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Gelungene Premiere

Sportfest für Menschen mit Krebs

Spaß an Bewegung - das war das Kernziel des ersten Deutschen Sportfestes für Menschen mit Krebs in Wiesbaden. Patienten konnten ihre Fitness testen und viele Sportarten ausprobieren. In zwei Jahren ist eine Neuauflage geplant.

Von Pete Smith Veröffentlicht:
Ziehen, was das Zeug hält: voller Einsatz am Ruderergometer.

Ziehen, was das Zeug hält: voller Einsatz am Ruderergometer.

© Smith

WIESBADEN. In Deutschland sind mehr als vier Millionen Menschen an Krebs erkrankt. Obwohl eine regelmäßige körperliche Bewegung erwiesenermaßen die Lebensqualität dieser Patientengruppe verbessert, treiben nur 30 000 Betroffene therapiebegleitend Sport.

Die Stiftung Leben mit Krebs will hier ein Zeichen setzen: Beim 1. Deutschen Sportfest für Menschen mit Krebs in Wiesbaden konnten Patienten ihre Fitness testen und etliche Sportarten ausprobieren.

"In der Gruppe wird man mitgezogen"

"Als einzelne Person geht man selten an seine Grenzen", sagt Barbara Kastner, die vor einigen Jahren an Gebärmutterhalskrebs erkrankte. "In der Gruppe wird man mitgezogen. Außerdem macht der Sport mit anderen mehr Spaß."

Im Wiesbadener Helmut-Schön-Sportpark geht die Aschaffenburgerin mit der Nummer 502 an den Start. Am Fahrradergometer absolviert sie zunächst einen fünfminütigen Fitnesstest.

Zwar findet sie die Übung einigermaßen anstrengend, zeigt sich dann aber nach Auswertung des Tests durch die Frankfurter Sportstudentin Magdalena Kruse erfreut. Ihre Ausdauerwerte sind durchschnittlich. Mit einem guten Gefühl geht sie zur nächsten Station.

1000 Meter Laufen oder Gehen, 2000 Meter Nordic-Walking, 50 oder 100 Meter Sprint, Kugelstoßen, Ball-Weitwurf, Rudern, Klettern, Volleyball, Sporttanz - das Angebot für die Teilnehmer in Wiesbaden ist riesig.

Mehr als 200 Krebspatienten, darunter auch viele Kinder, haben sich angemeldet und sammeln fleißig Punkte. Denn Medaillen gibt's am Ende auch.

Goldmedaille für sieben Teilnahmen

Wer drei Angebote wahrnimmt, erhält Bronze, bei fünf Teilnahmen gibt's Silber, und wer sieben Mal dabei ist, bekommt eine Goldmedaille.

Unter den Anfeuerungsrufen der Moderatoren Jörg Bombach und Tim Frühling vom Hessischen Rundfunk und dem Applaus der vielen Freunde und Helfer stellen die Teilnehmer des Krebssportfestes unter Beweis, dass die Diagnose Krebs nicht zur Lethargie verdammt.

Hier und heute geht es um Spaß an der Bewegung, den man auch beim Boccia, Torwandschießen, Frisbee-Zielwurf, Putten oder Korbball haben kann. Selbst ein Breakdance-Schnupperkurs ist im Angebot.

Aus dem 1. Deutschen Sportfest für Menschen mit Krebs soll eine Bewegung erwachsen, wünscht sich Klaus Schrott, Vorsitzender der Stiftung Leben mit Krebs und Initiator des Sportfests.

"Ein angepasstes Training stärkt das Immunsystem und die Muskulatur, ist ein wirksames Mittel gegen Fatigue, hellt die Stimmung auf und verbessert die gesamte Lebensqualität", erläutert Schrott die Hintergründe.

Alle zwei Jahre soll das Sportfest für Menschen mit Krebs von nun an stattfinden. Die nächste Veranstaltung ist aus Anlass der 100-Jahr-Feier der Goethe-Universität in Frankfurt am Main 2014 geplant, im Jahr 2016 geht es wahrscheinlich nach Heidelberg.

Unterstützt wird die Stiftung Leben mit Krebs vom Hessischen Sozialministerium, der Hessischen Krebsgesellschaft, Arzneiunternehmen sowie der Else Kröner-Fresenius-Stiftung.

Ein unverzichtbarer Bestandteil der Krebstherapie

Ihren fachlichen Rat steuern Professor Elke Jäger, Ärztliche Direktorin der Klinik für Onkologie und Hämatologie am Nordwest-Krankenhaus in Frankfurt am Main, sowie Professor Winfried Banzer, Leiter der Abteilung Sportmedizin am Institut für Sportwissenschaften der Goethe-Universität, bei.

"Sport ist mittlerweile ein unverzichtbarer Bestandteil der Krebstherapie", macht Sportmediziner Banzer deutlich. "Und auch der präventive Aspekt ist heute unbestritten."

Banzer spricht sich dafür aus, dass alle Menschen, die die Diagnose Krebs erhalten, frühzeitig darüber beraten werden, welches Sportangebot für sie sinnvoll ist.

Und er erläutert darüber hinaus, was die Grundvoraussetzung für eine anhaltende Motivation ist. "Das Wichtigste dabei ist, das sie beim Sport Spaß haben, dann bleiben sie auch dabei."

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Kommentare
Dr. Horst Grünwoldt 04.09.201221:11 Uhr

Heilmittel Sport

Was in Wiebaden und Frankfurt für Krebspatienten organisiert und geleistet wurde, sollte überall in Deutschland stattfinden: Schwerstkranke niemals als leistungsschwach zu erklären, sondern sie im Rahmen ihrer Möglichkeiten am Laufen, Radfahren und Schwimmen zu beteiligen und den natürlichen Leistungsehrgeiz in der Gruppe niemals erlahmen zu lassen. Das dürfte ungeahnte Lebensgeister und damit Heilkräfte erwecken.
Wir sehen dies ja gerade eindrucksvoll bei den Teilnehmern der Para-Olympics in London!
Dr. med. vet. Horst Grünwoldt, Rostock

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