Gesunde Ernährung

Klöckner: Strategie der Zucker- und Salzreduktion wirkt

Weniger Salz in verpacktem Brot, weniger Zucker im Müsli-Riegel mit Schokolade: Bundesernährungsminister Julia Klöckner sieht die Reduktionsstrategie auf gutem Weg – und verweist auf neue Produktuntersuchungen.

Thomas HommelVon Thomas Hommel Veröffentlicht: | aktualisiert:
Sieht fettig, salzig und zuckrig aus, könnte aber schon weniger davon enthalten als früher. Das legt zumindest die Zwischenbilanz zur nationalen Zuckerreduktionsstrategie nahe.

Sieht fettig, salzig und zuckrig aus, könnte aber schon weniger davon enthalten als früher. Das legt zumindest die Zwischenbilanz zur nationalen Zuckerreduktionsstrategie nahe.

© luiscarceller / stock.adobe.com

Berlin. Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) setzt bei der Reduktion von Zucker, Fetten und Salzen in Lebensmitteln weiter auf die Selbstverpflichtung der Industrie. Dort, wo es hake, solle nachgebessert, „gegebenenfalls auch reguliert werden“, sagte Klöckner bei der Vorstellung einer aktuellen Untersuchung des Max-Rubner-Instituts (MRI) am Mittwoch in Berlin.

Im Mittelpunkt des „Produktmonitorings“ des MRI stehen Energie- und Nährstoffgehalte unter anderem von verpacktem Brot und Kleingebäck, eingeschweißten Wurstwaren und weiteren Fleischerzeugnissen sowie Quetschprodukten – also pürierten Lebensmitteln, die sich aus Kunststoffbeuteln saugen lassen. Insgesamt wurden knapp 5000 Produkte ausgewertet.

Im Vergleich zu einer Ausgangserhebung aus dem Jahr 2016 enthält demnach verpacktes Brot und Kleingebäck nunmehr im Schnitt vier Prozent weniger Salz. Bei Toastbrot sind es 8,3 Prozent weniger Salz. Müsli-Riegel mit Schokolade enthalten nun knapp elf Prozent weniger Zucker. Bei Snack-Salami sank der Salzgehalt im Schnitt um 10,6 Prozent, bei vorgegarten Frikadellen um 15 Prozent.

Quetschprodukte mit Zuckerzusatz

Die erstmals vom MRI unter die Lupe genommenen Quetschprodukte weisen mit durchschnittlich 10,4 Gramm Zucker je 100 Gramm ähnliche Zuckergehalte auf wie Fruchtsäfte. Gut zehn Prozent der Quetschprodukte enthalten zugesetzten Zucker in Form von Haushalts- oder Traubenzucker oder die süßenden Zutaten Agavensirup und Süßmolkenpulver. Kinderärzte hatten zuletzt darauf gedrungen, die bei Kindern beliebten „Quetschies“ genauer zu analysieren.

Mit der Nationalen Reduktions- und Innovationsstrategie sorge die Bundesregierung dafür, dass die Gehalte von Zucker, Fetten und Salz in Fertigprodukten „deutlich“ reduziert würden, betonte Klöckner. „Die Strategie wirkt.“

Das hätten bereits erste Ergebnisse des MRI-Monitorings im vergangenen Jahr gezeigt: So seien bei Joghurts für Kinder 20 Prozent Zucker reduziert, bei Frühstückscerealien für Kinder fast 15 Prozent, bei Erfrischungsgetränken für Kinder 35 Prozent worden.

Nutri-Score zusätzlicher Anreiz

Mit dem Nutri-Score gebe es einen weiteren Anreiz für Hersteller, Zucker, Fette und Salz in Lebensmitteln zu reduzieren und eine günstigere Bewertung zu erreichen. „Mit unseren beiden ineinandergreifenden Maßnahmen – Reduktionsstrategie und Nutri-Score – unterstützen wir die Verbraucher dabei, beim Einkauf eine gesündere Wahl zu treffen“, zeigte sich Klöckner überzeugt.

Dennoch seien einige Ergebnisse „nicht zufriedenstellend“, so die Ministerin. Zucker etwa habe in Quetschprodukten nichts zu suchen. Sie wolle sich daher auf europäischer Ebene für ein Verbot von Zuckerzusätzen in solcher Beikost starkmachen. Zudem werde es eine „engmaschige Erfolgskontrolle“ dieser und weiterer Produkte geben.

Ernährungsmuster entscheidend

Der Präsident des Max-Rubner-Instituts, Professor Pablo Steinberg, sagte, es sei erfreulich, dass das „Produktmonitoring“ immer mehr Produkte aus der gesamten Palette der Lebensmittel erfasse. Entscheidend für eine gesunde Ernährung sei nicht der Verzehr einzelner Lebensmittel, „sondern das Ernährungsmuster – also das, was wir insgesamt an Lebensmitteln im Alltag zu uns nehmen“.

Kinderärzte, Diabetologen und Krankenkassen fordern seit geraumer Zeit verbindlichere Schritte zur Reduktion insbesondere von Zucker in Kinderprodukten. Überfällig sei eine Sondersteuer etwa für stark gesüßte Limonaden – Länder wie Großbritannien oder Mexiko machten damit gute Erfahrungen.

Grüne: Trippelschritte reichen nicht aus

Scharfe Kritik an Klöckner übte die ernährungspolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Renate Künast. „Es ist fast schon zynisch, wie Bundesministerin Klöckner das Schneckentempo der Lebensmittelwirtschaft bei der Reduktion von Zucker, Salz und Fett in Fertiglebensmitteln als ihren Erfolg bejubelt“, sagte Künast am Mittwoch.

In Trippelschritten komme man dem Problem der Fehlernährung aber „auf keinen Fall“ bei, betonte Künast. Mehr als 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland seien übergewichtig. Bei den Erwachsenen seien es bereits zwei Drittel der Männer und die Hälfte der Frauen. Sie alle trügen ein hohes Risiko für Folgeerkrankungen.

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