Gesellschaft

Hilfe für Mütter in der Krise - ein erfolgreiches Konzept

Sie sind suchtkrank oder seit ihrer Kindheit traumatisiert: Mit professioneller Hilfe können diese Mütter dennoch eine liebevolle Beziehung zu ihren Babys aufbauen.

Von Pete Smith Veröffentlicht: 23.08.2011, 05:00 Uhr
Hilfe für Mütter in der Krise - ein erfolgreiches Konzept

So kleine Füße: Babys brauchen Zuwendung.

© Reicher / Fotolia.com

FRANKFURT/MAIN . Mit einer frühzeitigen, intensiven Unterstützung durch Experten können auch suchtkranke oder traumatisierte Mütter eine enge und liebevolle Beziehung zu ihrem Kleinkind aufbauen. Das ist das Ergebnis einer Studie des Nationalen Zentrums Frühe Hilfen (NZFH), die im Zuge des Aktionsprogramms "Frühe Hilfen für Eltern und Kinder und soziale Frühwarnsysteme" des Bundesfamilienministeriums vorgelegt worden ist.

Eine Forschungsgruppe unter der Leitung von Professor Gerhard Suess, Mitarbeiter des Departments Soziale Arbeit an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) in Hamburg, hatte junge Mütter in schwierigen sozialen Situationen (suchtkranke, in der Kindheit traumatisierte, sozial isolierte oder finanziell notleidende Mütter) ein Jahr lang begleitet.

Eine Gruppe von Müttern erhielt ein wöchentliches, videogestütztes Training, bei dem unter Anleitung einer speziell geschulten Beraterin erzieherische Basiskompetenzen eingeübt wurden, insbesondere Feinfühligkeit bei der Wahrnehmung der Bedürfnisse des Kindes und angemessene Reaktionen auf die kindlichen Signale. Daneben gab es eine Kontrollgruppe ohne entsprechende Betreuung.

Sichere Bindung zur Mutter aufbauen

Nach einem Jahr intensiver Betreuung von Mutter und Kind konnten fast drei Viertel der Babys eine sichere Bindung zu ihrer Mutter entwickeln. In der Kontrollgruppe ohne Betreuung waren es nur 45 Prozent.

Bei 40 Prozent der Kontrollgruppenkinder im Alter von zwei Jahren beobachteten die Forscher sogar ein alarmierendes Verhalten, das darauf hindeutete, dass die Kinder überhaupt keine Bindung zu ihren Müttern hatten. In der Interventionsgruppe zeigten nur 13 Prozent der Kleinkinder ähnlich schwerwiegende Symptome.

"Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass frühe Hilfen wirken", sagte Professor Elisabeth Pott, Direktorin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung in Köln, wo das NZFH seinen Sitz hat. "Eine sichere Eltern-Kind-Bindung ist der Schlüssel für eine gesunde Entwicklung."

Professor Thomas Rauschenbach, Direktor und Vorstandschef des Deutschen Jugendinstituts, nannte die Ergebnisse der Studie "bemerkenswert" und fügte hinzu: "Nun geht es darum, solche erfolgreichen Modellansätze in die Regelversorgung zu überführen."

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