Am Ende der Halbzeit ist das Verletzungsrisiko groß

FRANKFURT/MAIN. Fußball ist mit geschätzten 240 Millionen Freizeit- und etwa 200 000 Berufskickern die beliebteste Sportart der Welt. Als Kontaktsport mit komplexen Bewegungsabläufen wie schnellem Antritt, abrupten Stopps und jähen Drehungen und Wendungen zählt Fußball jedoch auch zu den verletzungsträchtigsten Sportarten. Allein in Deutschland verzeichnet man etwa 350  000 Verletzungen durch Fußball pro Jahr und damit so viele Verletzungen wie in keiner anderen Sportart.

Von Pete Smith Veröffentlicht:

Gefährlich: Lukas Podolski (links) wird beim EM-Spiel in Klagenfurt von einem polnischen Verteidiger getroffen. Foto. dpa

Die Berufsspieler sind dabei deutlich gefährdeter als die Hobbykicker. Erhebungen der Gesellschaft für orthopädisch-traumatologische Sportmedizin (GOTS) zufolge erleiden in jeder Saison 20 bis 25 Prozent der Fußballer einer Profimannschaft (vier bis acht Profis) Verletzungen, die sie zu einer Wettkampfpause von einem Monat oder länger zwingen.

Fatal ist, dass mit jeder Verletzung das Risiko einer weiteren Verletzung rasant steigt. Mehr als die Hälfte aller Verletzungen mit Zwangspause sind Folge eines Foulspiels. Die meisten Verletzungen ereignen sich zwischen der 31. und 45. sowie zwischen der 76. und 90. Spielminute, also jeweils zum Ende einer Halbzeit. Am häufigsten betroffen ist die untere Extremität, vor allem das Knie und das Sprunggelenk. Absolut steht die Oberschenkelverletzung mit 23 Prozent vor der Sprunggelenksverletzung (17 Prozent) und der Knieverletzung (16 Prozent). Verletzungen des Unterschenkels, der Leiste und der Hand folgen mit 14, elf und zehn Prozent. Die häufigsten Verletzungsarten sind Umknicktraumen, Zerrungen und Prellungen. Daneben gewinnt aber auch die Überlastungsverletzung im Profifußball eine zunehmende Bedeutung.

Viele Fußballprofis haben Probleme mit ihren Knie. So mussten sich innerhalb eines Jahres nach der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 sieben deutsche WM-Spieler am Knie operieren lassen, Marcell Jansen, Per Mertesacker, Christoph Metzelder und Jens Nowotny am Meniskus, Sebastian Kehl nach tiefer Risswunde, David Odonkor nach Knochenabsplitterung und Lukas Podolski aufgrund eines Knorpelschadens. Am meisten fürchten Profis eine Ruptur des vorderen Kreuzbandes, nach der sie bis zu einem Jahr pausieren müssen. Bei einer erneuten Verletzung dieser Art ist das Ende der Profikarriere meist unausweichlich.

Das Sprunggelenk ist das bei Fußballern am häufigsten traumatisierte Gelenk. Oft sind die Außenbänder betroffen, viel seltener die medialen Ligamente. Eine Sprunggelenksverletzung erfolgt meistens im Zweikampf mit einem Gegenspieler. Michael Ballack, Kapitän der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, und Mike Hanke mussten sich in der Saison 2006/2007 aufgrund einer solchen Verletzung operieren lassen, ebenfalls mit Problemen am Sprunggelenk hatte Robert Huth zu kämpfen. Auch Schmerzen in der Leiste sind im Profifußball ein auffallendes Problem, wobei die Ursache oft auch auf Verletzungen anderer Körperregionen zurückgeführt werden kann.

Häufig ist der Leistenschmerz aufgrund einer Zerrung der Adduktoren, aber auch ein Leistenbruch muss bei entsprechenden Schmerzen immer von den betreuenden Ärzten in Betracht gezogen werden. In der jüngeren Vergangenheit mussten sich Nationalspieler wie Tim Borowski und Oliver Neuville einer Leisten-Operation unterziehen.

Seit einigen Jahren beobachten Sportmediziner schließlich auch einen drastischen Anstieg von Mittelfußdistorsionen unter Profifußballern. Als Ursachen werden die athletischere Spielweise sowie die zunehmend flexibler gestalteten Schuhe genannt, die zugunsten der Passform auf stabilisierende Elemente im Mittelfußbereich verzichten.

Die Belastungen im Profifußball haben im Laufe der vergangenen zehn Jahre enorm zugenommen. 160 Sprints absolviert ein Fußballprofi durchschnittlich pro Spiel, ein Anstieg von 30 Prozent innerhalb einer Dekade. In jeder Partie wechselt ein Fußballer etwa alle vier bis sechs Sekunden die Richtung, das sind 1000 bis 1400 Richtungswechsel pro Spiel. Dadurch werden Gelenke, Bänder, Muskeln und deren Steuerungsmechanismen extrem belastet. Prävention ist daher oberstes Gebot, um Verletzungen zu verhindern. Hier müssen Sportmediziner, Physiotherapeuten und Fitnesstrainer eng zusammen arbeiten, wie das im deutschen Team seit vielen Jahren praktiziert wird.

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