Erdbeben in Chile - Caritas fürchtet Spendenmüdigkeit

FREIBURG (dpa). Nach der umfangreichen Hilfe für das zerstörte Haiti rechnet das Hilfswerk Caritas international mit deutlich weniger Spenden für das von einem Erdbeben heimgesuchten Chile.

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"Ich befürchte, dass da nicht so viel Geld zusammenkommen wird", sagte der deutsche Sprecher der Organisation, Oliver Müller, in einem Gespräch mit der Deutschen PresseAgentur. Spenden seien nach Katastrophen wie in Haiti oder Chile "abhängig von der nachrichtlichen Großwetterlage". Neben Haiti habe in den vergangenen beiden Tagen auch das Orkantief "Xynthia" die Schlagzeilen beherrscht. "Ein solches Ereignis lenkt ab und sorgt dafür, dass ein Thema wie Chile in den Nachrichten nicht an erster Stelle, sondern erst später landet", sagte Müller. Für Haiti waren bei der katholischen Hilfsorganisation mehr als zwölf Millionen Euro Spenden gesammelt worden.

Einfluss auf die Spendenbereitschaft habe nach Einschätzung des Sprechers auch die humanitäre Not am Ort, die in Haiti zwar erheblich größer gewesen sei. "Aber wir dürfen auch die Lage in Chile nicht unterschätzen." Er hoffe auf einen starken emotionalen Zugang auch für Südamerika, sagte Müller. "Bei Spenden wird nicht immer rational abgeglichen. Es kamen zum Beispiel nach dem US-Hurrikan "Katrina" im August 2005 etwa 400 000 Euro an Spenden zusammen - und dass, obwohl wir nicht dazu aufgerufen hatten."

Für Chile halte das Hilfswerk dagegen einen solchen Aufruf für angemessen, hieß es. Außerdem wurden nach Angaben von Caritas international zunächst 50 000 Euro Soforthilfe zur Verfügung gestellt. Es seien bereits erste Hilfstrupps unterwegs.

Unterdessen hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Chile nach der Erdbeben-Katastrophe deutsche Hilfe beim Wiederaufbau zugesagt. In einem Telefonat mit der chilenischen Präsidentin Michèle Bachelet stellte Merkel auch über die Nothilfe hinaus Unterstützung in Aussicht. Im Auswärtigen Amt wurde nach dem Beben mit mehr als 700 Toten ein Krisenstab eingerichtet.

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