Direkt zum Inhaltsbereich

Ruth Pfau

Engel von Karachi wird 85

Seit mehr als einem halben Jahrhundert kämpft Ruth Pfau in Pakistan gegen die Lepra. Die Lebensgeschichte der Nonne und Ärztin ist abenteuerlich. Ihre Lebensaufgabe fand sie durch einen Zufall.

Veröffentlicht:
Wird 85 Jahre alt: Ruth Pfau.

Wird 85 Jahre alt: Ruth Pfau.

© dpa

KARACHI/WÜRZBURG. Eigentlich war Karachi für Ruth Pfau nur eine Durchgangsstation, wo die junge Ärztin und Nonne auf ihr Visum für Indien warten sollte. Doch dann stand sie 1960 dem Elend der Lepra-Kranken in der pakistanischen Hafenstadt gegenüber.

"Man wurde nicht behandelt, man endete schließlich verkrüppelt, verstümmelt, entstellt auf den Straßen einer unbarmherzigen Großstadt als Bettler und in diesem unvorstellbaren Lepra-Ghetto", heißt es in einem ihrer Bücher.

"Mutter Teresa von Pakistan"

Die Medizinerin blieb - und sie wurde zu einer Vorreiterin im Kampf gegen die Infektionskrankheit. Sie gilt als "Engel von Karachi" und "Mutter Teresa von Pakistan".

Noch heute kümmert sie sich um Patienten, kämpft gegen Lepra, Tuberkulose und Blindheit. Am heutigen Dienstag wird Ruth Pfau 85 Jahre alt.

"Sie ist meine Heldin in der Wirklichkeit, es gibt kaum eine größere", würdigte Cap-Anamur-Gründer Rupert Neudeck die Frau mit der abenteuerlichen Biografie einmal.

"Sie hat Hunderttausenden Menschen schweres Leid und vielen Menschen den Tod erspart", sagt Burkard Kömm, Geschäftsführer der Deutschen Lepra- und Tuberkulosehilfe DAHW.

Die Organisation mit Sitz in Würzburg hat Pfaus Arbeit fast von Anfang an finanziell unterstützt.

Engagement als Ordensfrau

Ruth Pfau wurde 1929 in Leipzig geboren. Während ihres Medizinstudiums fand sie zum Glauben und trat schließlich den "Töchtern vom Herzen Mariä" bei.

"Wenn ich nicht Ordensfrau gewesen wäre, wäre es schwieriger gewesen, mit dieser ganzen Frustration umzugehen", sagt sie der Deutschen Presse-Agentur am Telefon. "Deshalb bin ich noch am Leben."

Die Lepra-Kranken waren damals in Pakistan Ausgestoßene, um die sich niemand kümmerte, die in der offiziellen Statistik gar nicht existierten. In einer Bretterbude im Slum behandelte die junge Ärztin ihre Patienten.

Mit finanzieller Hilfe aus Europa baute sie ein Lepra-Krankenhaus, das zur Keimzelle des nationalen Lepra-Programms wurde. Seit 1996 ist die Infektionskrankheit in Pakistan unter Kontrolle.

Bambi und Bundesverdienstkreuz

An Anerkennung für die Arbeit der engagierten Nonne mangelt es nicht: In Deutschland erhielt sie unter anderem das Bundesverdienstkreuz und den Fernsehpreis Bambi.

Pakistan verlieh Pfau die Ehrenbürgerschaft, die Politiker erkannten ihre herausragende Qualifikation und Bedeutung für das Land. 1980 wurde sie dort zur nationalen Beraterin im Rang einer Staatssekretärin für das Lepra- und Tuberkulose-Kontrollprogramm für die pakistanische Regierung ernannt.

Im gleichen Jahr reiste sie erstmals nach Afghanistan, um dort den Aufbau eines Gesundheitsdienstes zu unterstützen.

Erst vor wenigen Monaten war sie wieder in Pakistan zu Besuch. Beim Philosophie-Festival "Phil.Cologne" beispielsweise berichtete sie danach von der Freude am Helfen, die ihr so unendlich viel Lebenskraft gibt.

"In Einfachheit, Natürlichkeit fordert sie die Leute auf, nicht wegzusehen", betont Burkard Kömm. Das sei wirklich "beeindruckend".

"Ich habe das gemacht, was nötig war", sagt die Frau mit dem schlohweißen Haar nüchtern. Ihr Lebenswerk sieht Pfau bei ihrem Team vor Ort in guten Händen, für den Tag, wenn sie irgendwann nicht mehr selbst mitarbeiten könne.

Was sie sich zu ihrem 85. wünscht? "So viele Patienten ich habe, so viele Wünsche habe ich." (dpa)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Glasglobus und Stethoskop, eingebettet in grünes Laub, als Symbol für Umweltgesundheit und ökologisch-medizinisches Bewusstsein

© AspctStyle / Generiert mit KI / stock.adobe.com

Klimawandel und Gesundheitswesen

Klimaschutz und Gesundheit: Herausforderungen und Lösungen

Kooperation | In Kooperation mit: Frankfurter Forum
Ein MRT verbraucht viel Energie, auch die Datenspeicherung ist energieintensiv.

© Marijan Murat / dpa / picture alliance

Klimawandel und Gesundheitswesen

Forderungen nach Verhaltensänderungen und Verhältnisprävention

Kooperation | In Kooperation mit: Frankfurter Forum
Ein Dialogforum von Fachleuten aus Gesellschaft, Gesundheitspolitik und Wissenschaft

© Frankfurter Forum für gesellschafts- und gesundheitspolitische Grundsatzfragen e. V.

Das Frankfurter Forum stellt sich vor

Ein Dialogforum von Fachleuten aus Gesellschaft, Gesundheitspolitik und Wissenschaft

Kooperation | In Kooperation mit: Frankfurter Forum
Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

© EAU

Ergänzung EAU-Leitlinie 2026

Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Therapie bei unkomplizierter Zystitis

© Dr_Microbe | Adobe Stock

Evidenz, Resistenz & Wirksamkeit

Therapie bei unkomplizierter Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: MS-Krankheitsdynamik: Patientinnen und Patienten bewegen sich von frühen Stadien über Phasen fokaler Entzündung in fortgeschrittene, meist irreversible Stadien

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [4]

Multiple Sklerose heute

Praxisrelevante Daten im Fokus

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novartis Pharma GmbH, Nürnberg
Abb. 1: Impfstoffeffektivität gegen Post COVID-Beschwerden

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [14]

Jährliche COVID-19-Impfung

Empfohlen für ein breites Risikokollektiv

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: BioNTech Europe GmbH, Mainz
Abb. 1: Pharmakokinetik von Rezafungin bei einer Dosierung von 400mg, gefolgt von 200mg einmal wöchentlich

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [10]

Invasive Candida-Infektionen

Modernes Echinocandin – optimierte Eigenschaften und klinische Vorteile

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Mundipharma Deutschland GmbH & Co. KG, Frankfurt/Main
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Besser als Atemtherapie?

Supragastrisches Aufstoßen lässt sich mit Gesang vertreiben

Lesetipps
Koloskopie, Blick auf den Monitor

© Issara - stock.adobe.com

Anstoß zur Diskussion

Darmkrebs: Ist die koloskopische Überwachung falsch aufgestellt?

Ein Arzt zählt mit den Fingern bis Drei.

© Arnéll Koegelenberg/peopleimages.com/stock.adobe.com

Regionaler Multimorbiditäts-Vergleich

Wo es relativ viele Ü-50-Jährige mit drei oder mehr chronischen Erkrankungen gibt