Gesellschaft

Unermüdlich auf der Jagd nach Doping-Sündern

Die Fahrer der Tour de France 2011 stehen in dieser Woche auf schweren Alpenetappen noch einmal vor großen sportlichen Herausforderungen. Ein Kölner Biochemiker trägt mit dazu bei, dass Dopingbetrüger entlarvt werden.

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Sie sind wieder unterwegs: die Radrennfahrer der Tour de France haben in den nächsten Tagen schwere Alpenetappen im Visier.

Sie sind wieder unterwegs: die Radrennfahrer der Tour de France haben in den nächsten Tagen schwere Alpenetappen im Visier.

© Panoramic Jerome / imago

REDON (dpa). Doping-Jäger Wilhelm Schänzer ist auch in diesem Jahr bei der Tour de France wieder der Mann für alle Fälle.

Der Leiter des Anti-Doping-Labors in Köln hatte im Vorjahr den Clenbuterol-Befund im Fall des Radstars Alberto Contador geliefert. Die Minimalmengen des hauptsächlich in der Trainingsphase zu Dopingzwecken eingesetzten Kälbermastmittels konnten nur in Köln nachgewiesen werden.

Wieder Dopingfall bei der Tour

Inzwischen gibt es auch bei der Tour 2011 wieder einen Dopingfall. Der Russe Alexander Kolobnev vom Team Katusha wurde ertappt. Bei der bei ihm nachgewiesenen Substanz handelt es sich um das Diuretikum Hydrochlorothiazid (HCT). Das teilte inzwischen der Radsport-Weltverband UCI mit.

Alexander Kolobnev, der für eine rein russische Mannschaft fährt, konnte nicht offiziell durch die UCI von der Frankreich-Rundfahrt ausgeschlossen werden. HCT ist nicht als leistungssteigernd klassifiziert. Formal handelt es sich noch um keinen Dopingfall.

Jedoch findet sich das Präparat auf der WADA- beziehungsweise UCI-Liste der verbotenen Substanzen. HCT wird häufig zur Maskierung anderer Doping-Substanzen benutzt.

Schänzer arbeit unermüdlich weiter

Mann für alle Fälle gegen Dopingsünder: der Biochemiker Professor Wilhelm Schänzer von der Sporthochschule Köln.

Mann für alle Fälle gegen Dopingsünder: der Biochemiker Professor Wilhelm Schänzer von der Sporthochschule Köln.

© Revierfoto / imago

Laut den UCI-Regularien kann Kolobnev auch mit einer Verwarnung davonkommen, wenn er nachweist, wie das offiziell als "spezifische Substanz" deklarierte Mittel in seinen Körper gelangte.

Wilhelm Schänzer arbeitet derweil unermüdlich weiter.

Er ist einer der am meisten gefürchteten DopingAnalytiker weltweit und hat für potenzielle Betrüger sogleich eine Warnung parat: "Sportler sollten sich nicht zu sicher sein - wir entdecken auch vermeintlich nicht dopingrelevante Mittel."

Aktuell sei eine neue Anabolika-Alternative auf dem illegalen Markt, erklärte der Kölner Professor. Dank Langzeitlagerung - etwa durch Einfrieren von Proben - könnten Doper auch im Nachhinein noch entlarvt werden.

Das diene zusammen mit den rückwirkend möglichen Analysen als Abschreckung.

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Kommentare
Veröffentlichte Meinungsäußerungen entsprechen nicht zwangsläufig der Meinung und Haltung der Ärzte Zeitung.
Dr. Horst Grünwoldt

Doping-Profiteure

Der Spurensucher und Professor der Biochemie Schänzer und sein staatliches Universitäts-Institut gehören nach m.E. zu den Haupt-Profiteuren des unwürdigen "Anti-Doping-Kampfes", obwohl sie sportmedizinisch dazu gar nicht qualifiziert sind, Urteile über einzelne Athleten zu fällen.
Der "Doping-Jäger" Schänzer sollte seine Spurensuche und seine infamen Drohungen nicht auf die Opfer des Arzneimittel-Mißbrauchs, -die Sportler-, ausrichten, sondern auf die illegalen In-Verkehr-Bringer von verschreibungspflichtigen Arzneien oder höchst zweifelhaften "Doping"-Mitteln. Dazu zählen alle Händler, Quacksalber und Scharlatane in der näheren entourage der Leistungs- und Berufssportler.
Dem einzelnen Athleten dürfen zur Rekonvaleszenz nach Sportverletzungen und sonstigen Krankheiten natürlich überhaupt keine Stoffe irgendwelcher Art vorenthalten werden, wenn der Sportarzt dazu eine Indikation und heilende Kraft erkennt.
Kälbermastmittel gehören mit Sicherheit nicht dazu; sehr wohl aber clenbuterolhaltige Arzneimittel zur Ausheilung einer Atemwegserkrankung!
Diese dürften nach kurzzeitiger Applikation überhaupt keinen "Doping-Effekt" im Sinne einer "unerlaubten" Leistungssteigerung haben.
Genauso absurd ist der vermeintliche Nachweis eines Diuretikums zur angeblichen "Verschleierung" eines anderen Dopes. Schließlich funktioniert die natürliche Diurese bei einem Sportler unter Trainings- und Wettkampfbedingungen höchst effizient - es sei denn, er ist nierenkrank!
Im übrigen schützt auch das Einfrieren von Urin- und Blutproben nicht vor substanziellen Veränderungen während der Lagerungszeit in den organischen Probenmaterialien,und entsprechend vor falsch-positiven Analysen-Ergebnissen...
Facit:
Der sog. "Anti-Doping-Kampf" und sein krakenhaft ausgewachsener Apparat sollte alleine den Sportler vor dem Arzneimittel-Mißbrauch schützen und sie niemals unter Generalverdacht eines fiktiven Betrugs stellen.
Damit zerstören Schänzer, Franke & Kollegen nicht nur die Karrieren einiger bewundernswerter Berufssportler, sondern unseren gesamten Hochleistungssport auf leichtfertige Art und Weise.
Dr. med. vet. Horst Grünwoldt aus Rostock


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