu beschleunigen.“

In Zeiten, in denen die Coronakrise Spenderzentren und Register wie die Non-Profit-Organisation vor enorme Herausforderungen stelle, gewinne die Kryokonservierung von Blutstammzellen zunehmend an Bedeutung.

„Gegenwärtig ist es einigen Spendern nicht erlaubt oder sie scheuen sich, zu den Entnahmezentren zu reisen, um ihre lebensrettende Blutstammzellspende durchzuführen. Daher planen wir die Aufnahme des Betriebs unserer Stammzellbank, die kryokonservierte periphere Blutstammzellprodukte von nicht verwandten Spendern voraussichtlich bis Ende dieses Jahres herstellen, lagern und auf Anfrage zur Verfügung stellen wird. Auf diese Weise können wir auch in Krisenzeiten wie diesen Blutstammzellen für bedürftige Patienten zur Verfügung stellen“, verdeutlicht Dr. Alexander Schmidt, Chief Medical Officer der DKMS.

Neues Reinraumlabor entsteht

Bevor die Stammzellbank in Betrieb genommen werden könne, müsse auf dem Gelände der heutigen DKMS-Nabelschnurblutbank ein Reinraumlabor eingerichtet werden. Dabei handle es sich um einen „Raum im Raum“, der nahezu frei von luftgetragenen Partikeln sei.

Eine komplexe Technik mit einem Schleusensystem halte dort die Partikelkonzentration sehr niedrig, und ein Überdruck im Labor verhindere das Eindringen von Partikeln von außen. Das Reinraumlabor wird laut DKMS in den leeren Flügel eines Industriegebäudes eingebaut, das bisher für die Herstellung optischer und feinmechanischer Produkte genutzt worden sei.

„Die Bauarbeiten sind im Gange, und wir sind zuversichtlich, dass wir bis Ende 2020 unsere ersten 100 kryokonservierten Stammzellprodukte einlagern können“, erläutert Dr. Alexander Platz, Medizinischer Direktor der DKMS-Nabelschnurblutbank und künftigen DKMS-Stammzellbank.

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