30 Jahre Ärzte Zeitung

Haiti - erst das Beben, dann die Cholera

Gegen Naturgewalten kann der Mensch nichts ausrichten: Anfang Januar 2010 bebt in Haiti die Erde - eine Katastrophe mit ungeahnten Ausmaßen. Internationale Helfer schleppen im Oktober die Cholera ein.

Veröffentlicht:
Eine Frau wird unter freiem Himmel operiert. Schon vor dem Beben gab es kein funktionierendes Gesundheitssystem.

Eine Frau wird unter freiem Himmel operiert. Schon vor dem Beben gab es kein funktionierendes Gesundheitssystem.

© dpa

13. Januar 2010. Die Erde bebt und stürzt einen politisch instabilen Staat ins Chaos: Der Karibikstaat Haiti wird am 13. Januar von einem Erdbeben der Stärke 7,0 erschüttert, das wohl stärkste Beben seit 200 Jahren in der Region.

Das Epizentrum liegt in der Nähe der Hauptstadt Port-au-Prince. Auch zahlreiche Nachbeben erschüttern die Region in den kommenden Tagen und Wochen.

Nicht nur Berghänge in Slums sind betroffen, auch robust gebaute Gebäude wie Kathedralen oder der Präsidentenpalast sind zerstört.

Die internationale Hilfswelle für die Überlebenden der Katastrophe läuft nach einigen Tagen an. Da auch der Flughafen zerstört ist, wird es kompliziert, die Hilfslieferungen nach Haiti zu transportieren. Schnell ist der Airport überlastet.

Kein funktionierendes Gesundheitssystem

Mit der Hilfe kommen auch die Medienvertreter ins Land und die Weltöffentlichkeit sieht das ganze Ausmaß der Katastrophe: Rund 200.000 Menschen sollen nach ersten Schätzungen gestorben sein, rund 70.000 Leichen seien in den ersten Tagen geborgen worden, berichtet Ministerpräsident Jean-Max Bellerive eine Woche nach dem Beben.

Wie viele Menschen wirklich gestorben sind, wird nie festgestellt werden können - dafür ist auch die politische Lage im Land zu unübersichtlich. Schon vor dem Beben gab es in Haiti kaum belastbare politische Strukturen oder ein halbwegs funktionierendes Gesundheitswesen.

Von den Ärzten, die von Hilfsorganisationen aus aller Welt eingeflogen werden, ist vor allem chirurgische Kompetenz gefragt, denn Knochenbrüche, Abschürfungen und Kopfverletzungen sind die Hauptkrankheitsbilder.

Auch Tage nach dem Beben irren Tausende Menschen noch immer durch die Trümmer, viele warten seit Tagen auf medizinische Erstversorgung. Die Notfallzentren sind überfüllt. Auch deutsche Organisationen und einzelne Ärzte beteiligten sich am Hilfseinsatz.

Das DRK schickte ein mobiles Krankenhaus auf die Reise, das die medizinische Versorgung für rund 30.000 Menschen übernehmen kann. Nach DRK-Angaben kann es täglich bis zu 700 Patienten ambulant versorgen und hat rund 120 stationäre Betten.

Zeitweise hat das Rote Kreuz 500 internationalen Katastrophenexperten in Haiti im Einsatz, die auch die Menschen vor Ort medizinisch fortbilden.

Die Katastrophe nach dem Beben: Cholera bricht aus

Die Helfer aus aller Welt bringen - ungewollt -  die nächste Katastrophe in das zerstörte Land: die Cholera. Im Oktober 2010 bricht die Seuche in Zentralhaiti aus und verbreitet sich rasch über das ganze Land.

Mehr als 500.000 Menschen erkranken und über 7000 sterben in den kommenden Monaten daran. UN-Soldaten, die als Helfer ins Land kamen, sollen die Seuche eingeschleppt haben. Der Erregerstamm war bisher nur aus Asien bekannt und ist besonders infektiös.

Die Befürchtung von Hilfsorganisationen wird auch bei dieser Katastrophe eintreten: Nach den ersten Wochen der Berichterstattung zieht die mediale Karawane weiter.

Doch der Staatsaufbau läuft schleppend, und weil Trinkwasser weiter nicht gut genug aufbereitet werden kann, breitet sich die Cholera weiter aus.

Kommentare
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Jetzt anmelden »Kostenlos registrieren »

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

» kostenlos und direkt in Ihr Postfach

Am Morgen: Ihr individueller Themenmix

Zum Feierabend: das tagesaktuelle Telegramm

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Handschlag mit sich selbst: Im MVZ können sich die Gesellschafter-Geschäftsführer selbst anstellen, so das BSG.

© Lagunov / stock.adobe.com

Bundessozialgericht

Selbsteinstellung im MVZ? Unter bestimmten Voraussetzungen möglich

Die meisten Behandlungsfehler passieren im stationären Bereich. Das lässt eine nicht repräsentative Analyse des Medizinischer Dienst Bundes vermuten. 

© Blue Planet Studio / stock.adobe.com

Behandlungsfehler-Statistik

MD-Bund: „Never Events“ endlich verpflichtend melden!

Schlafstörung? Da greifen viele Patienten eigenständig zu Melatonin. (Symbolbild mit Fotomodellen)

© Yakobchuk Olena / stock.adobe.com

Gastbeitrag

Schlafstörungen: Vorsicht vor unkritischem Melatonin-Einsatz