30 Jahre Ärzte Zeitung

"Nicht am Telefon - lieber unter vier Augen!"

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Die erste Begegnung mit der DDR. Noch herrscht Angst vor der Stasi.

Neu-Isenburg/Berlin. Seit dem 9. November steht die Lage in der DDR im Mittelpunkt der Redaktionskonferenzen der "Ärzte Zeitung". Chefredakteur Hagen Rudolph gibt die Order aus: "Wir brauchen einen Mann vor Ort, der sich selbst ein Bild macht." Gesagt getan.

Am 10. November geht das Akkreditierungsgesuch per Telex an das Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten der DDR. Die Antwort kommt prompt: Eine Akkreditierung wird abgelehnt. So greift Plan B: "Dann besucht Wolfgang van den Bergh als Tourist Ost-Berlin", beschließt Hagen Rudolph.

Flug und Hotel waren schnell gebucht, selbst der Transfer vom Flughafen Tegel nach Ost-Berlin wurde vom "Reisedienst der Wirtschaft" minutiös geplant. Ein schwerer Mercedes mit DDR-Kennzeichen stand am Flughafen bereit und fuhr mit mir am 22. November nach Ost-Berlin. Einfache Fahrt: 80 DM.

Angekommen im Palast-Hotel am Berliner Dom griff ich in meiner Naivität zum Telefonhörer und wählte Professor Harald Mau von der Charité an. "Sympathisch klingt anders", dachte ich mir, bis ich die verklausulierte Botschaft schließlich verstand.

Übersetzt hieß das: "Ich kann nicht ausschließen, dass wir abgehört werden." Mau: "Ich würde Sie denn doch lieber unter vier Augen sprechen."

"Garantiert abhörsicher"

Mau holte mich an der Pforte der Charité ab - freundlich und zuvorkommend. Wir gingen in einen Raum, in dem normalerweise Bestrahlungen vorgenommen wurden. Maus trockener Kommentar: "Garantiert abhörsicher."

Er berichtet von seinen Plänen, von der Gründung des freien Ärzteverbandes, von der Forderung nach einer Verdoppelung des Gesundheitsetas von 5,4 auf zehn Prozent des Nationaleinkommens, von der Revolution auf allen Versorgungsebenen.

Ich führte weitere Gespräche in Ost-Berlin - danach war mir klar, wie viel persönliches Engagement noch nötig sein würde, um die DDR vor dem Versorgungs-Kollaps zu bewahren. Ärzte in Ost und West haben es nicht so weit kommen lassen. (vdb)

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