Gesunde Ernährung

DANK kritisiert Ernährungsbericht der Regierung

Der insgesamt eher positiv formulierte Ernährungsbericht der Bundesregierung lobt unter anderem die Reduktionsstrategie. Die Allianz Nichtübertragbarer Krankheiten erkennt in ihr einen „Grundfehler“.

Von Margarethe UrbanekMargarethe Urbanek Veröffentlicht:
Die Wahl zwischen Engelchen und Teufelchen soll Verbrauchern beim Lebensmittelkonsum künftig leichter fallen

Die Wahl zwischen Engelchen und Teufelchen soll Verbrauchern beim Lebensmittelkonsum künftig leichter fallen, betont Bundesernährungsministerin Julia Klöckner. Die Maßnahmen dafür gehen vielen jedoch nicht weit genug.

© blackred / Getty Images / iStock

Berlin. Verbraucherinnen und Verbraucher berücksichtigen beim Konsum von Lebensmitteln zunehmend, welche Auswirkungen diese auf ihre Gesundheit haben. Das geht aus dem Ernährungspolitischen Bericht hervor, den Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) am Donnerstag im Bundestag vorgestellt hat. Orientierung geben soll den Verbrauchern der Nutri-Score, der unter Klöcker in Deutschland eingeführt wurde. 93 aus Deutschland stammende Unternehmen hätten sich bereits für eine Verwendung des Nutri-Scores registriert, heißt es in einer Mittelung zum Bericht. Wie viele Unternehmen sich nicht registriert haben oder wie häufig der Nutri-Score bereits abgedruckt wird, wird nicht genannt.

Die Praxis zeigt jedoch: Im Lebensmitteleinzelhandel sind die mit dem Nutri-Score gekennzeichneten Fertignahrungsmittel noch immer unterrepräsentiert. Und, auch das zeigt die Praxis: „So sind in Deutschland viele Erwachsene, Kinder und Jugendliche übergewichtig. Die Folgen wirken sich nicht nur direkt auf die Betroffenen aus, sondern verursachen auch erhebliche Kosten in unserem Gesundheitssystem“, so Klöckner am Donnerstag im Bundestag.

Optimistischer Blick auf NRI

Dem langfristig entgegenzuwirken, verfolgt die Bundesregierung seit 2018 eine Nationale Reduktions- und Innovationsstrategie (NRI). Im Rahmen der NRI hat sich die Lebensmittelwirtschaft in einer freiwilligen Selbstverpflichtung bereit erklärt, bis 2025 die Rezepturen ihrer Produkte zu ändern und Zucker, Salz und Fette darin zu reduzieren.

Laut einer Mitteilung zum Ernährungsbericht sei inzwischen „tendenziell weniger Salz in Tiefkühlpizzen“, im Vergleich zu 2018 „35 Prozent weniger Zucker in Erfrischungsgetränken für Kinder“ oder „17 Prozent weniger Zucker in Knusper-Schoko-Cerealien für Kinder“. Zudem, erinnert Klöckner, wurde im Rahmen der NRI ein Verbot des Zusatzes von Zucker und anderen süßenden Zutaten in Säuglings- und Kleinkindertees durchgesetzt.

DANK: „Bericht beschönigt“

„Eine gesundheitsförderliche und nachhaltige Ernährung muss für alle machbar sein“, betonte Klöckner im Bundestag. Kritik daran kommt von der DANK (Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten): „Der Bericht beschönigt, wie schlecht es nach wie vor um die Ernährung der Bevölkerung in Deutschland bestellt ist. Minimale Reduktionen in einzelnen Produktuntergruppen werden als großer Erfolg dargestellt, während sich im Großen wenig verbessert hat“, kritisiert DANK-Sprecherin Barbara Bitzer. Nach wie vor seien Kindercerealien jene mit dem höchsten Zuckergehalt. Hier zeige sich der „Grundfehler der Reduktionsstrategie: Die gesteckten Ziele sind viel zu niedrig, weil die Industrie bei ihrer Formulierung zu großen Einfluss hatte.“

Auch die Verbraucherorganisation Foodwatch schlägt ähnliche Töne an: „Bundesministerin Klöckner täuscht die Öffentlichkeit, wenn sie ihre Reduktionsstrategie als großen Erfolg verkauft. Trotz Zuckerreduktion entsprechen noch immer 9 von 10 Kinderprodukten nicht den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation.

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