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Glosse zu Penis-Studie

Das Überleben der Schrillsten

Alexander JoppichVon Alexander Joppich Veröffentlicht:

Wir Journalisten fahren total auf Penisse ab – Entschuldigung für die Wortwahl, aber es ist wahr: Auf Studien, in denen das Wort vorkommt, springen wir einfach magisch an. Denn Journalisten wissen: Klickgaranten sind alle Themen rund um Sex, Crimes und Tiere (Reihenfolge rein zufällig – und keine Verbindung zueinander!); es sind die Blockbuster in der Welt des Online-Journalismus.

Oh, grausame Welt! Eine Welt, in der jeder um Aufmerksamkeit buhlt im knall harten Wettbewerb mit journalistischen Kollegen; nur die pointiertesten Überschriften ziehen User an – das Überleben der Schrillsten, frei nach Darwin.

Das führt dazu, dass Redakteure versuchen, möglichst knackige Überschriften zu kreieren, die Leser neugierig machen. Ein Beispiel aus jüngster Zeit: Dr. Austen Slade von der University of Utah beschwerte sich kürzlich laut Medscape, dass seine Studie über eine mögliche Assoziation von Penisgröße und Unfruchtbarkeit medial missinterpretiert wurde: "Männer mit kleinem Penis sind häufiger unfruchtbar" oder "Es kommt doch auf die Größe an!", titelten zum Beispiel deutsche Medien.

Dabei fanden Slade und sein Team lediglich heraus, dass unfruchtbare Männer im Durchschnitt einen kürzeren Penis hatten als ihre gesunden Geschlechtsgenossen – und eben nicht, dass Männer mit kurzem Gemächt häufiger unfruchtbar sind.

Zugegeben, vielleicht lasen einige Kollegen aus der Studie heraus, was sie lesen wollten. Bleibt nur zu sagen: Sorry, Dr. Slade, da sind mit manchem Redakteur wohl die Pferde durchgegangen! Aber, ganz ehrlich, die erste These wäre doch die interessantere zum Anklicken gewesen als die fachlich korrekte zweite, oder?

So, und wie betitele ich jetzt meine Kritik an sensationsheischenden Überschriften? "Journalisten kriegen Penisstudie in den falschen Hals!" – Perfekt, das würde doch sicherlich super geklickt werden...

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