Gesellschaft

Keine Chance für Fachchinesisch

Das "Büro für Leichte Sprache Osnabrück" übersetzt Schreiben aller Art in verständliches Deutsch - und hilft damit Behinderten, alten Menschen und Migranten.

Von Marie-Luise Braun Veröffentlicht:
Das Wörterbuch: ein Basiswerk im "Büro für Leichte Sprache".

Das Wörterbuch: ein Basiswerk im "Büro für Leichte Sprache".

© Gentsch / dpa

OSNABRÜCK. "Jeder Mensch ist wichtig und wertvoll. Man muss jeden Menschen achten." Das sind zwei dieser griffigen Sätze des "Büros für Leichte Sprache Osnabrück".

Die Mitarbeiter möchten Texte frei von "Fachchinesisch" und Fremdwörtern erstellen, die für alle verständlich sind. Mit ihrem Angebot wenden sie sich vor allem an Menschen mit Behinderungen, alte Leute und Migranten.

Ursprünglich lautete der Satz weniger konkret: "Jeder Mensch hat Anspruch auf Achtung und Menschenwürde." Er stammt aus einem Papier der Diakonie Niedersachsen, das sich an Behinderte wendet.

Die Diakonie hatte das "Büro für Leichte Sprache" der Osnabrücker Werkstätten mit der Übersetzung beauftragt.

Thorsten Lotze, der Leiter des Büros, erläutert, wie seine Kollegen vorgehen. "Zunächst erfassen sie den Kern eines Textes", sagt der Sozialpädagoge.

Dann übersetzen ihn die Mitarbeiter in leichte Sprache, indem sie nach verständlichen Begriffen und einfachen Umschreibungen für Schwerverständliches suchen.

Alle Dinge gehen alle etwas an

Der übersetzte Text wird dann von allen zehn Mitarbeitern gelesen, zusätzlich wird er an drei externe Prüfer geschickt. Hinterher wird er im Kollegenkreis durchgesprochen, mit Bildern und Piktogrammen ergänzt, und das Layout - beispielsweise eine besondere Schriftgröße - wird abgestimmt.

Die Spezialisten für leichte Sprache haben selbst unterschiedliche Behinderungen und Fähigkeiten, und prüfen Texte jeweils aus ihrer Perspektive. "So können wir eine qualitativ hochwertige Übersetzung zusichern", sagt Lotze.

Seine Kollegen waren zuvor bei einer Behinderteneinrichtung in Osnabrück tätig. Nach ihrer Bewerbung beim "Büro für Leichte Sprache" sind sie in einer Schulung für die neue Aufgabe ausgebildet worden.

Sie übersetzen Stadtführer, Faltblätter von Museen aber auch Internetseiten und weitere Texte. Texte in leichter Sprache sind an einem blauen Piktogramm zu erkennen, auf dem ein Kopf, eine Zeitung und ein gezückter Daumen zu sehen sind.

"Alle Dinge gehen alle Menschen etwas an", sagt Christel Wachtel. Sie sitzt im Rat der Stadt Osnabrück und hat das Kommunalwahlprogramm der SPD in leichte Sprache übersetzen lassen.

Einführung in die leichte Sprache

Während des Wahlkampfs im Sommer hat sie die Broschüre verteilt. "Das kam bei den jeweiligen Gruppen sehr gut an. Das machen wir auf jeden Fall wieder", betont sie.

Von der Idee, alle Papiere in leichter Sprache zu verfassen, ist sie aber nicht überzeugt. "Das wäre für die meisten zu einfach und würde vielleicht auch nicht ernst genommen."

Angesiedelt ist das "Büro für Leichte Sprache" an der Hochschule Osnabrück - das ist in der Form einmalig in Deutschland, bei bundesweit 15 Büros.

In Osnabrück arbeiten die Spezialisten nicht nur an der Barrierefreiheit innerhalb der Hochschule mit - sie führen auch Studierende von Fächern wie Soziale Arbeit in die leichte Sprache ein. Diese wiederum erhalten im Büro Aufgaben für ihre Bachelor-Arbeit, Praxissemester und Projekte.

Derzeit ist ein Handbuch zu leichter Sprache geplant, das mit Studierenden erarbeitet werden soll. Doch die Fertigstellung wird wohl noch etwas dauern. Lotze sagt: "Wir haben eine gute Auftragslage." (dpa)

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