Direkt zum Inhaltsbereich

Schlechte Noten

Schülerschreck Migräne

Etwa jeder vierte Schüler hat nach Daten einer brasilianischen Untersuchung migräneartige Kopfschmerzen. Darunter leiden nicht nur die Kinder.

Von Thomas Müller Veröffentlicht:
In den Industrieländern haben knapp zehn Prozent der Kinder eine episodische Migräne. Das Lernen fällt vielen dann schwer.

In den Industrieländern haben knapp zehn Prozent der Kinder eine episodische Migräne. Das Lernen fällt vielen dann schwer.

© kmiragaya/Fotolia.com

RIBEIRãO PRETO. Dass sich Kinder mit starken Kopfschmerzen nicht gut auf den Unterricht konzentrieren können und oft fehlen, liegt nahe.

Wie häufig Kopfschmerzen bei Schulkindern sind und welche Konsequenzen das für ihre Leistung hat, haben zwei Forscher aus Brasilien und den USA untersucht (Neurology 2012; 79: 1881-1888).

Dr. Marco Arruda aus Ribeirão Preto und Dr. Marcelo Bigal aus New York haben mit Zustimmung der Eltern bei 124 Lehrern die Schulleistungen von 5700 Kindern zwischen fünf und zwölf Jahren eruiert.

Zugleich interviewten sie die Mütter mit standardisierten Fragebögen. Schwerpunkte waren die allgemeine und psychische Gesundheit der Kinder sowie soziodemografische Faktoren. Kopfschmerzen wurden mit einem Modul für Kinder erfasst, das sich gut zur Migränediagnostik eignet.

Die Ergebnisse: Eine episodische Migräne hatten 9 Prozent der Kinder, überwiegend älter als neun Jahre, eine chronische Migräne nur 0,6 Prozent. Jedoch hatten knapp 17,6 Prozent der Kinder Schmerzen, die als "wahrscheinliche Migräne" eingestuft wurden.

Dosis-Wirkung-Beziehung?

Insgesamt hatten nach Angaben ihrer Mütter also 27 Prozent der Schüler immer wieder migräneartige Kopfschmerzen. Die Prävalenzen für Migräne decken sich dabei ungefähr mit denen aus Industrienationen.

So wurde in den USA bei einer aktuellen Untersuchung bei 7,3 Prozent der Kinder und Jugendlichen eine episodische Migräne festgestellt, eine chronische Migräne mit oft täglichen Schmerzen bei 0,8 Prozent.

In den Schulleistungen unterschieden sich Kinder mit gelegentlichen Spannungskopfschmerzen und Kinder ohne Kopfschmerzen nicht - der Anteil der unterdurchschnittlichen Schüler lag hier bei etwa 23 Prozent.

Deutlich höher war dieser Anteil bei wahrscheinlicher Migräne (28,5 Prozent), episodischer Migräne (32,5 Prozent) und chronischer Migräne (37,1 Prozent). Dies korrelierte mit der Zahl der Fehltage wegen Kopfschmerzen - sie war bei migräneartigen Schmerzen deutlich höher als bei Spannungskopfschmerzen.

Arruda und Bigal schließen daraus, dass migräneartige Kopfschmerzformen die Schulleistung beeinträchtigen können - je öfter und stärker die Schmerzen, umso schlechter die Leistung.

Mehr zum Thema

Längsschnittliche Kohortenstudie

Ist zu wenig Social Media auch nicht gut für Kinder und Jugendliche?

Das könnte Sie auch interessieren
Update Multiple Sklerose: Aktuelle Erkenntnisse und Entwicklungen

© libre de droit | iStock

Update MS

Update Multiple Sklerose: Aktuelle Erkenntnisse und Entwicklungen

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Einfluss der MS-Therapie auf Immunzellen im Liquor

© Yozayo | iStock

Intrathekale Entzündung

Einfluss der MS-Therapie auf Immunzellen im Liquor

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Ein erreichbares Ziel bei MS?

© Merck KGaA

Therapiefreie Remission

Ein erreichbares Ziel bei MS?

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Verlauf des Rett-Syndroms

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Rett-Syndrom

Diagnose und Verlauf einer herausfordernden Erkrankung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Acadia Pharmaceuticals (Germany) GmbH, München
Abb. 1: Typische Körperumrisse bei Achondroplasie

© BioMarin

Achondroplasie

Gezielte Therapie: erste Lebensjahre sind entscheidend

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: BioMarin Deutschland GmbH, Frankfurt am Main
Voraussetzungen für eine erfolgreiche Transition Betroffener in die Erwachsenenmedizin

© Pinit / stock.adobe.com / generiert mit KI

Pädiatrische cholestatische Lebererkrankungen

Voraussetzungen für eine erfolgreiche Transition Betroffener in die Erwachsenenmedizin

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Mirum Pharmaceuticals Germany GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Dissoziation

Umgang mit Trauma und PTBS: Was kann die Hausarztpraxis leisten?

Lesetipps
Die Wissenschaftler arbeiten mit der Annahme, dass die Zellen nach dem „Auftauen“ ihre normalen physiologischen Prozesse wieder aufnehmen.

© Tomorrow.bio

Start-up

Kryokonservierung: Der Traum vom ewigen Leben

Eine ältere Frau fässt sich mit den Händen ins Gesicht

© Miriam Kunz

Interview

Schmerzen bei Demenz-Patienten: Welche Fallstricke lauern in der Diagnostik?

Eine Frau geht Walken im Park. Man sieht nur ihre Beine.

© Robert Kneschke / AdobeStock

Cochrane-Update

Körperliches Training hilft wohl doch kaum bei Hüftarthrose