Modellprojekt

Ärzte helfen Flüchtlingen in seelischer Not

Ärzte ohne Grenzen bringt seine im Ausland gewonnene Erfahrung nach Deutschland und startet ein Modellprojekt.

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BERLIN. Ärzte ohne Grenzen (MSF) ist erstmals in Deutschland aktiv. Die ansonsten ausschließlich international tätige Hilfsorganisation hat im März in Schweinfurt ein Modellprojekt zur Prävention seelischer Erkrankungen von Flüchtlingen gestartet.

Die "Ambulanz für seelische Gesundheit St. Josef" betreibt MSF gemeinsam mit dem Schweinfurter St. Josef-Krankenhaus. Alle in der nordbayrischen Erstaufnahmeeinrichtung eintreffenden Flüchtlinge erhielten niedrigschwellig ein Angebot für ein etwa einstündiges Eingangsgespräch. Hauptzielgruppe sind Asylsuchende aus den Konfliktgebieten im Nahen Osten und Afrika, berichtete Projektleiterin Dr. Henrike Zellmann am Freitag in Berlin. In der Folge könnten sich bei Interesse drei 90-minütige Gruppensitzungen anschließen. In Schweinfurt seien im März 31 Erstgespräche geführt worden.

Neu ist laut Auskunft von Vertretern von MSF, dass psychosoziale Berater aus den Krisengebieten selbst auf die Neuankömmlinge zugehen, um ihr Vertrauen zu gewinnen und möglichen Therapiebedarf in der Regelversorgung abzuklopfen. In Schweinfurt sind Berater aus Syrien, Somalia und dem Iran im Einsatz. Erprobt hat MSF das Verfahren bereits im Flüchtlingslager Domiz im Nordirak. Im Juli soll das Projekt in Schweinfurt an das St. Josef-Krankenhaus übergeben werden, das jetzt schon die psychosozialen Berater fest angestellt hat.

Zellmann kündigte an, dass die in Bayern gewonnenen Erfahrungen an Runden Tischen an weitere Einrichtungen in Deutschland weitergegeben werden sollen. Ende des Jahres will MSF auf einer Konferenz in Berlin über das Projekt berichten. Die Ärzteorganisation betont, sich ab sofort noch stärker mit den niedergelassenen Psychiatern vernetzen zu wollen. (af)

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