Kaum beachtetes Thema
MHH startet Studie zum Sterben im Strafvollzug
Welche Erfahrungen machen schwerkranke Menschen in Haft? Mit dieser Frage beschäftigt sich ein Projekt des Instituts für Allgemeinmedizin der Medizinischen Hochschule Hannover.
Veröffentlicht:Hannover. Ein Team des Instituts für Allgemeinmedizin und Palliativmedizin der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) will in einer Studie ein bisher kaum beachtetes Thema untersuchen: Das Sterben im Strafvollzug. Die Studie heißt „Sterben im Strafvollzug. Exploration von Erfahrungen und Bedarfen Inhaftierter und der Versorgungsrealität (ARREST)“.
Das Forschungsteam aus der Psychologin Prof. Stephanie Stiel, dem Soziologen Dr. Malte Klemmt und der Kriminologin Sarah Barkowski will in der ersten Projektphase schwerkranke und sterbende Inhaftierte und vorzeitig Entlassene nach ihren Erfahrungen und Bedürfnissen hinsichtlich ihrer Versorgung fragen. In der zweiten Phase folgen Interviews mit Versorgenden innerhalb und außerhalb von Gefängnissen, etwa in Hospizen und auf Palliativstationen. Die Ergebnisse der Erhebungen werden in der dritten Phase verglichen, „so dass ein multiperspektivisches Gesamtbild entsteht“, wie die MHH mitteilt.
Gleiches Recht auf medizinische Versorgung
Inhaftierte haben ein Recht auf die gleiche medizinische Versorgung wie gesetzlich Krankenversicherte, so die Forschungsgruppe. Das betreffe auch die palliativmedizinische Versorgung Sterbender. Wenn Gefangene erkranken, werden sie zunächst anstaltsintern versorgt. Bei schweren Erkrankungen können sie in JVA-Krankenhäuser verlegt werden. Allerdings unterliegt die Versorgung schwerkranker Gefangener besonderen Bedingungen, erklärt Stiel: „Justizvollzugsanstalten sind zwangsläufig restriktive und stark reglementierte Einrichtungen mit geringen Handlungsspielräumen.“
„Mit der ARREST-Studie möchten wir den aktuellen Stand der palliativmedizinischen Versorgungsrealität im Strafvollzug darstellen, um mögliche Defizite und Potenziale zu identifizieren und eventuellen Handlungsbedarf aufzuzeigen“, sagt Klemmt. Das Projekt wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft mit rund 356.000 Euro für 30 Monate gefördert. (cben)








