Bremen

Verflixtes siebtes Jahr für städtische Kliniken

Der Klinikverbund „Gesundheit Nord“ rechnet für 2019 für seine Einrichtungen in der Hansestadt Bremen mit einem zweistelligen Millionendefizit.

Veröffentlicht: 09.09.2019, 10:27 Uhr

BREMEN. Vor allem wegen Personalmangels in der Pflege können die vier Bremer städtischen Krankenhäuser des Krankenhausverbundes „Gesundheit Nord“ (GeNo) nach eigenen Angaben immer weniger komplexe und damit Einnahmen-starke Behandlungen abrechnen.

Die Folge: Ende 2019 wird sich der operative Verlust der GeNo voraussichtlich auf mehr als 17 Millionen Euro belaufen, prognostiziert der Klinikverbund.

Erwartet hatte die GeNo nur einen Verlust in Höhe von 5,5 Millionen Euro, wie aus einem Bericht des Bremer „Weser Kuriers“ hervorgeht. GeNo-Sprecherin Karen Matiszick bestätigt die Zahlen auf Nachfrage. „2019 ist seit 2012 das bisher schwärzeste Wirtschaftsjahr“, so Matiszick im Gespräch mit der „Ärzte Zeitung“.

Fachpersonal fehlt

Nach Angaben der Sprecherin sind 40 der rund 3000 Vollzeitstellen in der GeNo-Pflege aktuell nicht besetzt. Besonders bei komplexen Operationen schlage der Schwestern- und Pfleger-Mangel durch, „da man diese Op nicht mehr leisten kann, weil einem das Fachpersonal fehlt“, bilanziert Matiszick.

„In den ersten sieben Monaten des Jahres, also im Zeitraum vom 1. Januar bis zum 31. Juli, hatten wir geplant, rund 73.600 Casemix-Punkte zu erreichen. Tatsächlich aber haben wir nur rund 69.800 Punkte erreicht. Dementsprechend fehlen uns also Erlöse, die wir eingeplant hatten“, räumt sie ein.

Außerdem hätten die Ausfallzeiten des vorhandenen Personals enorm zugenommen. „Es verändert sich etwas insofern, als die Menschen nicht mehr bereit seien, um jeden Preis zur Arbeit zu kommen, auch wenn es viele gibt, die bis an ihre Grenzen gehen“, so Matiszick. Steigen dann die AU-Tage an, steigt auch der Arbeitsdruck auf den Stationen, was wiederum die Zahl AU-Tage weiter nach oben treibt.

„Uns werden schon Sitze angeboten“

Auch bei den Ärzten herrscht Mangel. „Die Situation ist schwierig“, so Matiszick. Die GeNo verzeichnet rund 1000 Vollzeitstellen. 30 davon sind ausgeschrieben. Es fehlen besonders in den spezialisierten Fächern Ärztinnen und Ärzte, etwa in der Anästhesie, hieß es.

Um die Einnahmen zu erhöhen, setzt der Klinikverbund unter anderem auch auf die ambulante Versorgung. „Uns werden schon Sitze angeboten, weil ja auch im niedergelassenen Bereich Ärzte fehlen“, führt Matiszick aus.

Eben erst habe die GeNo zwei fachärztliche Sitze gekauft. Auf einem internen „Pflegegipfel“ in dieser Woche will die GeNo zudem das Problem mit den Pflegenden thematisieren und Auswege aus der Personal-Klemme suchen. „Wir wollen wissen, was wir tun können, damit Pflege bei uns attraktiver wird“, erläutert Matiszick. (cben)

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